Lenzburg
Liebesbeziehung endet vor Gericht, weil sie ihn bedroht haben soll: «Die Frau kennt einfach keine Grenzen»

Nach neun Monaten war die Beziehung eines Paars aus dem Bezirk Lenzburg zu Ende. Danach soll eine Frau ihren Ex-Freund per Telefon terrorisiert, seinem Chef Lügen über ihn erzählt und ihn dazu genötigt haben, den Kontakt mit einer ehemaligen Freundin abzubrechen.

Anja Suter
Drucken
Nach der Trennung soll Sahar Olti per Telefon terrorisiert haben.

Nach der Trennung soll Sahar Olti per Telefon terrorisiert haben.

Symbolbild: Stefan Schaufelberger

«Enge zwischenmenschliche Beziehungen sind wunderbar, wenn sie auseinander gehen, kann dies aber sehr belastend sein», sagte der Verteidiger von Sahar (alle Namen geändert) in seinem Plädoyer am Bezirksgericht Lenzburg. Das Ende der Beziehung von Sahar und Olti war unschön, und zwar so sehr, dass die Staatsanwaltschaft die Iranerin im Strafbefehl zu einer unbedingten Geldstrafe wegen mehrfacher Drohung und Nötigung verurteilte. Da Sahar damit nicht einverstanden war, kam der Fall vors Bezirksgericht Lenzburg.

Gemäss Strafbefehl soll Sahar Olti nach der Trennung im Februar 2021 mit Telefonanrufen bombardiert haben. «Dabei erklärte sie ihm regelmässig, sie würde sein Leben zur Sau machen und mit dem Terror nicht aufhören», heisst es. In zwei E-Mails wünschte Sahar ihrem Ex-Freund ausserdem den Tod. Auch den Kontakt mit einer Ex-Freundin solle sie ihm verboten haben, mit der Drohung, dass sie sonst seinem Chef erzählen würde, dass er ihn einen «Hurensohn» genannt habe. Zu einem Anruf beim Chef sei es dann auch gekommen. In der Nacht nach der Trennung soll Sahar Olti zudem überredet haben, in seinem Bett schlafen zu dürfen. Wo sie ihn ohne seine Einwilligung geküsst und im Intimbereich berührt haben soll.

Eine Anzeige als letzter Ausweg

Olti war vor Gericht als Zeuge geladen. Er habe heute keinen Kontakt mehr zu seiner Ex-Freundin und sei darüber sehr froh. «Es ist ein mulmiges Gefühl, sie zu sehen.» Er erzählte, wie Sahar ihn und seine Familie bedrohte, vor seinem Haus auftauchte und seinen Chef anrief, «er steht zum Glück hinter mir», fügte er an. Er habe sie angezeigt, weil er keinen anderen Ausweg gesehen habe. «Die Frau kennt einfach keine Grenzen.» Bei seiner Anzeige habe er alles auf den Tisch gelegt, auch die sexuelle Nötigung. «Ich vergesse den Moment nicht mehr, ich fühlte mich machtlos und gefangen.» Olti hat bis heute keinen Strafantrag gegen Sahar gestellt.

Sahar wollte sich vor Gericht nicht mehr zu den Geschehnissen äussern. Sie habe dies bereits bei der Polizei gemacht, erklärte sie. Die zierliche Frau Anfang 30 ist vorbestraft. 2017 wurde sie wegen Beschimpfung verurteilt, «das war ein älterer Mann, der mich über Monate gestalkt hat», sagte sie. 2019 folgte eine Verurteilung wegen teilweise vollendeter harter Pornografie. Gerichtspräsidentin Eva Lüscher fragte die Beschuldigte, wieso sie Einsprache erhoben habe. «Weil es nicht stimmt», so Sahar.

Verteidigung forderte einen Freispruch

In seinem Plädoyer erwähnte Sahars Verteidiger, dass seine Mandantin einige Vorwürfe zugegeben hat. So etwa den Anruf bei Oltis Chef, Beschimpfungen und die Todesdrohung. Mit den E-Mails habe sie innerliche Emotionen rausgelassen. Der Verteidiger bemängelte jedoch, dass objektive Beweise fehlen. Etwa Screenshots von den vielen Anrufen. Er forderte einen Freispruch für seine Mandantin.

Die Gerichtspräsidentin folgte dem Strafmass aus dem Strafbefehl. Sie sehe den Strafbestand der Drohung und Nötigung erfüllt. Aus den Akten sei ersichtlich, dass Olti mehrmals zur Polizei ging. «Sie haben trotzdem nicht aufgehört», sagte sie zu Sahar. Nebst der unbedingten Geldstrafe von 5000 Franken muss Sahar auch ihre Anwaltskosten, die Anklagegebühr von 800 Franken und die Verfahrenskosten zahlen.