Lenzburg
Funktioniert die Alarmanlage noch, wenn der Strom kontingentiert wird? Welche Fragen Gewerbetreibende sich aktuell stellen müssen

Schublade auf, Liste raus, los geht's. Das ist das Optimalszenario für den Fall, dass der Strom geordnet zeitweise abgestellt werden muss. Diese Liste ist bei Gewerbetreibenden ganz schön lang, wie sich in Lenzburg zeigte.

Eva Wanner
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Sitz der Hypothekarbank in Lenzburg.

Sitz der Hypothekarbank in Lenzburg.

Bild: Florian Wicki

Es muss nicht so weit kommen. Es könnte aber. Und für den Fall, dass der Strom tatsächlich kontingentiert wird, sollten Gewerbetreibende vorbereitet sein. So lautet die Quintessenz der Informationsveranstaltung Mangellage Gewerbe und Industrie, den das Regionale Führungsorgan (RFO) Lenzburg Seetal, der Gewerbeverein Lenzburg und Umgebung und der Lebensraum Lenzburg Seetal (LLS) am Dienstagabend durchgeführt haben.

Jürg Link, Chef des 25-köpfigen RFO und Markus Blättler, Geschäftsführer der SWL Energie AG, sind zuversichtlich. «Eine Mangellage kann zu einem Blackout führen, muss aber nicht», sagte Blättler. An diesem Abend, so sagte Link mit einem Wink in Richtung Medien, soll ohne Alarmismus informiert werden.

Wenn der Strom knapp wird, greifen auf Bundesebene vier Stufen. Erstens: Sparappelle. In einem zweiten Schritt würden nicht zwingend benötigte Geräte und Anlagen eingeschränkt. Verboten wäre dann also beispielsweise, Saunen, Leuchtreklamen oder Klimaanlagen zu betreiben.

Um die Schritte drei und vier ging es den rund 60 anwesenden Gewerbetreibenden primär: Was, wenn der Strom kontingentiert oder das Netz für einige Stunden abgeschaltet wird? Zwei Praxisbeispiele zeigten, wie man sich auf eine solche Situation vorbereiten kann.

Jede zweite Lampe abgeschaltet

«Vorbereitungen lohnen sich, weil man in einer Krise noch auf genügend Dinge trifft, die unvorhersehbar und unerwartet sind. Das hat uns die Coronapandemie gelehrt», sagte Daniel Müller von der Hypothekarbank Lenzburg. Die Bank habe mit zwölf Personen eine Krisenstabschulung durchgeführt und den Ernstfall, namentlich einen Blackout, geprobt. Das sei wichtig: Nicht nur planen, sondern durchspielen. Die Prioritäten wenn es um die Sicherheit geht seien indes klar definiert worden: Erst kommen die Menschen, dann die Sachwerte wie Geld und Gold und erst dann die Infrastruktur.

Daniel Müller, Hypothekarbank Lenzburg.

Daniel Müller, Hypothekarbank Lenzburg.

Bild: zvg

Müller erläuterte, wie weit die Überlegungen gehen können und müssen. Beispielsweise: Am Hauptsitz hat es zwar einen Stromgenerator. Dieser muss aber gekühlt werden. Nur wie, ohne Strom? Ein Backup muss also her, es wird – rechtzeitig – Treibstoff eingekauft, der dann wiederum irgendwo gelagert werden muss. Bei einer Bank stelle sich ausserdem eine Frage, die bei anderen vielleicht sekundär ist: Funktioniert die Alarmanlage noch, wenn der Strom ausgeschaltet wird?

Um Energie zu sparen, seien bereits einige Massnahmen ergriffen worden, weitere folgen. Besonders die Beleuchtung betreffend. Die 1000 Lampen werden mit stromsparenden Leuchtmitteln bestückt, die Hälfte der Leuchten bei den Mitarbeiterparkplätzen ausgeschaltet. «Es geht immer noch, auch ohne Taschenlampe», so Müller. Und ohne, dass sich jemand nicht sicher fühle. Die Mitarbeitenden werden ausserdem aufgefordert, den Lift nicht mehr zu benutzen.

Die Kippfenster vor dem Abschalten schliessen

Der Lift ist auch ein Thema bei der Firma Alesa AG in Seengen, die unter anderem Werkzeuge für die Industrie herstellt. Denn: Was, wenn der Strom beispielsweise um 16 Uhr abgestellt wird, sich dann aber noch Leute im Aufzug befinden? Er muss also früher ausser Betrieb genommen werden, um diese Gefahr zu eliminieren, sagte Geschäftsführer Christoph Leimgruber.

Christoph Leimgruber.

Christoph Leimgruber.

Bild: Chris Iseli/THE

Bei der Alesa AG hat eine Art Krisenstab sich die Zeit genommen, über 50 Aktionspunkte zu definieren, die Schritt für Schritt durchgeführt werden müssen, wenn der Strom zu bestimmten Zeiten runtergefahren wird. Das betrifft nicht nur die Produktionsmaschinen an sich, sondern beispielsweise auch, dass die Mieter im Gebäude informiert werden müssen.

Die Notlichtanlage muss auf Störungen überprüft und diese müssen allenfalls behoben werden. Jemand – und wer das ist, ist ebenfalls genau definiert – muss die Kippfenster rechtzeitig schliessen. Denn auch das geht ohne Strom nicht. Das Festnetz muss auf ein Handy umgeleitet werden. Die Liste scheint endlos. «Wir haben Zeit darin investiert», sagte Leimgruber. «Aber lieber so, als es dann zu brauchen und es nicht zu haben.»