Bezirksgericht Lenzburg
Etwas Rabatt für den Prostituierten-Killer von Egliswil

Das Bezirksgericht Lenzburg verurteil den 57-Jährigen zu weiteren vier Jahren Haft mit einer stationären Massnahme. Er hatte 2004 in Egliswil eine Frau getötet.

Peter Weingartner
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Der Gerichtssaal des Bezirksgericht Lenzburg Seetal. In der Mitte die Anklagebank.

Der Gerichtssaal des Bezirksgericht Lenzburg Seetal. In der Mitte die Anklagebank.

Chris Iseli

Seit 6898 Tagen ist Xaver (Name geändert) kein freier Mann mehr. Das sind eher 19 als 18 Jahre. 2004 verurteilte ihn das Bezirksgericht Lenzburg wegen vorsätzlicher Tötung einer Prostituierten zu einer Freiheitsstrafe von 13 Jahren und ordnete eine ambulante Therapie an. Sein Verbrechen: Er hatte die Frau 2002 in Egliswil mit 31 Messerstichen getötet. Das Motiv: verschmähte Liebe. Kränkung. Und er fühlte sich von der Frau, der er üppige finanzielle Zuwendungen hat zukommen lassen, ausgenützt.

Bundesgericht sprach sich gegen Verwahrung aus

2016, nach Verbüssung der Haftstrafe, wurde aus der angeordneten ambulanten Therapie eine stationäre Massnahme, denn Gutachter, Obergericht und Bundesgericht kamen zum Schluss, es bestehe eine erhöhte Rückfallgefahr, zumal er 2013 trotz Verbots versucht hatte, Kontakt zu Prostituierten aufzunehmen. Es kam noch dicker für Xaver: Das Amt für Justizvollzug des Kantons Aargau beantragte 2019 seine Verwahrung. Xaver wehrte sich erfolgreich; das kantonale Verwaltungsgericht ordnete eine Weiterführung der stationären Therapie an, mit begleitetem Ausgang.

Damit hinwiederum war die Aargauer Staatsanwaltschaft nicht einverstanden: Sie sah die Verwahrung als bessere Lösung, kam damit beim Bundesgericht aber nicht durch. Das ist die Vorgeschichte.

Xavers Wunsch: Arbeiten, Wohnung, Männerchor

Am Donnerstag ging es am Bezirksgericht darum, was nach Ablauf der fünfjährigen stationären Massnahme mit Xaver passieren soll. Bedingte Entlassung? Bereit dazu sieht Xaver, ein stämmiger, leicht untersetzter Mann, sich selber noch nicht. Er weiss um psychische und kognitive Defizite. Die Staatsanwaltschaft möchte die Massnahme um weitere fünf Jahre verlängern: langsame Therapiefortschritte wegen Persönlichkeitsstörungen. Xaver selber verweist auf sein Alter: «Ich bin jetzt 57, dann wäre ich 62.» Mit zwei Jahren könnte er sich einverstanden erklären, denn er möchte noch arbeiten und sich eine «anständige» Wohnung leisten können. Auch würde er gerne im Dorf, wo er jetzt in einer Institution lebt, und wo er sich wohlfühlt, im Männerchor mitsingen.

Das von Daniel Aeschbach geleitete Gericht erfährt, dass Xaver in der Seetaler Institution, in dem er sich seit März 2021 aufhält, in der Küche arbeite und später gerne eine Arbeit in einem Magazin ausüben würde oder «Gestelle nachfüllen beim Coop». Sein Verteidiger sähe in einer Verkürzung der stationären Massnahme bessere Perspektiven und Motivation für Xaver.

Verlängerung der Massnahme um vier Jahre

Das Gericht verlängert die angeordnete Massnahme um vier Jahre; dies im offenen Vollzug, den Xaver dieses Jahr angetreten hat. Xaver «braucht für alles mehr Zeit», begründet Daniel Aeschbach die Dauer der Massnahme. Der kurze Aufenthalt in der aktuellen Institution erschwere eine Langzeitprognose. Xaver sei nicht gemeingefährlich. Gefährlich sei er, wenn er sich finanziell ausgenützt fühle, und verletzte Emotionen könne er schwer kontrollieren.

In finanziellen Angelegenheiten, aber auch im Verkehr mit Behörden, wird Xaver von einer Beiständin unterstützt. Und wie geht er mit dem Thema Sexualität um? Er habe und wolle keine Beziehung zu einer Frau, auch nicht zu Prostituierten, sagt er. Kein Bedürfnis. Kollegen, Bruder, Heilsarmee reichten. In der Einzeltherapie, die, falls das Urteil des Bezirksgerichts rechtskräftig wird, weitergeführt wird, hat Xaver an seinen Themen zu arbeiten: «Ich bin bereit, die Therapie weiterhin in Anspruch zu nehmen.»

So berichtet der TV-Sender Tele M1 über den Fall.

Tele M1

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