Lenzburg
SVP will Todesanzeigekästen erhalten: «Stopp dem Abbau des Service public»

Den städtischen Personalbestand erhöhen und gleichzeitig die Todesanzeigen nicht mehr aushängen, weil der personelle Aufwand zu gross sei. Die Lenzburger SVP-Einwohnerratsfraktion empfindet das als Affront, besonders gegenüber der älteren Bevölkerung.

Eva Wanner
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Die Stadt erachtet die physischen Todesanzeigekästen als nicht mehr notwendig. Die SVP sieht das anders.

Die Stadt erachtet die physischen Todesanzeigekästen als nicht mehr notwendig. Die SVP sieht das anders.

Fritz Thut

Es war eine kurze Meldung im Juni – über einen Entscheid, der bereits im Februar gefällt worden war: Der Lenzburger Stadtrat hebt die Schaukästen für Bestattungsmeldungen auf. Alle ausser jenen beim Rathaus. Aufgeschaltet werden die Todesanzeigen seither auf der Website der Stadt. Begründet wurde die Massnahme «mit einem zeitgemässen Angebot und dem personellen Aufwand, der für die Bewirtschaftung der Aushängevorrichtungen jährlich angefallen ist».

Auf Nachfrage hat die Stadt ergänzt, dass zwei weitere Faktoren eine Rolle spielen: Die Kästen sind zum Teil beschädigt beziehungsweise verwittert und müssten ersetzt werden. Ausserdem böten sie inzwischen zu wenig Platz, «da die Bevölkerung gewachsen ist».

Der Entscheid bewog die SVP zu einem Postulat mit dem Titel «Stopp dem Abbau des Service public». Darin heisst es: «Wir fordern die Weiterführung respektive die Wiederaufnahme des physischen Aushangs von Todesanzeigen an den bisherigen Standorten respektive es darf minimale Standortänderungen geben.» Dies etwa bei Umbauten. Digital veröffentlicht werden könnten die Bestattungsmeldungen weiterhin.

Grosser sozialer Aspekt

Die Mitteilung über einen Todesfall habe in der Bevölkerung einen grossen sozialen Aspekt, begründet die Partei ihr Anliegen. Insbesondere ältere Menschen hätten ein grosses Bedürfnis, über Todesfälle informiert zu sein – und gerade diese Altersgruppe halte sich nicht ständig in den digitalen Medien auf. «Wir konnten in Zeiten des physischen Aushangs mehrfach und über eine längere Zeit beobachten, dass der Standort einer solchen Publikationsmöglichkeit mit einem zeitgemäss gestalteten Kästchen immer noch gesucht ist», heisst es im Postulat. Die Anzeigekästen seien auch ein Treffpunkt, «denn man hielt an, las die Meldung und kam mit anderen Personen ins Gespräch». Dieser soziale Austausch fehle nun.

Als Affront bezeichnet die SVP, dass die Stadt begründet, der personelle Aufwand sei zu gross, um die Todesanzeigen in den Kästen zu platzieren. Denn die Stadt erhöhe seit Jahren stets den Personalbestand. Das Personal des Werkhofs wie jenes der Regionalpolizei sei an den Werktagen auf dem städtischen Gebiet unterwegs. Es sei «zumutbar», ihnen diese Aufgabe zu übergeben.