Hallwil
Der Reitverein feiert seinen 100. Geburtstag mit einer Springkonkurrenz bei der Reithalle Egliswil

Bereits fünf Jahre nach der Gründung, 1923 nämlich, organisierte der Verein die erste Springkonkurrenz, und zwar in Seengen. Am Freitag geht's los mit der Springkonkurrenz.

Peter Weingartner
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Springkonkurrenz Hallwil
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Die Springkonkurrenz ist ein kleines Dorffest.ARchiv Haltiner
War Olympia-Teilnehmer: Der Springreiter Max Hauri 1966 auf Yukon in Aachen (D).zvg

Springkonkurrenz Hallwil

Kurt Rüdisüli

Ob sich die vier Gründungsmitglieder 1918 das hätten träumen lassen? Von den 30 bis 40 aktiven Reitenden des Reitvereins Hallwil seien «8 bis 10 Männer». Das sagt Nicole Thill, Präsidentin des Vereins. Ein Verein in Frauenhand. Natürlich waren das andere Zeiten, damals. «Nach dem Ersten Weltkrieg, als die Dragoner von der Grenzbesetzung zurückkamen, fehlte ihnen der Kamerad», sagt Nicole Thill, die für die vereinsinterne Geburtstagsfeier in alten Protokollen und Chroniken recherchiert hat. Was verschafft Abhilfe? Karl Buhofer (Boniswil), Fritz Holliger (Boniswil), Jakob Lindenmann (Fahrwangen) und Ernst Sandmeier (Seengen) gründeten einen Verein, den Kavallerieverein Hallwil. Und konnten als reiner Männerverein die Kameradschaft pflegen und im Verein ihre obligatorischen Reitübungen abhalten.

Ein kleines Dorffest

Diese Woche haben die Frauen und Männer Zelte für die Festwirtschaft und die Jury und natürlich den Parcours aufgestellt. Denn am Freitag gehts los mit der Springkonkurrenz. «Das ist immer ein kleines Dorffest; wenn Kinder reiten, kommen auch die Grosseltern», sagt Thill. Und sie selber? «Ich springe auch, mit meinem 11-jährigen Belgier Benetton de Lassus», sagt sie. Nur hobbymässig, lacht sie. Bis 105 Zentimeter hohe Hindernisse.

Für den Verein ist der Anlass die grösste Einnahmequelle. Gesprungen wird auf einem Wiesenplatz, nicht auf Sand. Wiese sei aufwendiger, sagt sie; es braucht Stollen in den Hufen: wegen des Rutschens. Dieses Jahr freilich ist nicht mit Morast zu rechnen. Man überlege sich dennoch, daraus einen Sandplatz zu machen.

Nicole Thill.

Nicole Thill.

Peter Weingartner

Wandel nicht nur im Namen

1957 wurde aus dem Kavallerieverein der Kavallerie- und Reitverein, und seit 1973 heisst er schlicht Reitverein Hallwil. Ein Zugeständnis an neue Realitäten: 1972 hat das Parlament die Kavallerie abgeschafft. Der Verein musste sich Privatreitern öffnen, und auch Frauen waren nun willkommen.

Reiten, ein Sport bloss für Betuchte? Nicole Thill winkt ab. «Eine Frage der Prioritäten», meint sie, aber mit bis zu 1000 Franken pro Monat müsse man schon rechnen, wenn man das Pferd nicht selber versorgen könne. Das neben der einmaligen Anschaffung des Pferdes. Ein Hobby koste halt etwas, meint Nicole Thill. Sie lobt die Feinfühligkeit des Tieres und betont, wie erholsam ein Ritt durch den Wald sein kann.

Springen im Schlosspark

Bereits fünf Jahre nach der Gründung, 1923 nämlich, organisierte der Verein die erste Springkonkurrenz, und zwar in Seengen. Der Erlös von 1200 Franken motivierte: Von nun an führte man alle zwei Jahre einen solchen Wettkampf durch, dies an unterschiedlichen Orten: oberhalb des Schlosses Hallwil, auf dem Eichberg. Ab 1941 war der lauschige Schlosspark Hallwil der Austragungsort, und das bis 1973. Einerseits brauchte nachher das Schloss mehr Platz (grössere Grabstätte), anderseits reisten immer mehr Konkurrenten mit Viehtransportern an, für die die Parkmöglichkeiten fehlten. Bis 1986 sprang man im Springgarten Schlatt und seither ist die Reithalle Egliswil der Ort der Pferdesporttage. Diese Halle gehört seit 2007 dem Reitverein.

Aushängeschild Familie Hauri

Der Verein hat in seiner Geschichte Reiterinnen und Reiter hervorgebracht, die über die Region hinaus einen klingenden Namen haben. Am bekanntesten sind sicher die Geschwister Max und Heidi Hauri aus Seon. Max hat an den Olympischen Spielen von Tokio (1964) und München (1972) teilgenommen, in den Disziplinen Springen und Military. Heidi, damals noch Robbiani, holte sich an den Spielen von Los Angeles 1984 mit Jessica die Bronzemedaille. Und Gustav Fischer gewann 1960 in Rom in der Einzeldressur Olympiasilber. Markus Hauri, Sohn von Max, holte sich 1994 an den Junioreneuropameisterschaften Gold und Bronze. Sein Bruder Thomas wurde vier Jahre später mit der Mannschaft der jungen Reiter Europameister.

Erfolge gabs auch in der jüngeren Vergangenheit: 2015 wurde Chantal Müller aus Veltheim mit der Mannschaft der jungen Reiter Europameisterin; 2016 war Kerstin Häusermann aus Egliswil Schweizer Meisterin im Military.

«Wir sind keine Reitschule»

Der Reitverein Hallwil bietet Kurse im Springen und im Dressurreiten an. «Man muss aber sein eigenes Pferd mitbringen», sagt Präsidentin Nicole Thill, «wir sind keine Reitschule.» Gemacht werden auch Postenläufe, sogenannte Patrouillenritte, wo es um Geschicklichkeit gehe. Fuchsschwanzjagden? «Lässig, aber aufwendig», sagt sie. Man hats einst gemacht, doch brauche es Bauern, die Felder und Wiesen zur Verfügung stellen. Und bei Schlechtwetter geht das Feld kaputt.

Mit Schlechtwetter am nächsten Wochenende, wenn auf dem Wiesenplatz bei der Reithalle Egliswil gesprungen wird, rechnet Nicole Thill nicht. Wie viele machen mit? «Schwer zu sagen», sagt sie: Man kann sich bis am Vorabend des Wettkampfs anmelden (www.rv-hallwil.ch).

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