Reformierte Kirche
Aus dem Knast nach Beinwil am See

Nach dreizehn Jahren als Seelsorger in der Justizvollzugsanstalt Lenzburg beginnt für ihn ein neues Kapitel: Pfarrer Andreas Pauli wechselt zur reformierten Kirche in Beinwil am See.

Michael Küng (Text und Foto)
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Pfarrer Andreas Pauli vor seiner neuen Wirkungsstätte in Beinwil am See. Heute feiert er Geburtstag, am Sonntag seine Amtseinsetzung.

Pfarrer Andreas Pauli vor seiner neuen Wirkungsstätte in Beinwil am See. Heute feiert er Geburtstag, am Sonntag seine Amtseinsetzung.

Michael Küng

Hoch über dem Hallwilersee thront die reformierte Kirche von Beinwil am See, seit 83 Jahren schon. Die Baupläne kamen aus Luzern, die Orgel aus Zürich und das Geläut natürlich aus Aarau. Seit dem 1. Dezember hat sie nun einen Pfarrer, der eben noch in Buchs-Rohr tätig war: Am Sonntag feiert Andreas Pauli seine Amtseinsetzung.

Dabei hat er 2011 bei seinem Anfang als Pfarrer in Bremgarten gegenüber der AZ gesagt: «Ich glaube, hier bleibe ich». Pauli muss lachen. «Das habe ich tatsächlich gesagt – es verfolgt mich also noch immer». Mit der Zeit habe ihn die Lust aufs Neue dann halt einfach doch wieder übermannt. «Unvoreingenommen an etwas Neues heranzugehen, neue Leute kennenzulernen und mit ihnen zu arbeiten, das ist doch etwas Schönes».

«Ich erhoffe mir eine spannende Dynamik zwischen Alteingesessenen und Zugezogenen»

– Andreas Pauli, Pfarrer

Nun hoffe er allerdings schon, dass Beinwil am See seine letzte Station als Pfarrer sei. Immerhin feiert er heute seinen 60. Geburtstag. Und wieso in Beinwil am See? «Nach dreizehn Jahren als Seelsorger in der Justizvollzugsanstalt Lenzburg war für mich der Moment gekommen, um ein neues Kapitel aufzuschlagen.

Ich hatte noch einmal Lust auf ein normales Pfarramt in einer Gemeinde», sagt Pauli. Die reformierte Kirche in Beinwil am See war gerade auf der Suche und so kam eins zum andern. Seit Anfang Dezember wohnt Pauli nun im herrschaftlichen Pfarrhaus von Beinwil am See.

Neben seiner Tätigkeit als Seelsorger in Lenzburg und anderen Regionalgefängnissen war Andreas Pauli auch vorher schon Pfarrer in verschiedenen Kirchgemeinden. Aus dem ländlichen Welschenrohr im Kanton Solothurn führte es ihn nach Bremgarten und zuletzt in die Kirchgemeinde Buchs-Rohr. Dort wird er vermisst.

In der Kirchenzeitung «Reformiert» schreibt sie: «Die Kirchgemeinde Buchs-Rohr muss sich per Ende November von einem engagierten Kollegen verabschieden, der sich unter anderem für die soziale und berufliche Integration von Flüchtlingen und Asylsuchenden starkgemacht hat.» Andreas Pauli sagt, in Buchs-Rohr habe es ihm gut gefallen. «Die Gemeinde hat also nichts mit meinem Weggang zu tun.» Der Wechsel hat vielmehr persönliche Gründe. Ein Schicksalsschlag verlangte nach einem Neuanfang.

Und der sei in Beinwil am See sehr schön: «Besonders hat mich gefreut, dass ich mich dem Gemeinderat vorstellen durfte und unser Tun mit Interesse verfolgt wird», sagt Pauli. Dabei helfe es, dass Beinwil am See eine sehr aktive Kirchenpflege habe.

Gottesdienst ohne Predigt

Aktiv ist auch Andreas Pauli: «Seit Kurzem haben wir einen neuen Abendgottesdienst, an dem wir einmal monatlich mit Musik und Poesie durch den Abend gehen, eine Predigt gibt es nicht», erzählt er. Die Pianistin greift dabei auch mal zum Cello und Andreas Pauli zur Klarinette. Die Musik ist eins seiner zwei grössten Hobbys, gemeinsam mit seinen Hoch- und Skitouren in den Bergen.

Seit Anfang Jahr dirigiert er zusätzlich den Männerchor von Beinwil am See. «Dort durfte ich bereits spannende Einblicke in das Dorfleben gewinnen», sagt er. Die Durchmischung aus Alteingesessenen und Zugezogenen sei aufregend. «Ich hoffe, dass daraus eine gute Dynamik entsteht und auch die Kirche etwas zu dieser beitragen kann».

Das idyllische Dorf in der Natur, die Ruhe der Alteingesessenen, die quirligen Zuzüger aus der Agglomeration; das gefällt Pauli. «Durch meine bisherigen Stationen kenne ich beide Perspektiven.»

Als Pfarrer wolle er aber auch vor allem für diejenigen da sein, «die von der Kirche noch etwas wollen». Und auch die Jugend spielt eine Rolle: «Wir haben dieses Jahr ganze 18 Konfirmanden. Es wird also auf jeden Fall ein Konflager geben, das ist schon aufgegleist.» Andreas Pauli frohlockt, als wäre er selbst ein junger Konfirmand.

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