Othmarsingen
Neue Nutzung für überzählige Othmarsinger Schulzimmer

Das Oberstufenschulhaus Othmarsingen wird nicht mehr gebraucht. Nun ist der Kanton daran interessiert und plant ein neues Angebot zur Berufsvorbereitung im Anschluss an die heilpädagogische Schule. Der Standort ist ideal.

Hanny Dorer
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Das Erdgeschoss des grünen Schulhauses würde sowohl von der Primarschule Othmarsingen als auch von der Stiftung Schürmatt benützt. Hanny Dorer

Das Erdgeschoss des grünen Schulhauses würde sowohl von der Primarschule Othmarsingen als auch von der Stiftung Schürmatt benützt. Hanny Dorer

Die Auflösung des Oberstufenstandortes Othmarsingen hat zur Folge, dass ein Teil der Schulanlage nicht mehr benötigt wird und die überzähligen Räume einer neuen Nutzung zugeführt werden müssen.

An diesem nicht mehr benötigten Schulraum hat der Kanton grosses Interesse bekundet.

Die Abteilung Sonderschulung, Heime und Werkstätten des Departements Bildung, Kultur und Sport (BKS) plant ein neues Angebot zur Berufsvorbereitung für Jugendliche im Anschluss an die heilpädagogische Schule (HPS).

An deren Standorten ändert sich aber nichts. Das Heilpädagogische Zentrum für Werkstufe und Berufsvorbereitung (HZWB) wird von der Stiftung Schürmatt geleitet. Auf Einladung des Gemeinderates wurde die Bevölkerung am Montagabend über die mögliche neue Nutzung der Schulanlagen informiert.

Stiftung Schürmatt

Die Stiftung Schürmatt mit Sitz in Zetzwil ist eine privatrechtliche, konfessionsneutrale Stiftung, wurde im Jahre 1963 gegründet und nahm 1965 den Betrieb auf. Sie versteht sich als Kompetenzzentrum für sonderpädagogische Angebote. Die Stiftung Schürmatt betreut und fördert Menschen mit kognitiven und mehrfachen Beeinträchtigungen. Die Leistungen und Angebote umfassen alle Lebensphasen - von der frühesten Kindheit bis zum Erwachsenenalter. Im Zentrum der zu erbringenden Leistungen steht der professionelle Beitrag zu grösstmöglicher Lebenskompetenz.
Das Budget der Stiftung für das Jahr 2013 beläuft sich auf 31,7 Mio. Franken; davon sind 26,5 Millionen Personalaufwand (84 Prozent) und 5,2 Millionen Sachaufwand (16 Prozent). Die Finanzierung erfolgt zu 83 Prozent durch innerkantonale und zu 9 Prozent durch ausserkantonale Leistungsverträge. 5 Prozent werden durch Therapieleistungen finanziert, 3 Prozent durch andere Erträge. Die Stiftung beschäftigt gegenwärtig 400 Mitarbeitende, die sich 250 Vollzeitstellen teilen. (do)

«Mit der Aufnahme dieses Zentrums könnte Othmarsingen eine Brückenfunktion zwischen Schule und Beruf für Menschen mit speziellem Betreuungsbedarf ausüben», spielte Gemeindeammann Fritz Wirz auf das Wappen der Gemeinde an.

Der Standort Othmarsingen sei wegen seiner zentralen Lage und der guten Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln ideal.

Unsicherheit und Ängste abgebaut

Als Schulpflegerin und Mutter habe sie zuerst schon Bedenken gehabt, gab Sandra Wolf zu. «Wer sind diese Jugendlichen, wie verhalten sie sich?», habe sie sich gefragt.

Es sei etwas Neues für Othmarsingen, eine Veränderung, die viele Gefühle auslöse – Unsicherheit, Respekt, Angst. Zahlreiche Diskussionen mit der Stiftung sowie eine Besichtigung der Schürmatt und die Begegnung dort mit Kindern und Jugendlichen hätten ihr jedoch geholfen, Vertrauen aufzubauen. Auf der Basis dieses Vertrauens könne nun etwas wachsen.

Er habe durchaus Verständnis für die Befürchtungen, erklärte Werner Sprenger, Direktor der Stiftung Schürmatt. Mit der Vorstellung der Stiftung und ihrer Arbeit warb er um das Verständnis der Bevölkerung für das Zentrum. Dieses sei nötig, um die jungen Leute entsprechend ihren Fähigkeiten zu fördern.

Schnittstelle: Etliche Räume werden gemeinsam genutzt

Der Gemeinderat habe zu Beginn der Verhandlungen mit der Stiftung Schürmatt sorgfältig die zukünftigen Bedürfnisse sowohl der Primarschule Othmarsingen als auch des Heilpädagogischen Zentrums für Werkstufe und Berufsvorbereitung abgeklärt, informierte Vizeammann Hans Rätzer. «Es zeigt sich, dass sowohl die Schule Othmarsingen als auch die Schürmatt Platz haben und trotzdem noch gewisse Reserven zu Verfügung stehen», erklärte er.
Die Raumaufteilung ist wie folgt geplant: Die Primarschule bleibt weiterhin im alten Schulhaus, wo 8 Klassenzimmer sowie die nötigen Nebenräume zur Verfügung stehen. Die drei Geschosse des Oberstufenschulhauses (gelbes Schulhaus) sowie der nördliche Teil des grünen Schulhauses werden von der Schürmatt belegt, der südliche Teil von der Primarschule. Das Erdgeschoss des grünen Schulhauses wird von beiden Schulen benützt und stellt somit eine Art Schnittstelle, aber auch Begegnungsort dar. Auch die Turnhalle wird von beiden Schulen benützt.
Das Zentrum soll von 15- bis 18-jährigen Jugendlichen jeweils zwei Jahre lang besucht und als Tagesschule (mit Verpflegung am Mittag) betrieben werden. Geplant sind 8 Klassen mit je 10 Schülern.
Mit dieser Lösung, so die Quintessenz, könnten die Bedürfnisse beider Schulen erfüllt werden, stellte der Vizeammann abschliessend fest. (do)

Wer kommt nach Othmarsingen?

Mit Beispielen aus dem Alltag erklärte Heinz Linder, Leiter Geschäftsbereich Kinder und Jugendliche, wie die jungen Leute sein könnten, die nach Othmarsingen kommen.

«Es ist sozusagen die Elite der HPS», also Jugendliche, die zwar über eine verminderte Intelligenz, aber auch über eine gewisse Selbstständigkeit verfügen. Mit praktischen Fächern bereiten sie sich auf eine einfache Berufsausbildung vor.

Ernst Meier, Leiter HPS Aarau erläuterte das Betriebskonzept. «Das Angebot steht Jugendlichen aus den HPS Aarau, Bremgarten, Lenzburg, Wettingen, Windisch, Wohlen und Zetzwil offen.»

Sie werden während zweier Jahre auf Arbeitsverhältnisse vorbereitet, die ihren Kompetenzen und Neigungen entsprechen. Ziel ist es, das Zentrum mit 80 Plätzen im August 2015 zu starten.

Als «Glücksfall und einmalige Chance» bezeichnete Schulpflegepräsident Mark Hämmerli die Aussicht, dass wieder eine Schule den Raum nützen werde.

Auch er sei anfangs skeptisch gewesen.

Diese Skepsis habe sich aber bereits nach den ersten Kontakten gelegt. «Mit der Schürmatt haben wir einen verlässlichen Partner», schloss er zuversichtlich.

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