Lenzburg
Der Kleingewerbler behauptet sich im neuen Block-Quartier

Gartenbauer und Friedhofgärtner Urs Willener behauptet sich in der Unteren Widmi. «Es ist ein Glücksfall, dass ich den Betrieb auf dem angestammten Areal in unmittelbarer Nachbarschaft zum Friedhof weiterführen kann», sagt er.

Ruth Steiner
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Urs Willener bereitet die Winterbepflanzung auf dem Friedhof vor. Auf den Nachbargrundstücken entstehen Reihen-Einfamilienhäuser und Wohnblöcke .

Urs Willener bereitet die Winterbepflanzung auf dem Friedhof vor. Auf den Nachbargrundstücken entstehen Reihen-Einfamilienhäuser und Wohnblöcke .

Chris Iseli

Entlang der Ammerswilerstrasse zwischen dem Hotel-Restaurant Ochsen und der Justizvollzugsanstalt verändert Lenzburg sein Erscheinungsbild rasant. Links und rechts der Strasse reihen sich neue Mehrfamilienhäuser aneinander. In der Unteren Widmi trägt eine Überbauung den Namen «Florapark», die Zugangsstrasse heisst Floraweg. Als Reminiszenz an die Familien-Gärtnerei, die jahrzehntelang auf diesem Areal betrieben wurde.

Und da ist auch noch Urs Willener. An diesem kalten Herbstmorgen schiebt er einen Rollwagen vollbepackt mit Stiefmütterchen ein paar Schritte zur Seite. Dabei muss er höllisch aufpassen, es sind nur wenige Meter bis zum Nachbargrundstück. Die Platzverhältnisse sind eng geworden für Willeners Gartenbaubetrieb. Der Gartenbauer und Friedhofgärtner ist ein weiteres Relikt aus der Vergangenheit des Quartiers. Die Stiefmütterchen kommen als Winterbepflanzung auf die nahen Friedhof-Gräber. Diese sind zugekauft, Willener zieht keine Pflanzen und betreibt auch keinen Direktverkauf.

Mit dem Verkauf des Rupp-Areals an die Hunzenschwiler Immobilienfirma City-Partners konnte Urs Willener das 1600 Quadratmeter grosse Grundstück zwischen Bifang und dem Brosiweg von seinem ehemaligen Arbeitgeber erwerben, inklusive dem darauf stehenden hundertjährigen Wohnhaus, in dem das Büro der KMU untergebracht ist, dem Holzschopf und den dazugehörenden Treibhäusern. Bereits vor 11 Jahren hat Willener die Bereiche Friedhof- und Landschaftsgärtnerei übernommen und die bestehenden Gewerberäume von Rupp gemietet. Zuvor hatte er 14 Jahre lang im Betrieb mitgearbeitet.

Betrieb auf Bauland

Lässt sich in diesen engen Platzverhältnissen, eingepfercht zwischen in Bau befindlichen und noch entstehenden Neubauten überhaupt ein Gewerbe betreiben? Urs Willener nickt, er sei froh über diese Lösung. Angesichts der Entwicklung im Quartier habe er sich in den vergangenen Jahren in Lenzburg nach Alternativen umgeschaut. Vergebens. «Es ist ein Glücksfall, dass ich den Betrieb auf dem angestammten Areal in unmittelbarer Nachbarschaft zum Friedhof weiterführen kann.» Als offizieller Friedhofgärtner und Totengräber von Lenzburg ist dieser Standort für Urs Willener optimal. Ein Katzensprung für seine Mitarbeiter, wenn ein neues Grab erstellt werden muss oder Unterhaltsarbeiten anstehen. Gartenbauarbeiten werden für Firmen und für Private ausgeführt. So stammen die Umgebungsarbeiten für das Provisorium und den Neubau des Alterszentrums Obere Mühle von Urs Willener.

Dass er den 10 Mann kleinen Gewerbebetrieb auf teurem Bauland unterhält, macht dem 48-jährigen Handwerker «dank günstiger Hypothekarzinsen» kein Kopfzerbrechen. Ebenso wenig wie die zukünftigen Bewohner der Mehr- und Reiheneinfamilienhäuser, welche sich mit den Immissionen des Kleinbetriebes in unmittelbarer Nähe zu arrangieren haben. Und umgekehrt. Dazu meint Urs Willener einzig: «Ich zähle auf eine gute Nachbarschaft.»