Leutwil
«Das Emotionale ist nicht so meine Ebene»: So tickt der neue Gemeinderat

Hans-Rudolf Senn (62, parteilos) sitzt seit kurzem im Gemeinderat von «Lüpu». Dort will der Projektleiter nun Aufgaben anpacken, die wegen der Unterbesetzung bislang zu kurz kamen. Ein Sitz ist jedoch weiterhin vakant.

Valérie Jost
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Hans-Rudolf Senn in seinem Garten in Leutwil, mit Aussicht auf den Hallwilersee (im Hintergrund).

Hans-Rudolf Senn in seinem Garten in Leutwil, mit Aussicht auf den Hallwilersee (im Hintergrund).

zvg

«Leutwil ist ein sehr schönes Dorf», findet Hans-Rudolf Senn, «von meinem Garten aus sehe ich auf den Hallwilersee.» Der 62-Jährige ist frischgebackener Gemeinderat von «Lüpu», letzte Woche wurde er in stiller Wahl gewählt (AZ vom 15. Oktober). Weniger schön findet er etwa Littering im Dorf; seit drei Jahren hat er deshalb auf seinen mehrstündigen Sonntagsspaziergängen einen 35-Liter-Abfallsack dabei. «Ich dachte mir, wenn ich sowieso spazieren gehe, kann ich auch gleich den ‹Güsel› einsammeln», so Senn.

Der Sack sei am Ende immer fast voll. Mit der Aufräumaktion ist er im Dorf mittlerweile bekannt, sogar im Dorfheftli wurde er gewürdigt. «Ich würde mich jetzt nicht als Grünen bezeichnen, aber es stört mich einfach, wenn man den Dreck liegen lässt.» Das habe ihn auch mehrheitlich im Ausland gestört. Einige Länder haben ihm aber gefallen, so der Leutwiler, der auf einem Bauernhof in Habsburg aufgewachsen und seit 1990 mit einer Amerikanerin verheiratet ist. Seine Frau hat er bei einem Montageeinsatz in New Orleans (USA) kennen gelernt.

Bislang «nicht viel fürs Dorf beigetragen»

Die vielen Reisen – in Europa, er erwähnt aber auch China, Indien, Brasilien und Kanada – machte sein Beruf nötig: Für die ABB (später Alstom) war er als diplomierter Elektroingenieur weltweit für die Montage und Inbetriebsetzung von Pumpturbinen und Hydrogeneratoren in Wasserkraftwerken zuständig. Inzwischen arbeitet er bei GE Renewable als Senior Projekt-Experte im Glarnerland und reist nur noch ab und zu: Das sei auch ein Grund für seine Kandidatur gewesen, so Senn. «Früher hätte ich ein solches Amt natürlich nicht machen können.»

Auf die Idee gebracht hat ihn ein Nachbar, der früher im Gemeinderat sass. «Seit ich 1995 nach Leutwil gezogen bin, habe ich nicht viel fürs Dorf geleistet.» Doch nun sei er motiviert, eine gesellschaftliche Aufgabe zu übernehmen. Dass es nicht zu einer Kampfwahl kam, sei ihm auch recht gewesen: «Ich bin nicht so der Wahlkämpfer. Ich lasse lieber die Qualität meiner Arbeit für mich sprechen, statt hinzustehen und mich selbst zu loben.»

Sachlichkeit vor Emotionalität

Politisch ist Senn zwar parteilos, sieht sich aber auf dem Spektrum im Bereich Mitte-rechts. «Ich finde je nach Thema mal die eine, mal die andere Partei besser. Das kommt auf die Sachfrage an.» Sowieso sei das Sachliche seine Welt, er analysiere gern unvoreingenommen alle Argumente, wäge dann ab und versuche, das Beste daraus zu machen. Wenn es um das Emotionale gehe, habe er dagegen Mühe: «Das ist nicht so meine Ebene.»

Doch menschlich würde er sich als hilfsbereit einstufen: «Zu mir kann man immer kommen.» Offen zu sein und mit unterschiedlichen Menschen von verschiedenen Kulturen zusammenzuarbeiten, habe er während seiner Dienstreisen gelernt. «Da muss man immer den entsprechend richtigen Tonfall treffen, sonst tun sie nachher nichts mehr für einen.»

Gemeinderat ist weiterhin unterbesetzt

Entsprechend seiner Erfahrung sähe sich Senn am ehesten in einem technischen Ressort, etwa beim Bau oder mit seinem Projektwissen bei den Finanzen, «da würde ich mich einleben». Nur das Soziale sei weniger seins, sollte er es aber erhalten, «würde ich natürlich mein Bestes geben».

Da der Gemeinderat nun schon länger unterbesetzt ist (seit rund einem Jahr ist ein Sitz vakant) und wegen Rudolf Sturzeneggers Demission trotz Senns Wahl weiterhin jemand fehlt, seien «sicher einige Aufgaben liegengeblieben». Senn spielt etwa auf Baugesuche an, über die wegen zu vieler in den Ausstand tretender Gemeinderäte nicht entschieden werden konnte. Vom Hörensagen wisse er auch, dass einige weitere Projekte noch nicht umgesetzt werden konnten. «Darum möchte ich mich jetzt reinknien und helfen, die Gemeinde weiterzuentwickeln.»

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