Lenzburg
Galerie Aquantinta zeigt zeitlose Bilder eines stillen Beobachters

Zum fünften Mal stellt Helene Emmenegger in der Galerie Aquatinta in Lenzburg Werke von Hans Rudolf Roth aus.

Margrit Rüetschi
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Regierungsrätin Susanne Hochuli betrachtet ein Rojo-Bild. mr

Regierungsrätin Susanne Hochuli betrachtet ein Rojo-Bild. mr

«Wachsende Hoffnung», «Fliegende Schatten», «Die Kraft der Einbildung» – wer seinen Werken solch tiefsinnige Titel gibt, muss ein sehr feinfühliger Mensch sein. In der fünften Ausstellung in der Galerie Aquatinta – es ist die fünfundzwanzigste Einzelausstellung überhaupt – gibt Hans Rudolf Roth (Rojo) einen grossen Teil seiner Befindlichkeit preis.

An der Vernissage, an der Helene Emmeneggers kleiner, aber feiner Kunstraum aus allen Nähten zu platzen drohte, betrachtete Rojo, gleichsam am Rande des Geschehens, die Szenerie vorerst von draussen als stiller Beobachter. Sich aus dem Gedränge herausnehmend, aber doch mit stiller Freude, dass sich eine riesige Entourage aus Bekannten und Freunden, darunter die Regierungsräte Susanne Hochuli und Urs Hofmann, für die Eröffnungsfeier eingefunden hatte. Freude natürlich auch über den eindrücklichen Auftritt von Tinu Heiniger, der die offerierten Lieder in rührender Weise auf seinen langjährigen Freund abgestimmt hatte.

Vielsagend atemlos

Auch wenn die Titel den Weg zum Bilderverständnis öffnen, ist es dem Betrachter freigestellt, sich selber in die rund fünfzig ausgestellten Werke hineinzudenken, sich seine eigene Geschichte dazu zu machen.

Wie in einem Endlosband sind in der Einladung die verschiedenen Titel miteinander verquickt. Vielschichtig, vielsagend, atemlos, als würde dem Künstler, der im Herbst seinen siebzigsten Geburtstag feiern kann, die Zeit davon rennen.

Auch wenn sich seit den Anfängen viel verändert hat – die Bilder von «Rojo» sind zeitlos schön. Auch die neuen Werke strahlen eine bezaubernde Harmonie aus. In zurückhaltenden Farben mit zarten Übergängen gemalt, als wollten sie der schrillen Welt und dem allzu lauten Alltag entgegenhalten, strömen sie eine grosse Ruhe auf den Betrachter aus, scheinen ihn gleichsam zu erden.

Zwiesprache mit dem Besucher

Um den Vergleich mit dem aufmerksamen Beobachter zu untermauern, kommt sich auch der Betrachter als Beobachter, ja gar ein bisschen als Voyeur vor. Welche Aufgabe kommt den schablonenartigen Protagonisten zu, die in Rojos Werken auffallend häufig zu sehen sind und Zwiesprache mit dem Besucher zu heischen versuchen?

Gesichtslos und doch äusserst präsent scheinen sie die Aussage der Bilder mit ihrer unaufdringlichen Gegenwart zu unterstreichen. Dabei unterliegt der Betrachter gern einer Sinnestäuschung: Die vordergründig ganz unterschiedlichen Gestalten haben akkurat die gleiche Grösse, was sich durch die veränderte Perspektive verschiebt und eine äusserst spannende Komponente ins Spiel bringt.

Als der Tag seine Farbe verlor

Eine markante Zäsur in Hans Rudolf Roths Leben war 1996 die Überschwemmung in Reinach, die auch sein damaliges Atelier heimsuchte. Damit wurde ein grosser Teil seiner Sammlung zerstört. Mit dem ausgestellten Werk «Als der Tag seine Farbe verlor» wird diese schwarze Zeit eindrücklich verarbeitet. Mit einer grossen Schicksalsbejahung, auch in gesundheitlicher Hinsicht, hat sich Rojo zu neuen Ufern aufgemacht. Mit ungebremster Experimentierlust, die sich auch in den übermalten Bildern im Untergeschoss der Galerie zeigt, hat der Künstler seine neuen Werke geschaffen.

Wenn der Bezug zu seiner grossen Liebe Spanien sanft durchschimmert, brechen doch deutlich sichtbar die Seetaler und Wynentaler Wurzeln durch. Mit der umfassenden Ausstellung in der Galerie Aquatinta macht Rojo sich und seinen Anhängern ein grosses Geschenk zu seinem runden Geburtstag.

Die Ausstellung in der Galerie Aquatinta dauert bis zum 31. März und ist geöffnet: Donnerstag bis Sonntag, von 15 bis 18.30 Uhr. Der Künstler wird zeitweise anwesend sein. – Telefon 0628914686. – Internet: www.aquatinta.ch.

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