Start-up-Leben
Nikin-Gründer sagt: «Es kann schon schlaflose Nächte geben, wenn man für so viele Leute Löhne zahlen muss»

Nikin boomt, die Gründer strahlen und die Wirtschaft feiert sie. Aber der Weg zum Erfolg ist lang und beschwerlich. Selbst als Nikin 2018 2,5 Millionen Franken umsetzten, zahlten sich die Gründer, Nicholas Hänny und Robin Gnehm, noch keinen Lohn aus. Und jetzt stehen schon die nächsten Hürden an.

Sébastian Lavoyer
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Die beiden Nikin-Gründer Robin Gnehm (links) und Nicholas Hänny.

Die beiden Nikin-Gründer Robin Gnehm (links) und Nicholas Hänny.

Fabio Baranzini

Der Kleiderbrand Nikin ist eines der Aushängeschilder der Schweizer Start-up-Szene. Rasantes Wachstum, junge Kundschaft, Kombination von Coolness und Sinnhaftigkeit, Auszeichnungen für die Gründer – alles blitzt und blankt. Wenigstens von aussen. «Die Start-up-Welt wirkt immer so glamourös, so dynamisch, so anziehend», sagt Nicholas Hänny, CEO von Nikin.

Doch es gibt eine andere Seite, auch das mussten die beiden Nikin-Gründer erfahren. Das Start-up-Leben abseits des Scheinwerferlichts. Sie arbeiteten Hunderte von Stunden, ohne auch nur einen Franken Lohn zu kassieren. Noch 2018, als der Umsatz von 300'000 auf 2,5 Millionen Franken anstieg und sie zehn Angestellte hatten, zahlten sie sich keinen Franken aus.

Hänny selbst hat da neben dem Studium und dem Start-up noch 40 Prozent bei der Swiss gearbeitet. Er erinnert sich:

Irgendwann musste ich feststellen, dass ich nicht von 8 bis 23 Uhr arbeiten kann, dass ich Zeit brauche für meine Frau und meine Freunde.

Doch den Einsatz brauchte es, sie haben alles selbst aufgebaut. Sie haben die Produkte entwickelt, die Website gemacht, den Kundendienst, die Logistik, das Marketing, einfach alles. Angefangen haben sie mit 5000 Franken und bis auf ein Darlehen von Freunden und Familie in der Höhe von rund 100'000 Franken im Jahr 2018 sind sie bis heute komplett ohne Fremdfinanzierung ausgekommen.

Wenn man plötzlich für andere Leute verantwortlich ist

Rund 40 Leute arbeiten heute für Nikin, der Umsatz lag 2020 bei 13,4 Millionen Franken. Hänny gesteht:

Das ist auch eine riesige Verantwortung. Wenn das Geschäft vielleicht gerade mal nicht so läuft und du all die Leute zahlen musst, dann kann das schon schlaflose Nächte geben.

Das Wachstum bringt weitere Herausforderungen mit sich. In der Schweiz hat Nikin bereits eine grosse Bekanntheit, jetzt nehmen die Aargauer den europäischen Markt, insbesondere den deutschen, ins Visier. «Ich rechne damit, dass wir Ende 2021 mehr Kleider in Europa verkaufen als in der Schweiz», sagt Hänny.

Nicht nur im Bereich Logistik hat das erst vierjährige Start-up neue Herausforderungen zu bewältigen. Jetzt geht es auch darum, das Unternehmen auf eine neue Stufe zu heben. Es ist fast wie bei einem Kind, das langsam erwachsen wird. Denn eines ist für Hänny und Gnehm klar:

Wir wollen kein zweites Zimtstern werden, das nach mehreren Jahren der Blüte verschwand.

Darum soll Nikin vom Kleider- zum Lifestylebrand geformt werden. Der erste Schritt in diese Richtung: ein eigener Store. Es soll aber nicht einfach ein weiterer Kleiderladen werden, sondern eine Kombination von Café und Nikin-Shop. Wo man nachhaltigen Treepucino oder Treetea trinkt und ganz nebenbei noch die neusten Kollektionen bestaunen kann. Immer im Zentrum: Nachhaltigkeit, Erschwinglichkeit und Style. Denn: «Wir wollen die Leute zu einem nachhaltigen Leben inspirieren, so hippiemässig das auch tönt.»