Fahrwangen/Meisterschwanden/Bettwil
First Responder sind startklar: Ab Januar kann sich die Bevölkerung noch sicherer fühlen

Die Feuerwehr Oberes Seetal hat gemeinsam mit den Samaritervereinen von Fahrwangen, Meisterschwanden und Bettwil eine First-Responder-Gruppe ins Leben gerufen. Sie sollen bei Herz-Kreislauf-Problemen zum Einsatz kommen und dabei wertvolle Minuten gewinnen, die über Leben und Tod entscheiden können.

Nadja Rohner
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Am Sonntag hatten die neuen First Responder der Feuerwehr Oberes Seetal ihre erste gemeinsame Übung.

Am Sonntag hatten die neuen First Responder der Feuerwehr Oberes Seetal ihre erste gemeinsame Übung.

Rebekka Campiche

Die Gemeindeversammlungen waren sich bewusst, dass sie Geld für eine sinnvolle Sache sprechen: Problemlos genehmigten die Stimmberechtigten von Fahrwangen, Meisterschwanden und Bettwil Ende 2020 Kredite, mit denen die Feuerwehr Oberes Seetal eine First-Responder-Gruppe aufziehen kann. Diese hat nun ihre Ausbildung begonnen und soll ab 1. Januar 2022 einsatzbereit sein.

First Responder sind Menschen, die bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand zum Einsatz kommen. Sie sind dabei nicht vom Fach, jedenfalls nicht zwingend, sondern leisten Laienhilfe. Vor allem aber zeichnen sie sich dadurch aus, dass sie sehr schnell vor Ort sein können. Dank dieser First Responder kann vor allem die Zeit überbrückt werden, bis professionelle Rettungskräfte beim Patienten sind. Denn bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand sinkt die Überlebenschance mit jeder Minute, die ohne Erste Hilfe – etwa durch Herzdruckmassage oder den Einsatz eines Defibrillators – verstreicht.

Initiiert hat die First-Responder-Gruppe der Feuerwehr Oberes Seetal Kommandant Ueli Gutknecht. «Schon seit Jahren absolvieren unsere Feuerwehrangehörigen regelmässig Kurse für die Erste Hilfe bei Herz-Kreislaufstillstand, inklusive Einsatz des Defibrillators. Solche haben wir auch angeschafft. Aber mich hat es immer gestört, dass sie auf unseren Einsatzfahrzeugen deponiert und für die Öffentlichkeit nicht abrufbar waren. Sie dienten lediglich der Verwendung im Zusammenhang mit Feuerwehreinsätzen.» Die 13 First Responder haben nun alle ein persönliches Einsatz-Set inklusive Defibrillator erhalten. Pro Person kostete dies knapp 3'800 Franken.

Das Material kostet pro Person etwa 3'800 Franken.

Das Material kostet pro Person etwa 3'800 Franken.

Rebekka Campiche

Das Interesse sei gross gewesen, sagt Gutknecht. Mehr als zwei Dutzend Personen haben sich zu Beginn gemeldet. Mit 18 habe man eingehende Gespräche geführt – unter anderem mit Einbezug des ehemaligen Polizeipsychologen Horst Hablitz. «Bei der Auswahl der Personen haben wir auch auf ihre Verteilung in den Gemeinden und auf ihre Tagesverfügbarkeit geachtet», so Gutknecht. Unter den ausgewählten 13 – angeführt werden sie von einem im Einzugsgebiet wohnhaften Chirurgen des Unispitals Zürich – sind nun Angehörige der Feuerwehr und der Samaritervereine Fahrwangen-Meisterschwanden respektive Bettwil. Aber auch solche, die keiner dieser Organisationen angehören. «Wir haben es bewusst für die ganze Bevölkerung geöffnet», sagt Gutknecht.

Die First Responder werden vom Notrufzentrum aufgeboten, sobald eine Meldung mit den Stichworten «Atemnot», «Brustschmerz», «Bewusstlosigkeit» oder «leblose Person» beziehungsweise «Kreislaufstillstand» eingeht – und zwar gleichzeitig mit dem Rettungsdienst. In ländlichen Regionen braucht dieser aber durchaus eine Weile, bis er vor Ort ist. Eine SMS geht an alle Mitglieder der First-Responder-Gruppe. Ziel ist, dass mindestens zwei ausrücken können, da Reanimationen über längere Zeit erstens sehr anstrengend sind, wenn es eine Person alleine machen muss, und zweitens das Montieren des Defibrillators zeitgleich erfolgen sollte. «Zudem können durch überzählige Einsatzkräfte Angehörige betreut und die Ambulanz eingewiesen werden», so Ueli Gutknecht.

Die First Responder lernen die Laienhilfe bei Herz-Kreislauf-Problemen.

Die First Responder lernen die Laienhilfe bei Herz-Kreislauf-Problemen.

Rebekka Campiche

Eine Erhebung mit allen Notrufeinsätzen im Jahr 2016 aus Bettwil, Meisterschwanden und Fahrwangen hat ergeben, dass mit ungefähr 30 bis 40 Fällen pro Jahr gerechnet werden muss. Das klingt nach viel, ist aber realistisch: Die First-Responder-Gruppe der Feuerwehr Chestenberg hatte alleine im September 2021 fünf Einsätze.

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