Rupperswil-Drama
Fall wie im Mafia-Milieu: Acht Fragen und Antworten zum Vierfachmord

Vor etwas mehr als einer Woche veränderte ein Vierfachmord die Gemeinde Rupperswil. Seither gibt es wenige Fakten und viele Vermutungen. Drei Forensiker ordnen den äusserst brutalen Fall ein.

Felix Burch, watson.ch
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Vierfachmord in Rupperswil (V2)
31 Bilder
Schüler und Anwohner haben vor dem Haus Kerzen aufgestellt.
Schüler und Anwohner haben vor dem Haus Kerzen aufgestellt.
Schüler und Anwohner haben vor dem Haus Kerzen aufgestellt.
Die Feuerwehr rückte um 11.20 Uhr wegen eines Brands an der Lenzhardstrasse in Rupperswil aus.
Im linken Teil dieses Doppel-Einfamilienhauses hat es gebrannt.
Die Polizei fand darin vier Leichen.
Vor Ort ermitteln Spezialisten der Polizei, Rechtsmediziner und Vertreter der Staatsanwaltschaft zum Brand und der Todesursache der Opfer.
Roland Pfister, Sprecher der Aargauer Kantonspolizei, informiert die Medien.
Nicht nur die Medien sind wegen des Dramas in Rupperswil.
Das Unglück lockte auch zahlreiche Schaulustige an.
Erste Kerzchen für die vier Toten stehen am Unglücksort.
Auch das Care-Team Aargau ist vor Ort.
Die Ermittler machen sich bereit, im Innern des Hauses die Spuren zu sichern
Die Feuerwehr ist mit einem Grossaufgebot vor Ort.
Grossaufgebot in Rupperswil
Ein Grossaufgebot von Feuerwehr, Polizei und Ambulanz ist an der Lenzhardstrasse in Rupperswil im Einsatz.

Vierfachmord in Rupperswil (V2)

Sandra Ardizzone

Der Vierfachmord von Rupperswil beschäftigt die Schweiz auch mehr als eine Woche nach der Tat weiter. Die Forensiker Josef Sachs, Frank Urbaniok und Thomas Knecht analysieren den aussergewöhnlichen Fall:

1. Was für eine Rolle spielt der Faktor Zeit?

Josef Sachs

Josef Sachs

ZVG

2. Wie wird jetzt weiter ermittelt?

Die Behörden verfolgen wohl verschiedene Spuren. Sie liessen bereits verlauten, sie wüssten mehr, als sie sagen. Urbaniok ist es ein Anliegen, dass man die Polizei jetzt in Ruhe arbeiten lässt. Er betont, dass die Arbeit für die Polizei extrem schwierig sei – weil die Täter die Opfer allenfalls zufällig ausgesucht haben und es deshalb keinen Bezug gibt. Urbaniok ruft die Bevölkerung deshalb auf, jegliche Beobachtungen der Polizei mitzuteilen. «Wir sollten der Polizei jetzt nicht von aussen die Welt erklären,» fügt Urbaniok an.

Frank Urbaniok

Frank Urbaniok

Tele M1

3. Warum geht man von einer gezielten, vorbereiteten Tat aus?

Am Anfang ging man von einem Familiendrama aus. Seither hat sich die Beurteilung des Falls gewandelt. Vier vollständige Tötungen, eine allfällige Knebelung, die Kaltblütigkeit, mit der die Täter offenbar vorgegangen sind, das gelegte Feuer, die Flucht ohne Spur, die immer noch nicht gefundene Tatwaffe – das alles deutet auf eine gut und lange geplante Tat hin.

4. Weshalb sollen die Täter nicht das erste Mal zugeschlagen haben?

Thomas Knecht

Thomas Knecht

Spitalverbund.ch

5. Was war das Motiv? Gab es einen Auftragskiller?

Über das Motiv wird weiter gerätselt: Es gibt gemäss Sachs zwei Szenarien: 1. Die Täter gingen davon aus, dass sie über die getötete Frau zu viel Geld kommen konnten. 2. Jemand aus dem Umfeld der Getöteten hat einen Auftragskiller auf die Familie angesetzt. «Solche Auftragsmörder gibt es in der Schweiz, die machen solche Jobs für fünfstellige Beträge», sagt Sachs.

Knecht, der betont, man könne immer noch nichts ausschliessen, meint aber: «Das Motiv ist sehr wahrscheinlich ein weltliches.» Es handle sich eher um eine Bereicherung als um Rache.

6. Warum benutzten die Täter Messer?

Für Urbaniok gibt es zwei Möglichkeiten: 1. Die Täter hatten keinen leichten Zugang zu Waffen; weil es allenfalls Jugendliche waren, oder aber Raubtäter, die bisher keine Waffen benutzten. 2. Die Messer kamen zum Einsatz, weil die Mörder keinen Lärm verursachen wollten. «Das würde eine extreme Kaltblütigkeit voraussetzen», sagt Urbaniok.

7. Warum ist der Fall so aussergewöhnlich?

Die Brutalität mit der die Täter vorgegangen sind, die Anzahl der Opfer, das unklare Motiv – und dann die Tatsache, dass es am Anfang keine Spur zu geben schien, die Ermittlungen praktisch bei Null begonnen haben. In der Schweiz werden fast alle Morde aufgeklärt (Anm. d. Red.: Laut Kriminalstatistik waren es 2014 95,4 Prozent), dass man, wie im Fall Rupperswil offenbar total im Dunkeln tappt, kommt selten vor.

Alle drei Forensiker, die tausende Fälle bearbeitet haben, sprechen immer wieder von einer schockierenden Kaltblütigkeit und Brutalität. «Das ist in dieser Form sehr selten,» sagt Urbaniok.

Knecht bringt ein weiteres Element ins Spiel: Den Kontrast zwischen der maximalen Brutalität der Tat in einer maximal friedlichen Gemeinde. «Das hat einen zusätzlichen Schockeffekt. Ein Mord wie im Mafia-Milieu in Palermo oder New York in einer ländlichen Gemeinde der Schweiz.»

8. Gibt es einen Zusammenhang zu den anderen Todesfällen?

In den vergangen Tagen kam es zu zahlreichen rätselhaften Todesfällen in der Schweiz: Der Vierfachmord in Rupperswil, das tote Rentnerpaar in Laupen, die männliche Leiche in einer Wohnung in Olten sowie der Tod des Portugiesen im Berner Oberland, der brennend auf der Strasse lag. Das ist ungewöhnlich, ein Zusammenhang aber nicht erkennbar. Bei den Nicht-Rupperwil-Fällen ist keine vergleichbar Brutalität bekannt, zumindest bisher.

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