Möriken-Wildegg
So reagiert die Gemeinde auf das Jahrhundert-Unwetter vom Mai und Juni

Verheerende Überschwemmungen, wie sie im Frühling vorkamen, will der Gemeinderat künftig verhindern. Doch das kostet. Alleine der Planungskredit beträgt 50'000 Franken.

Markus Christen
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Bei den schweren Regenfällen wurden Quartierstrassen überschwemmt.

Bei den schweren Regenfällen wurden Quartierstrassen überschwemmt.

zvg

Das Interesse und die Betroffenheit in der Bevölkerung von Möriken-Wildegg sind gross. Rund 80 Zuhörer fanden sich am Mittwochabend im Gemeindesaal von Möriken ein zu einem Informationsanlass, der die Gewitter und Starkregen im Mai und im Juni zum Thema hatte.

Die Ausgangslage: Im überaus regenreichen Monat Mai richtete heftiger Regenfall am Pfingstwochenende die grössten Schäden an. Gemessen über den gesamten Monat betrug die Niederschlagsmenge rund 150 Millimeter pro Quadratmeter. Und nur drei Wochen später, am 8. Juni, war die Regengüsse annähernd gross genug, um Experten von einem Jahrhundertunwetter sprechen zu lassen.

Durch geflutete Keller und Tiefgaragen in grosse finanzielle und in emotionale Mitleidenschaft gezogen wurde vor allem der nordöstliche Dorfteil von Möriken im Gebiet Gugelacker-Ackerweg-Alpweg.

Unwetter sorgen im Aargau für Überschwemmungen Ein Mann läuft mit einer Schaufel auf einer überfluteten Strasse in Dottikon.
45 Bilder
Eine überflutete Strasse in Dottikon.
Eine überflutete Strasse in Dottikon.
Unwetter sorgen im Aargau für Überschwemmungen Eine Autofahrerin durchquert eine überflutete Strasse in Lenzburg.
Der Gehrenweg in Möriken hat sich in einen reissenden Bach verwandelt.
Der Gehrenweg in Möriken hat sich in einen reissenden Bach verwandelt.
Der Gehrenweg in Möriken hat sich in einen reissenden Bach verwandelt.
 Die Bachstrasse in Dottikon ist effektiv zu einem Bach geworden. Die Wassermassen flossen von da über eine angrenzende Liegenschaft hinunter auf die Wohlerstrasse.
 Die Bachstrasse in Dottikon ist effektiv zu einem Bach geworden. Die Wassermassen flossen von da über eine angrenzende Liegenschaft hinunter auf die Wohlerstrasse.
 Die Bachstrasse in Dottikon ist effektiv zu einem Bach geworden. Die Wassermassen flossen von da über eine angrenzende Liegenschaft hinunter auf die Wohlerstrasse.
 Auf der Kreuzung Bahnhofstrasse/Wohlerstrasse stand das Wasser knöcheltief.
 Bahnhofstrasse unterhalb des Knotens Wohlerstrasse
 Auf dem Vorplatz vor der Bäckerei Wirth an der Bahnhofstrasse stand das Wasser einen halben Meter hoch.
 Überflutete Bahnhofstrasse im Bereich des Gemeindehauses.
 Bahnhofstrasse
 Bahnhofstrasse
 Sternenkreuzung, zeitweise war nichts mit Grün, das Wasser versperrte den Weg
 Hägglingerstrasse
 Sternenkreuzung
 Kreuzung Hendschikerstrasse/Mitteldorfstrasse
 Hägglingerstrasse
 Überflutete Felder bei der Firma Rosenhuber
 Hägglingerstrasse
 Überflutete Felder bei der Firma Rosenhuber
 Um das Grundwasserpumpwerk zu schützen, musste mit Baumaschinen ein Wall erstellt werden
 Überflutete Felder bei der Firma Rosenhuber
 Überflutete Felder bei der Firma Rosenhuber
 Überflutete Felder bei der Firma Rosenhuber
 Überflutete Felder bei der Firma Rosenhuber
 Die Bünz zwischen Dottikon und Hendschiken blieb noch knapp in ihrem Bett
 Die Bachstrasse ist zum Bach geworden
 Die Bünz vermochte die Wassermassen nur knapp zu schlucken
 An der Bachstrasse
 Überschwemmte Liegenschaft zwischen Bachstrasse und Wohlerstrasse
 Überschwemmte Liegenschaft zwischen Bachstrasse und Wohlerstrasse
 Überschwemmte Liegenschaft zwischen Bachstrasse und Wohlerstrasse
 Wohlerstrasse
 Überschwemmte Liegenschaft zwischen Bachstrasse und Wohlerstrasse
 Überschwemmte Liegenschaft zwischen Bachstrasse und Wohlerstrasse
 Wohlerstrasse
 Wohlerstrasse
Überschwemmte Bäckerei in Dottikon
Überschwemmte Bäckerei in Dottikon
Überschwemmte Bäckerei in Dottikon

Unwetter sorgen im Aargau für Überschwemmungen Ein Mann läuft mit einer Schaufel auf einer überfluteten Strasse in Dottikon.

