Lenzburg
Musikverein Lenzburg: Von der Gregorianik bis ins 20. Jahrhundert

Unter der Leitung von Beat Wälti gastierten Chor und Orchester des Musikvereins Lenzburg in der katholischen Kirche Erlinsbach. Man präsentierte das Konzert «Psalmen», wie ein Abend zuvor in der reformierten Stadtkirche in Lenzburg.

Jürg Nyffenegger
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Chor und Orchester des Musikvereins Lenzburg unter der Leitung von Beat Wälti mit der Solistin Stefania Gniffke während des Konzertes «Psalmen» in Lenzburg. Patricia Schoch

Chor und Orchester des Musikvereins Lenzburg unter der Leitung von Beat Wälti mit der Solistin Stefania Gniffke während des Konzertes «Psalmen» in Lenzburg. Patricia Schoch

Ein kontrastreiches Programm mit Psalmen-Vertonungen beeindruckte ein erfreulich grosses Publikum. Mit von der Partie war auch die grossartige Sopranistin Stefania Gniffke.

Beat Wälti hatte sich keine leichte Kost ausgedacht. Je zwei Psalmen aus der Zeit der Gregorianik stellte er Vertonungen aus dem 20. Jahrhundert von Willy Burkhard und Arvo Pärt gegenüber. Dazu kamen zwei Werke des Romantikers Felix Mendelssohn.

In allen Werken spürte man die tiefe, ehrliche Verbundenheit der Komponisten mit der Thematik, dem Lob Gottes und dem Vertrauen in eben diesen Gott. Dank dieser Ehrlichkeit kamen die Zuhörenden in den Genuss von Musik, die zu Herzen ging.

Gültige Interpretationen

Zu Herzen gingen die sechs Werke aber auch wegen der sehr sorgfältigen Interpretation. Da ist zuerst Stefania Gniffkes fantastische Sopranstimme zu erwähnen.

In den beiden gregorianischen Chorälen sang sie von der Empore aus, während der Frauenchor vorne in der Kirche zweigeteilt auf der rechten und der linken Seite Antwort gab. Die schönen Frauenstimmen wurden ihren nicht einfachen Unisonoparts mehr als gerecht.

Psalm 148 war nicht nur in der gregorianischen Fassung zu hören, sondern auch in jener des Schweizer Komponisten Willy Burkhard.

Grösser hätte der Kontrast nicht sein können, aber Chor und Orchester überzeugten so sehr, dass der leider viel zu früh verstorbene Burkhard ebenso beeindruckt gewesen wäre wie das Publikum.

Worte fehlen

Der estnische Komponist Arvo Pärt findet zu Recht immer häufiger Platz in den Konzertprogrammen. Nicht zufällig stand neben der gregorianischen Fassung Pärts Vertonung des Psalms 137 auf dem Programm.

Pärt hatte sich in seinen Studien intensiv mit der Gregorianik befasst. In seiner Psalmdeutung ist das unverkennbar.

Interessanterweise fehlen die Worte, der Chor singt auf Vokalen, zunächst ruhig, verhalten, dann in einem packenden Crescendo in einen überraschenden Schluss einmündend. Chor und Orchester sorgten zweifelsohne für einen Höhepunkt in diesem Konzert.

Glanzpunkte durch Sopranistin

Umrahmt wurden diese Kontraste durch zwei Psalmvertonungen von Felix Mendelssohn: Psalm 55 und, zum Schluss, Psalm 42.

Die Ausführenden verschmolzen zu einem differenziert agierenden Ganzen, gestalteten die Texte mit der nötigen Dramatik, aber auch mit Besinnlichkeit dort, wo diese angezeigt war.

Glanzpunkte setzte auch hier die Solistin und, in der Arie in Psalm 42, die Solo-Oboe.

Wunderbar, um nur drei Beispiele aus Psalm 42 zu nennen, der langsam verklingende Schluss des ersten Chors, der Dialog des Männerchors mit der Sopranistin im «Quintett» und der Schlusschor, in dem das Orchester an die Grenzen geführt wurde – und die Klippen bravourös meisterte.

Schön, dass die Zuhörenden den Wunsch des Dirigenten respektierten und die besinnliche Musik erst am Schluss mit Applaus verdankten – alle standen auf, dankbar für das reiche Geschenk, das ihnen der Musikverein Lenzburg gemacht hatte.