Lenzburg
Nicht alle kommen abends schnell nach Hause

Glücklich ist, wer von den guten Verbindungen der Seetalbahn profitiert. Busbenützer müssen teilweise schon längere Wartezeiten in Kauf nehmen.

Barbara Vogt
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Die Seetalbahn hält regelmässig vor dem Bahnhof Lenzburg. Bei den Busverbindungen nach Schafisheim siehts zur späten Stunde anders aus. Emanuel Freudiger

Die Seetalbahn hält regelmässig vor dem Bahnhof Lenzburg. Bei den Busverbindungen nach Schafisheim siehts zur späten Stunde anders aus. Emanuel Freudiger

Seit dem Fahrplanwechsel Anfang Dezember wartet Daniel Ammann aus Schafisheim um Mitternacht regelmässig eine halbe Stunde im Bahnhof Lenzburg: Sein bisheriger Bus um 23.39 Uhr Richtung Seetal wurde gestrichen. Der nächste und letzte Bus fährt erst um 00.05 Uhr. Da Ammann um 23.27 Uhr aus Zürich ankommt, muss er so lange warten. Die Seetalbahn kann er nicht nehmen, da diese zwar im Halbstundentakt verkehrt, aber über Seon fährt und seinen Wohnort rechts liegen lässt.

Müde von der Arbeit möchte der Drucker, der bei Orell Füssli in Zürich Schicht arbeitet, spätabends nur noch eins: ins Bett. Stattdessen wartet er frierend am Bahnhof. Manchmal kommt seine Frau ihn am Bahnhof abholen oder sie lässt dort das Auto für ihn stehen. Laut Ammann ergeht es anderen Pendlern nicht besser: «Sie bleiben wie ich stecken. Für alle von uns hat sich die Situation markant verschlechtert.» Trotz allem wird Ammann weiterhin mit den öffentlichen Verkehrsmitteln reisen, denn dies sei weit erholsamer, als im Auto im Stau zu stehen.

Kein Geld

René Bossard, Geschäftsführer der Regionalbus Lenzburg AG, versteht Ammanns Unmut, «wir sind jedoch ein Massentransportmittel und können es nie allen recht machen.» Dass just der Nachtbus, den Ammann bisher benutzt hatte, nicht mehr fährt, hat seinen Grund: Mit dem neuen Fahrplan haben sich auch die Routen und Fahrzeiten der Busse zwischen Lenzburg und dem Seetal geändert. Als Folge des neuen Konzeptes auf gewissen Linien (390 und 395) mussten bisherige Kurse, wie jener der Ammann benutzte, gestrichen, respektive verschoben werden. Bund und Kanton fanden dafür keine Finanzierung mehr, sagt René Bossard.

Der neue Fahrplan bedinge, dass sich Fahrgäste umstellen und zum Beispiel ab Zürich eine halbe Stunde früher oder später abfahren müssen. Andere Pendler wiederum würden die neuen Verbindungen ins Seetal schätzen, da die neuen Abfahrtzeiten besser in ihr persönliches Programm passen.

Für Daniel Ammann trifft dies nicht zu. Er wird weiterhin in der Kälte verharren. Zumindest bis im Frühling. Ab dann hat er sich vorgenommen, mit dem Fahrrad von Lenzburg heimzuradeln.

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