Keystone/Ennio Leanza

Riesige Wassermengen

Vorgestern Abend legten die Gemeinderäte Beat Fehlmann und Markus Eichenberger eine Analyse des Gemeinderates über die Hochwasserereignisse vor. Dafür hat der Gemeinderat verschiedene Gespräche geführt mit Personen, die an der Bewältigung früherer Hochwassersituationen beteiligt waren. Überdies wurden mögliche Schutzmassnahmen vorgestellt, die helfen sollen, eine weitere Überschwemmung in Möriken zu verhindern.

Die aussergewöhnlichen Ereignisse von Mai und Juni wurden durch die aktuelle Gefahrenkarte der Gemeinde nicht antizipiert. Dies, weil die verheerenden Wassermengen durch sogenannten Oberflächenabfluss ins Siedlungsgebiet strömten. Konkret hatten sich am 8. Juni zehntausende Kubikmeter Wasser in vier Geländekammern unterhalb des Walds am Chestenberg gesammelt, die wie Trichter auf das angrenzende Wohngebiet zielten.

Kombination von Massnahmen

Drei Möglichkeiten habe die Gemeinde, erläuterte Andreas Niedermayr vom Ingenieurbüro Hunziker, Zarn & Partner, der als Referent an die Informationsveranstaltung geladen war. So könne das Wasser je nach ausgewählter Massnahme entweder rückgestaut, gezielt durch das Wohnquartier oder darum herum geleitet werden.

Im Detail ausgeführt, bedeutet dies Folgendes: Bei der Rückstauung werden sogenannte Rückhaltebecken im Feld nahe des vom Wasser bedrohten Wohnquartiers gebaut. Man könne sie sich gut als eine Art Eimer mit Abflussloch vorstellen, mit denen das Wasser aufgefangen und dann weggeführt werde. «Die Gefahr einer Wasserstauung ist bei dieser Massnahme allerdings grösser als bei einer Durchleitung oder Umleitung des Wassers.» Bei der gezielten Durchleitung des Wassers durch das Siedlungsgebiet sollen selbstredend jegliche Schäden verhindert werden. Die Umleitung des Wassers wiederum könne beispielsweise mit der Schaffung eines Bachlaufs oder Grabung einer von der Siedlung wegführenden Tiefe oder Mulde erreicht werden, so Niedermayr. «Bei näherer Betrachtung merkt man jedoch schnell, dass es zu jeder dieser Varianten auch noch ein ‹aber› gibt. Keine dieser Möglichkeiten mag alleine restlos zu überzeugen.» Aus Kosten-Nutzen-Perspektive sei wohl eine Kombination dieser drei Massnahmen der sinnvollste Weg, folgerte der Spezialist.

An der Gemeindeversammlung am 28. November werden die Stimmbürger über einen Planungskredit von 50000 Franken zur Erarbeitung eines Massnahmenkonzepts zu befinden haben.

Hochwasser: Massnahmenpläne betroffener Gemeinden

Die Überschwemmungen im Frühling bleiben auch in andern betroffenen Gemeinden nicht ohne Folgen. Man habe eine Bestandesaufnahme in Auftrag gegeben, heisst es aus Othmarsingen. Nachdem das Dorf Anfang Juni bei den starken Regenfällen in Mitleidenschaft gezogen worden war, hatte man sich beim zweiten heftigen Gewitter frühzeitig mit Hochwassersperren vor weiteren Überschwemmungen geschützt. Nun wolle man zuerst die Ergebnisse der Analyse abwarten, bevor über weitere Schritte nachgedacht werden soll. In Niederlenz habe man bezüglich Hochwasser keinen Handlungsbedarf, sagt Gemeinderat Thomas Hofstetter auf Anfrage. Auch in Hendschiken sind keine grösseren Massnahmen gegen künftige Hochwasser geplant. Zwei neuralgische Stellen habe man geortet, erklärt Gemeindeammann Daniel Lüem. Diese sollen in Zukunft bei angekündigten schweren Regenfällen mit zusätzlichen Sandsäcken noch besser geschützt werden. Dazu habe man weitere Sandsäcke bereitgestellt, die nun im Umfeld der beiden Stellen deponiert werden. (str)

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