Operette
Operette Möriken: Wenn der Räuber das Liebespaar aus höchster Not rettet

In Möriken sind Franz von Suppés «Banditenstreiche» in einer stimmungsvollen Inszenierung zu sehen.

Rosmarie Mehlin
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Oper Möriken: Szene aus der Operette "Banditenstreiche"
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Oper Möriken: Szene aus der Operette "Banditenstreiche"
Oper Möriken: Szene aus der Operette "Banditenstreiche"
Oper Möriken: Szene aus der Operette "Banditenstreiche"

Oper Möriken: Szene aus der Operette "Banditenstreiche"

archiv/Peter Siegrist

Was den Kindern der Räuber Hotzenplotz, ist Malandrino für Operettenfans. Allerdings ist Ersterer rundherum ein Böser, während Malandrino auf den Spuren von Robin Hood wandelt. Zwar zieht er als Hauptmann mit seinen Banditen raubend durch Süditalien – wo es sein muss, stellt er sich indes auf die Seite von Unglücklichen und kämpft für Gerechtigkeit.

Solches tut not, als in einem Dorf im Golf von Neapel eine Hochzeit ansteht, bei der nicht Lidia und Gaetano – zwei sich innig Liebende – zusammenkommen sollen, weil der Brautvater dagegen ist: Bürgermeister Babbeo will sein reizendes Töchterlein an einen Reichen verschachern und verweigert seine Unterschrift unter den Ehevertrag.

Das Drama wäre perfekt, würde es sich nicht um das Libretto einer Operette handeln. So aber wird der Räuber zum Retter, ist Tragik gewürzt mit Komik und mündet das Ganze zu guter Letzt in Friede, Freude, Hochzeitskuchen. Bis es jedoch so weit ist, oh là là, triumphieren Seelenschmerz und Raubüberfälle, Verwechslung, Verkleidung, Verhaftung – kurzum, totale Verwirrung. Diese gehört unausweichlich zur Operette, denn sie war den Komponisten jeweils Anlass und Inspiration für einen bunten Melodienstrauss.

Beschwingliche Atmosphäre

Franz von Suppés «Banditenstreiche», 1867 uraufgeführt, steht in einer Reihe mit berühmten musikalischen Räuberkomödien, so Auberts «Fra Diavolo» (1830), Offenbachs «Banditen (1869) und Millöckers «Gasparone» (1884). Neben «Die schöne Galathee» und vor allem «Boccaccio» ist «Banditenstreiche» Suppés bedeutendste Operette und geprägt von dessen typischer Melodik und Rhythmik. Die Melodien sind zwar weniger «ohrwurmig» als in «Boccaccio», aber wie dort inspiriert von beschwingter italienischer Atmosphäre, gepaart mit Liebessehnsucht, Heiterkeit, leichter Dramatik und Schlitzohrigkeit. Kurzum – die Streiche der Banditen und was sie bewirken, spiegeln sich virtuos umgesetzt in der Musik.

So kann man sich jetzt im Gemeindesaal Möriken immer wieder entspannt zurücklehnen und in den von vielen hübschen Einfällen geprägten Melodien schwelgen. Dazwischen allerdings ist eine gehörige Portion Konzentration erforderlich, wird die Handlung gegen das Ende hin doch zunehmend verwirrlicher, entwickelt sich Malandrinos Strategie auf dem Weg zum Happy End – notabene für die Liebenden, wie auch für die Banditen – als ziemlich kompliziert. Dies nicht zuletzt, weil es mit der Akustik auf den Zuschauerplätzen unter dem Balkon nicht zum Besten steht, was musikalisch kein Problem ist, wohl aber bei den Dialogen.

So macht Operette grossen Spass

Doch – auch wenn man mal kurz den Handlungsfaden verliert – die Freude bleibt: allein schon an der südlichen Atmosphäre, die das Bühnenbild (Kristin Osmundsen) verströmt, an der schönen und bunten Vielfalt der Kostüme (Max Keiser), besonders aber am ausgezeichnet eingestimmten Orchester unter der bewährten Leitung von Bruno Leuschner, den Solisten und dem Chor.

Einmal mehr hat Regisseur Thomas Dietrich mit ebenso leichter wie präziser Hand unter Beweis gestellt, wie gut er sein Handwerk versteht: Mit viel, aber nie übertrieben viel Fantasie hat er nicht nur die Geschichte schwungvoll in Szene gesetzt, er lässt ebenso die Melodien von Sängerinnen und Sängern choreografisch umsetzen, was diese mit Lust und Können tun. So macht Operette grossen Spass.

Umso mehr, als Möriken-Wildegg auch diesmal nicht nur erneut mit einem guten Chor, sondern ebenso mit überzeugenden Solisten aufwartet. Eine Trouvaille ist der Bariton Wolf H. Latzel als Gaetano. Das Wiedersehen und besonders das Wiederhören mit Andrea Hofstetter als Lidia und Raimund Wiederkehr als Malandrino – beide grossartig – ist ebenso erbaulich, wie das Vergnügen, dass Niklaus Rüegg als Babbo, Erich Zwahlen als Gemeindeschreiber und Erwin Heusser als Schulmeister mit Komik für wohliges Schmunzeln sorgen.

Banditenstreiche in Möriken wird bis 21. November gespielt.