Lenzburg
Der 54. Lenzburger Brunnen kommt aus der Erde

Im neuen Quartier «Im Lenz» wurde am Freitag eine Gesteinsskulptur installiert. Als Wasserspiel soll sie den Zentrumsplatz beleben.

Henrik Furrer
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Lenzburger Brunnen im Quartier Im Lenz
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Lenzburger Brunnen im Quartier Im Lenz

Was ist das für ein ausgehöhlter Gesteinsklumpen, der da in diesem riesigen Erdloch auf dem Areal der Traitafina in Lenzburg liegt? Dass es sich bei der 12 Tonnen schweren Gesteinskonstruktion um ein Kunstwerk handelt, glaubt man auf den ersten Blick kaum. Doch genau das ist es. «Rise of a found fount» – Auferstehung einer gefundenen Quelle – heisst das Werk des schweizerisch-niederländischen Künstlers Bob Gramsma.

Bestimmt ist die riesige Gesteinsskulptur für das neue Quartier «Im Lenz». Dort wurde das Kunstwerk auf dem zentralen Markus Roth-Platz am Freitag installiert - als «fiktive Quelle» und gleichzeitig als 54. Brunnen in Lenzburg «Die Brunnenskulptur soll einen Bezug zur Brunnen- und Quellenstadt Lenzburg schaffen«, sagt Kuratorin und Projektleiterin Friederike Schmid. «Das Kunstwerk soll zur Belebung des neuen zentralen Platzes im Quartier beitragen und die Leute zum Nachdenken anregen.»

Und Künstler Bob Gramsma? Gekleidet in Arbeiterhosen, schmutzigem Pulli und dem Baustellenhelm auf dem Kopf könnte er genauso gut als Bauarbeiter durchgehen. Sein «Atelier» – eine Wiese auf dem Traitafina-Areal – sieht auch tatsächlich wie eine Baustelle aus. Ein turmhoher Kran und ein Schwertransporter stehen bereit, um die Gesteinsskulptur an ihren Bestimmungsort «im Lenz» zu bringen.

Verbindung mit lokalem Erdreich

Hinter dem Kunstwerk steckt eine spezielle Vision des Künstlers: «Meine Idee war es, eine fiktive Quelle in den Boden zu graben. Die meisten Leute wissen gar nicht, dass zu einer Quelle auch ein Quellenraum gehört. Diesen wollte ich darstellen.» Gramsma erklärt, wie er vorgegangen ist: «Zuerst habe ich den fiktiven Quellenraum mit dem Bagger aus dem Boden gegraben. Bei der genauen Form bin ich einfach meiner Intuition gefolgt. Danach wurde spezieller Recycle-Beton in dieses Loch gespritzt. Der Beton hat sich dann mit dem Erdreich verbunden, Steine blieben haften.» Und Schmid fügt hinzu: «Die daraus entstandene Skulptur steht in Verbindung zum lokalen Boden. Dies verleiht dem Quartier eine natürliche Note und schafft Bezug zur Stadt.»

Nach dem Konstruktionsbeginn im Herbst 2015 wurde die Betonkonstruktion am Freitag an den Bestimmungsort gezügelt. Ein heikles Unterfangen: Das Betonelement wurde aus dem Erdreich ausgegraben. Zentimeter für Zentimeter hievte der Kran die Skulptur empor und lud sie auf den Schwertransporter. Den ganzen Morgen lang dauerte diese Prozedur. Bis zum Markus Roth-Platz sind es nur ein paar hundert Meter. Dort kam der Kran wieder zum Einsatz und platzierte das Kunstwerk millimetergenau an seinen Ort.

Noch ist die Skulptur aber kein Brunnen. In den nächsten Tagen wird die Konstruktion ans Wasser angeschlossen, das dann aus verschiedenen Öffnungen rinnen wird. Eingeweiht wird der 54. Lenzburger Brunnen dann offiziell nach den Sommerferien.

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