Lenzburg
Die Stiftung muss rentabler werden

Am «Stiftigs-Märt» am Samstag werden allerlei Kunstgegenstände aus den eigenen Werkstätten verkauft. Unter der neuen Führung will die Stiftung ihre Wirtschaftlichkeit steigern.

Ruth Steiner
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Shana instruiert Stiftungsratspräsidentin Sabine Sutter und Stiftungsleiter Martin Bhend in der Jodtablettenbearbeitung.

Shana instruiert Stiftungsratspräsidentin Sabine Sutter und Stiftungsleiter Martin Bhend in der Jodtablettenbearbeitung.

Praxistage nennt der neue Stiftungsleiter Martin Bhend die Zeit, wenn er den Bürotisch mit der Werkstatt tauscht. Dort wird er zum Assistenten der Stiftungs-Klienten und packt an, wie ihm befohlen wird.

Geduldig zeigt Shana Wullschleger, wie Tablette um Tablette aus dem Aluminiumblister gedrückt und in das neben ihr stehende rote Kunststoffgefäss gelegt werden müssen.

Seit zwei Monaten ist Martin Bhend Leiter der Stiftung für Behinderte, Orte zum Leben. Die Ansprüche an den Nachfolger des in den Ruhestand getretenen Charly Suter sind hoch. 3,5 Millionen Franken des 28 Millionen-Betriebes der Stiftung werden in den Werkstätten und Beschäftigungsbereichen mit Aufträgen aus der Industrie und dem Dienstleistungssektor erarbeitet. Dieser Betrag muss künftig weiter steigen.

Die meisten Bestellungen kommen aus der Region. Jedoch nicht alle. Jod-Tabletten auspacken beispielsweise ist ein Auftrag des Bundes. Kürzlich wurden in den Schweizer Haushaltungen die Jod-Tabletten ausgewechselt, deren Datum abgelaufen ist. Die Tabletten werden später recycelt und zu Tierfutter verarbeitet. Ist es nicht eine etwas gar gefährliche Arbeit für die Klienten? Bhend schüttelt den Kopf. «Die kleinen weissen Dinger sind unbedenklich. Wer davon nascht, kriegt höchstens etwas Durst.»

Auftragslage weiter verbessern

Derzeit ist man in der Stiftung mit der Auftragslage wieder zufrieden. Im Januar sah es einen Moment eher düster aus. Der Nationalbank-Entscheid über die Aufhebung des Euro-Mindestkurses hat sich auch bei der Stiftung negativ bemerkbar gemacht. Glücklicherweise war die Baisse vorübergehender Natur. Darüber ist auch die neue Stiftungsratspräsidentin Sabine Sutter-Suter froh. Die Stiftung braucht Geld, muss rentabler werden. «Die Bauten haben das Stiftungsbudget in den vergangenen Jahren recht belastet. Jetzt müssen wir einen Nutzen daraus ziehen.» Das bedeutet eine weitere Verbesserung der Auftragslage. Auf der andern Seite will man auch die Kosten genau unter die Lupe nehmen. Den Finanzen gilt das Hauptaugenmerk in den kommenden fünf Jahren. Und dem Personal: Die beiden Geschäftsleitungen von Lenzburg und Oberentfelden müssen altershalber ersetzt werden. Auch hier liegt Sutter eine «gute Lösung» am Herzen.

Markt mit lauter Eigenprodukten

Bereits gut gerüstet ist man in der Stiftung für den «Stiftigs-Märt» am kommenden Samstag. Hier kommt die ganze Fülle des handwerklichen Könnens aus den eigenen Werkstätten auf die Verkaufstische: Briefkästen, Teppiche aus Wolle und Alttextilien, Kleiderbügel und vieles weitere mehr. «Wer sich beispielsweise seinen ganz persönlichen Teppich aus ausrangierten Seidenkrawatten herstellen lassen möchte, kann dies tun», sagt Sabine Sutter. Im Hause produzierte Kunstgegenstände und Kulinarisches aus der Stiftungsküche werden im Stiftungsladen «Ortilia» verkauft. «Kinderattraktionen und selbstverständlich eine Festwirtschaft ergänzen den Markt», wirbt Sutter für einen Besuch.

Noch ist Martin Bhend die Antwort schuldig, wie er sich als Assistent in der Werkstatt angestellt hat? Der Stiftungsleiter lacht. «Ich kann wieder kommen, hat man mir gesagt.» Und wenn die Klienten dies sagen, so glaubt der Chef ihnen aufs Wort. «Sie sagen einem gerade heraus, ohne viel Federlesens zu machen, was sie denken.»

Stiftigs-Märt mit Festbetrieb am Samstag, 9. Mai, von 9 bis 16 Uhr, in der Stiftung für Behinderte, Tiliastrasse 2, Lenzburg

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