Bezirksgericht Lenzburg
Wüstes Ende eines Grillabends: Wer hat hier auf wen eingeschlagen?

Einem Mann und einer Frau wird vorgeworfen, eine gemeinsame Bekannte in Lenzburg verprügelt und beschimpft zu haben. Sie werden letztlich beide freigesprochen, auch wegen der Klägerin selber.

Florian Wicki
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Vor dem Lenzburger Bezirksgericht wurden beide Beschuldigten freigesprochen.

Vor dem Lenzburger Bezirksgericht wurden beide Beschuldigten freigesprochen.

Bild: Chris Iseli

An einer Grillstelle gemütlich eine Wurst bräteln und dabei ein paar Bierchen trinken – diese Aktivität geriet in Lenzburg vor fast drei Jahren mächtig aus dem Ruder.

Die Aussagen, was an dem Donnerstagabend im Dezember 2019 in Lenzburg geschehen ist, gehen weit auseinander. Fest steht, dass sich Lilija und Uwe (alle Namen geändert) vor dem Lenzburger Bezirksgericht und vor Richter Daniel Aeschbach verantworten mussten. Ohne Klägerin, die blieb der Verhandlung unentschuldigt fern.

Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau beschreibt den Sachverhalt im Strafbefehl folgendermassen: Katarina habe sich zusammen mit Uwe und Lilija am Grillplatz aufgehalten und etwas getrunken: «In der Folge kam es dabei zu einer verbalen Auseinandersetzung, in deren Verlauf Lilija Katarina Schläge sowie Fusstritte versetzte, ihr an den Haaren riss, sie als ‹Schlampe› betitelte und auch bespuckte.»

Als Katarina die Polizei habe rufen wollen, hätte die Gruppe ihr das Handy weggenommen, ihr ein Becher eines alkoholischen Getränkes über den Kopf geschüttet, worauf sie weggelaufen sei. Kurze Zeit später sei sie zurückgekehrt, Uwe habe sie in den Brustbereich geschlagen und ebenfalls beschimpft. Sie habe mehrere Verletzungen erlitten, unter anderem eine Druckempfindlichkeit der Halswirbelsäule, mehrere Prellungen am Kopf und eine Schwellung der linken Schläfe. Die Verletzungen seien nicht nur physisch, schreibt die Staatsanwaltschaft weiter; durch die Äusserung der Beschuldigten sei Katarina in ihrem Gefühl, ein ehrbarer Mensch zu sein, verletzt worden.

Sie war seine Ex-Freundin

Per Strafbefehl wurde Lilija zu einer bedingten Geldstrafe von 10 Tagessätzen à 50 Fr. (500 Fr.) bei einer Probezeit von zwei Jahren verurteilt und einer Busse von ebenfalls 500 Fr. verurteilt. Zusammen mit der Strafbefehlsgebühr von 600 Fr. und Polizeikosten von 18,35 Fr. betrug die Rechnung insgesamt 1118,35 Franken. Bei Uwe wurde es ein bisschen teurer, da er zusätzlich mehrere Vorladungen des Betreibungsamts Niederlenz ignoriert hatte und schliesslich von der Polizei abgeholt werden musste: Er wurde zu 10 Tagessätzen à 140 Fr. (1400 Fr.) verurteilt, ebenfalls bedingt, hinzu kam eine Busse von 600 Fr., inklusive Gebühren 1418,30 Fr. Beide Beschuldigte haben den Strafbefehl angefochten.

Der Vorfall habe sich anders zugetragen, erzählten die beiden in der Befragung durch Richter Aeschbach. Uwe erklärte, er kenne Katarina schon länger, sie seien mal ein Paar gewesen. Sie habe aber starke psychische Probleme und müsse deshalb Medikamente einnehmen, was sich mit ihrem Alkoholkonsum nur schlecht vertrage. Er habe sie auch schon polizeilich aus seiner Wohnung wegbringen lassen müssen, seit da sei die Beziehung vorbei.

Eine Busse gab es trotzdem

Lilija erzählte, sie habe sich einige Tage vorher mit Katarina gestritten, diese habe ihr Geld geschuldet. Beide Beschuldigten erzählten, sie seien am Grillplatz gewesen, als Katarina aufgetaucht sei. Sie habe die beiden mehrfach angegriffen und hätte sich nur mühsam – durch Uwes Körpereinsatz – von Lilija abbringen lassen, geschlagen habe sie aber niemand, und bespuckt und beschimpft schon gar nicht. Uwe habe schliesslich die Polizei gerufen, das könne man auch deren Rapport nachprüfen.

Nach einer kurzen Urteilsberatung sprach Richter Aeschbach die beiden nach dem Grundsatz «In dubio pro reo» frei. Es spreche zudem auch Bände, dass Katarina einfach nicht vor Gericht erschienen sei. Ganz ungeschoren kam zumindest Uwe aber doch nicht davon: Für die Sache mit dem Betreibungsamt erhielt er eine Busse von 200 Franken und die Hälfte der Gebühren auferlegt.