Egliswil
Begehrte illegale Früchte: Folientunnel von Bauer sorgt für Wirbel – den Verkaufszahlen schadet das kaum

Kaum waren die letzten Aprikosen der Saison gepflückt, waren sie auch schon verkauft. Der Egliswiler Bauer Urs Baur hatte in diesem Sommer viel zu wenig Aprikosen, bald wird er ein Vielfaches haben. Grund für Ärger gibt es allerdings trotzdem.

Michael Küng
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Die schnellsten Bäume wachsen bereits dem Dach entlang: Urs Baur im Aprikosen-Dickicht.

Die schnellsten Bäume wachsen bereits dem Dach entlang: Urs Baur im Aprikosen-Dickicht.

Michael Küng

Erfolgreiche Aprikosensaison für Urs Baur und seinen Eichhof in Egliswil: Seine zwei Jahre alten Aprikosenbäume gedeihen prächtig. Jeder warf bis zu drei Kilogramm Aprikosen ab, schon in zwei Jahren sollen es rund 20 Kilos sein. Die Region kann es nur schwer erwarten, dass die Bäume ihren vollen Ertrag abwerfen.

Der Ansturm auf die Seetaler Früchte war so gross, dass Urs Baur seine Aprikosen nur gegen Vorbestellung abgeben konnte. Maximal ein Kilo, damit möglichst viele zum Zug kamen. «Das freut mich natürlich ungemein und ist zugleich ein bisschen schade», sagt Urs Baur. Nur schon, weil sich mittlerweile auch schon eine ganze Reihe Restaurants nach seinen Aprikosen erkundigt haben. «Und die würde ich unglaublich gerne beliefern, doch dafür war der Ertrag einfach noch zu klein.»

Aufzucht im Schnellzugtempo

Um möglichst schnell den grösstmöglichen Ertrag zu erreichen – 2022 soll es schon so weit sein –, betreibt Baur viel Aufwand. Jeder Baum wird mehrmals im Jahr zurückgeschnitten, damit die stärksten Äste im idealen Winkel in Richtung Foliendach emporwachsen können. Ausgesetzte Florfliegen fressen sich an Schädlingen satt, verbesserte Insektennetze halten möglichst viele ab. «Das sind gewisse Investitionen, die für einen schnellen Ertrag nun aber umso wichtiger sind.»

Schnell, weil die zwei für den Aprikosenanbau gebauten Folientunnel nach einer späten Einsprache wieder zurückgebaut werden müssen: Die Gemeinde hatte das Baugesuch nicht im kantonalen Amtsblatt ausgeschrieben. Deshalb hiess der Kanton eine lange nach Erteilung der Baubewilligung eingegangene Einsprache gut. Er müsste nun festlegen, wie viel Zeit Urs Baur bleibt, bis er die Tunnel zurückbauen muss.

Allerdings hat der Bauer den Entscheid an das Verwaltungsgericht weitergezogen, auf dessen Entscheid warten nun alle Parteien gespannt. «Wir haben gerade dem Gericht unsere Sicht der Dinge dargelegt, bis im September hat die Gegenpartei nun Zeit, um zu reagieren», sagt Baur. Dabei hatte alles so gut angefangen: Zusammen mit einem anderen Seetaler Bauern hat er mit dem Kanton und Forschern zusammengearbeitet, um den pestizidfreien Anbau von Aprikosen im Aargau zu erproben. Regierungsrat Markus Dieth kam zur feierlichen Einweihung, das Projekt machte nationale Schlagzeilen.

Dann der überraschende Rückschlag für Baurs Folientunnel wegen der gutgeheissenen Einsprache, die die Umweltorganisation Pro Natura eingereicht hatte.

Es werden weitere 200 Aprikosenbäume gepflanzt

«Dieser Ast hier ist allein diesen Sommer drei Meter gewachsen», strahlt Baur im tropisch heissen Blätterdickicht im Tunnel. Bald werden die letzten 80 Bäume geliefert – weil sie in der Baumschule verhagelt worden sind, ein Jahr später als geplant. «Und dieser Baum da wurde trotz Tunnel vom Pilz befallen. Er fällt deshalb ein Jahr zurück. Von jenem dort drüben habe ich zu wenig unreife Früchte gepflückt, deswegen hat er zwar sehr viele gemacht, die wurden aber zu klein.» Urs Baur wirkt hin- und hergerissen. Denn eigentlich läuft alles nach Plan, die erst zweite Ernte hat seine hohen Erwartungen nur um ein paar Kilo verfehlt.

«Es ist etwas viel gerade», sagt er beim Verlassen des Folientunnels und zeigt auf die grosse Lücke auf dem Hof: «Vor zwei Wochen hat ein Sturm die namensgebende Eiche unseres Hofs gespalten. Wir mussten sie schweren Herzens fällen.» Sie soll eine schöne Nachfolgerin bekommen. Und ausserhalb der Folientunnel plant Urs Baur 120 weitere Aprikosenbäume. «Eine ganz besondere Züchtung, die Pilzbefall sogar im Freien widerstehen kann.» Urs Baur gibt nicht auf.