Aargau
Kleinkraftwerk-Befürworter streiten sich mit Umweltverbänden

Alternative Energien sollen gefördert werden. Das will der Interesseverband der Kleinkraftwerkbetreiber - Pro Natura sieht darin eine Gefahr für die Natur und stemmt sich mit aller Kraft gegen die extensive Nutzung von Fliessgewässer.

Sven Zaugg
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Demonstration gegen Kleinwasserkraftwerke

Demonstration gegen Kleinwasserkraftwerke

Keystone

90 Prozent aller Bauvorhaben für Kleinwasserkraftwerke - was in etwa 500 Projekten landesweit entspricht - liegen auf Eis. Vor allem Umweltverbände wehren sich gegen die extensive Bewirtschaftung der Gewässer; der Lebensraum der Fische und vor allem die sensible Auenlandschaft würden damit bedroht, argumentiert beispielsweise die Aargauische Pro Natura. Eine Sektion der Pro Natura Schweiz, die gemäss Auffassung des Interesseverbandes der Schweizerischen Kleinkraftwerkbesitzer (ISKB) besonders rigide ist, was den Bau neuer Kleinwasserkraftwerke angeht.

Gewisse Exponenten der Aargauischen Pro Natura seien grundsätzlich gegen alles, was mit Wasserkraft zu tun habe, moniert Beat Fuchs von der ISKB. Für ihn ist die Argumentation des Umweltverbands - weshalb es keine neuen Kleinwasserkraftwerke braucht - seltsam: «Ihnen scheint egal zu sein, woher der Strom kommt, doch irgendwo muss er ja produziert werden.» Fuchs rechnet vor: Würden die auf Eis gelegten Projekte realisiert, könnte beispielsweise das AKW Mühleberg abgeschaltet werden. Angesicht der aufgeheizten Debatte über den 1972 erbauten Meiler und den Ausstieg aus der Atomenergie ein Silberstreifen am Horizont - möchte man zumindest meinen.

Besondere Bedeutung der Auenlandschaft

Auenschutzpark

Der Aargau (alemannisch: Land am Wasser) ist landschaftsgeschichtlich eng mit den Flüssen und den Auen verbunden: Drei Viertel der gesamten Wassermenge aller Bäche und Flüsse der Schweiz fliessen durch den Aargau ab. Die Flüsse Aare, Reuss, Limmat und Rhein waren ursprünglich von grossen Auen begeleitet. Rund 90 Prozent der aargauischen Auen sind jedoch im Verlauf der letzten 150 Jahre verschwunden und mit ihnen die vielen Tier- und Pflanzenarten, die in ihnen leben. Das Aargauervolk hat mit der Annahme der kantonalen Volksinitiative «Auen-Schutzpark - für eine bedrohte Lebensgemeinschaft» am 6. Juni 1993 einen weitreichenden Auftrag für den Auenschutz in der Kantonsverfassung verankert. Der Aufbau eines Auenschutzparkes bezweckt die Erhaltung und Wiederherstellung der noch vorhandenen Auenreste im Kanton Aargau auf mindestens einem Prozent der Kantonsfläche bis zum Jahr 2014. (sza)

Jenny kehrt den Spiess um: Die Lösung sei nicht in der Produktion sondern viel mehr bei Einsparungen zu suchen. «Eine hohe Energieeffizienz wird uns viel weiter bringen. Wieso immer mehr Strom produzieren, wenn wir den Verbrauch senken können?» Das sei einerseits günstiger und noch viel wichtiger - umweltfreundlicher. «Wollen wir dereinst wirklich ohne Atomkraftwerke auskommen, darf Strom nicht länger billige Dienstleistung sein, sondern muss kostbares Handelsgut werden - auch für Industrie, Gewerbe und Private», sagt Jenny.

«Auch wir wollen die Natur nicht unnötig belasten»

Beat Fuchs warnt derweil vor einem Stromengpass, in den man im Falle eines AKW-Ausstiegs und fehlenden Alternativen - wie eben Kleinwasserkraftwerke eine sei - schlittern werde. An einer kürzlich abgehaltenen Sitzung mit der Aargauischen Pro Natura habe man klar gemacht, dass die ISKB nicht im Sinn habe, alle Fliessgewässer mit Kraftwerken zu zupflastern. «Auch wir wollen die Natur nicht unnötig belasten», sagt Fuchs. Nächstens werde eine Arbeitsgruppe mit Exponenten von Pro Natura und ISBK ins Leben gerufen, um über konkrete Projekt zu verhandeln. «Wir werden uns wahrscheinlich irgendwo in der Mitte treffen», hofft Fuchs.

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