Hunzenschwil
Hier ziehen über 300 Schüler tonnenschwere Kirchglocken auf

Heute Morgen hatten rund 300 Primarschüler und Kindergärtler in Hunzenschwil eine besondere Aufgabe: Sie dürfen drei der fünf tonnenschweren Glocken in den renovierten Glockenturm der reformierten Kirche aufziehen.

Pascal Meier
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Die Glocken stehen bereit
17 Bilder
Schülerband spielt rockige Musik
Glockentanz
Glockentanz
Glockentanz
Und rauf mit der ersten Glocke!
300 Schüler ziehen in Hunzenschwil Glocken auf
Voller Einsatz
Auch die Kleinsten sind mit dabei
Hauuuuruck!
Geschaffft! Die erste Glocke ist oben
Geschaffft! Die erste Glocke ist oben
Die Glocke wird in den Glockenturm verschoben
Die Glocke wird in den Glockenturm verschoben
Die Glocke wird in den Glockenturm verschoben
Die Glocke wird in den Glockenturm verschoben
Die Glocke wird in den Glockenturm verschoben

Die Glocken stehen bereit

Pascal Meier

«Zieht, zieht, zieht!», hallt es von beiden Seiten der Schulgasse, während sich dazwischen die bunte Kinderschar einem Tausendfüssler gleich in Bewegung setzt. Hunderte kleine Hände ziehen am dicken Seil, das über eine Umlenkrolle die schwere Last Zentimeter für Zentimeter am Kirchturm empor in die Höhe hebt: eine Glocke. Die knapp zwei Tonnen verteilen sich dank achtfacher Übersetzung in einer Leichtigkeit auf die Kinderhände. Anstrengung ist den Schülern kaum anzumerken. Nur ein paar Buben verziehen gequält ihre Gesichter und prahlen vor den Mädchen mit ihren Muckis.

Rockige statt traditionelle Klänge

Nach über zwei Stunden ist die Arbeit getan. Rund 300 Kindergärtler und Primarschüler haben am Mittwochmorgen gemeinsam drei Glocken in den Turm der reformierten Kirche gezogen. Zwei weitere folgen noch. Kirchgemeindepräsident Martin Brunner sprach von einem «denkwürdigen Anlass» - und einem Tag, den die Kinder nicht vergessen werden. «Der Wunsch, den Glockenaufzug im grösseren Rahmen durchzuführen, kam aus der Bevölkerung», sagte Brunner der az. Vor allem ältere Hunzenschwiler wünschten sich eine ähnliche Zeremonie wie beim Glockenaufzug vor rund 50 Jahren. Damals wurden die Glocken mit Ross und Wagen vor die Kirche gefahren und feierlich aufgezogen.

Am Mittwochmorgen ging es etwas bescheidener zu und her, obwohl der Glockenaufzug mehrere hundert Hunzenschwiler anlockte – an einem bitterkalten Morgen unter der Woche notabene. Im Gegensatz zum Aufzug vor 50 Jahren, als vermutlich traditionelle Musik gespielt wurde, legte eine Schülerband mit rockigen Klängen los.

Gespräch vor Kirche unmöglich

Die nun wieder installierten Glocken waren im Sommer abgebaut worden, weil die Technik im Kirchturm erneuert werden musste und der Turm verglast wird. Das Glockengeläut der Kirche liegt mit 101 Dezibel weit über dem Referenzwert von 85. Da der Turm vergleichsweise niedrig ist und in dicht bebautem Gebiet steht, störten Glockenschlag und Geläut die Nachbarn. Weil sich der Klang zudem über die Jahre veränderte, musste die Kirchenpflege handeln. Die Kirchgänger bekamen dies nämlich selbst zu spüren: Mitglieder des Kirchenchors hätten die Kirche öfters mit dem Finger in den Ohren betreten, war gestern zu hören. Ein Gespräch auf dem Vorplatz sei wegen der Glocken oft unmöglich gewesen.

Der Turm wird nun in den kommenden Wochen verglast, was den Klang der Glocken dämpft. «Uns war wichtig, dass sich das äussere Erscheinungsbild des Kirchturms nicht verändert», sagte Kirchenpflegepräsident Martin Brunner. Eine neue Aufhängung der Glocken wird den Klang zusätzlich dämpfen. Diese waren seit den Sommerferien in der Obhut der Aarauer Glockengiesserei Rüetschi. Dort wurden die Glocken nach 50 Jahren Wind, Regen und Schnee gereinigt und mit neuem Klöppel versehen.

Zum ersten Mal werden die neuen Glocken voraussichtlich am kommenden 2. Adventstag erklingen. Bis dann soll die Verglasung am Kirchturm fertig sein. Wie genau die Glocken klingen, bleibt bis dann eine Überraschung: «Wir sind sehr gespannt», sagte Martin Brunner.

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