Lenzburg
Widerstand gegen Sanierung der Ammerswilerstrasse: «Wir befürchten eine Raserstrecke»

Der Kanton will die Ammerswilerstrasse sanieren und ein zusätzliches Trottoir erstellen. Eine Interessengemeinschaft wehrt sich gegen das Bauprojekt. Die Mitglieder fordern eine Tempo-30-Zone und den Verzicht auf das Trottoir.

Valérie Jost
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Wehren sich gegen das Projekt (v.l.): die IG-Mitglieder Fabian Würmli, Roman Egli, Bea Widmer, Jürg Kaufmann, Johanna Bossert und Dominik Roth vor der alten Dampfwalze an der Ammerswilerstrasse.

Wehren sich gegen das Projekt (v.l.): die IG-Mitglieder Fabian Würmli, Roman Egli, Bea Widmer, Jürg Kaufmann, Johanna Bossert und Dominik Roth vor der alten Dampfwalze an der Ammerswilerstrasse.

Valérie Jost

Für rund 4,9 Millionen Franken will der Kanton die Ammerswilerstrasse etwa zwischen dem «Ochsen» und der Haltestelle Ziegeleiweg sanieren. Lenzburgs Anteil daran beträgt 35 Prozent (rund 1,7 Millionen). Geplant sind ein durchgehender Gehweg auf der Westseite und Fussverkehrsquerungen bei der Unteren Widmi und beim Kindergarten. Der Gehweg auf der Ostseite mit der Baumallee soll erhalten bleiben. Für das Verrücken der Strasse ist Landerwerb nötig.

Gegen das Vorhaben regt sich unter den Anwohnenden Widerstand. 15 Personen haben sich zu einer Interessensgemeinschaft zusammengeschlossen, mehr als 20 weitere sind interessiert. «Wir befürchten eine Raserstrecke», sagt IG-Mitglied und SP-Einwohnerrat Fabian Würmli. Heute bestünden Verengungen, etwa beim Skulpturenlager des Künstlers Stefan Gritsch (der ebenfalls Mitglied der IG ist), die das Kreuzen erschweren und den Verkehr verlangsamen. «Diese sollen nun aber ersatzlos entfernt werden, was zum schnelleren Fahren einlädt», so Würmli.

Die IG fordert deshalb in erster Linie Tempo 30 auf der Strecke. «Bei Tempo 30 ist ein Miteinander der Verkehrsteilnehmenden auf der Ammerswilerstrasse sicherer und mit weniger Aufwand zu lösen», sagt IG-Mitglied Roman Egli. Und Fabian Würmli ergänzt: «Der Aargau ist der einzige Kanton, der dieses Limit nicht einführen will. Alle Nachbarkantone haben dies schon lange, auch auf Kantonsstrassen.»

Bereits vor zwei Jahren habe er diesbezüglich beim Leiter Tiefbau & Verkehr angefragt. «Da hiess es, man wolle beim Kanton keine unrealistische Forderung stellen. Weil man Wert auf ein gutes Verhältnis lege.» Dieses Argument habe der Stadtrat bereits 2017 als Grund genannt, eine Petition mit 645 Unterschriften für Tempo 30 zwischen Burghalde und Aavorstadt (am «Ochsen» vorbei, wo die Ammerswilerstrasse beginnt) nicht weiter zu verfolgen.

Zusätzliches Trottoir sei unnötig

Auch ist die IG gegen das geplante zusätzliche Längstrottoir. Dieses werde seiner Meinung nach niemand benutzen, so Würmli: «Der Alleeweg ist schöner, schattiger und sicherer.» Das Trottoir nehme zudem den Velos Platz weg und verschärfe die Gefahr gegenüber dem heutigen Zustand. Und Roman Egli sagt: «Ich masse mir die Planung der Details im Strassenbau nicht an. Aber die Anliegen des Fuss- und Veloverkehrs müssen für die Zukunft stärker berücksichtigt werden, da die umliegenden Quartiere stark gewachsen sind.»

Mit dem neuen Trottoir sei das Projekt eigentlich ein Ausbau und keine Sanierung, findet Würmli. Roman Egli ergänzt: «Ohne das Trottoir wären auch die Landerwerbsverfahren nicht nötig.»

Anwohnende seien nicht einbezogen worden

Die IG-Mitglieder sind auch etwas irritiert über die Kommunikation der Stadt. Fabian Würmli zufolge wurden weder Anwohnende - auch jene, die sich schriftlich an die Projektleiter gewandt haben - noch Verbände wie Pro Velo oder die Verkehrskommission, der er inzwischen selbst auch angehört, im Vorfeld angehört oder in den Prozess einbezogen. «Die Verkehrskommission wurde über das Bauprojekt lediglich informiert.»

Informiert – aber nicht einbezogen – haben Stadt und Kanton an einem Anlass Mitte Mai zwar auch Betroffene. Allerdings nur die direkten Grundeigentümer. «Dabei sind insgesamt Personen aus über 400 Wohnungen, die in den letzten Jahren in der Umgebung gebaut wurden, betroffen», so Würmli.

Würmli geht nun die Parteien an, um im Einwohnerrat politische Unterstützung gegen das Projekt in seiner aktuellen Form zu finden. Noch dieses Jahr soll der Rat über den Baukredit befinden.