Heitere Open Air
Zuhause auf dem Heiteren: So leben die Open-Air-Besucher auf dem Zeltplatz

Die Zeltplatz-Bewohner am Open Air oberhalb von Zofingen sind früh munter, ächzen unter der Sonne und lechzen nach Bier. Mit Solarpanels laden einige die Akkus ihrer Handys auf, andere spielen Bierpong.

Ronnie Zumbühl
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Zuhause auf dem Heitern

Zuhause auf dem Heitern

Die «Höusechlöpfer» sind ziemlich begabt – wie man sieht.

Die «Höusechlöpfer» sind ziemlich begabt – wie man sieht.

Morgens um halb 10 auf dem Heitern: das nahrhafte Malzgetränk, hat sich zum Frühstücksrenner gemausert. Insofern ist es nicht weiter wunderlich, dass Gäste aufgeschlossene, muntere, vorwiegend junge Menschen ihresgleichen treffen. Dabei werden die verbrauchten Gebinde aus Alu-Dosen entweder in ein noch viel grösseres Gebinde geworfen oder aufgewertet zu Girlanden. Diesem «Upcycling», wie es fachlich genannt wird, nahm sich eine Gruppe aus dem Entlebuch an.

Ihre Zelte stellten sie am Mittwochmorgen zuoberst bei den Zielscheiben auf. Rund 30 Leute zählt ihr Kollektiv. Sie kennen sich teilweise von der Guggenmusik. Um 10 Uhr sitzen sie bereits in ihren Stühlen und spielen ein kognitiv forderndes Spiel: Jemand wirft ein Wort in die Runde, der nächste muss eines mit ähnlicher Bedeutung nennen – nicht schlecht für diesen Ort und diese Uhrzeit. Andere Zeltgruppen hingegen deponieren ihren Abfall vor ihrem Zeltlager. Getrennt wird der Müll kaum, das wäre wohl etwas zu viel verlangt.

Ökologisches Verhalten macht sich indes in anderer Form bemerkbar: Eine Gruppe aus Schötz, ihres Zeichens Mikronesier, schleppte ein Solarpanel an. Mit diesem laden sie die Akkus ihrer Handys auf und speisen ihre Lichtanlagen mit Energie. Nur ihre eigene Energie können sie damit nicht versorgen. Die meisten von ihnen sind aber munter auf, nur einzelne lechzen fläzend im Zelt nach Flüssigkeit, nach Bier. Ein einziger Aargauer hat sich in die Gruppe eingeschlichen. Ansonsten bestätigt sich die nicht repräsentative demografische Studie der Band Pegasus: Die Luzerner im Publikum übertönten die Aargauer um Weiten.

Ein Aargauer Grüppchen ist das «Gascho 13». Bei den Partyveranstaltern aus Muhen und Schöftland ist um halb 11 Uhr nichts von Party zu spüren – auch nicht die von gestern, obwohl es laut ihnen am Morgen um 5 Uhr erst so richtig losgegangen ist. Das «Zuhause» für fünf Tage haben sich die rund 25 Kollegen ziemlich wohnlich eingerichtet: Strohballen, eine Hängematte, Bierpongtisch und jede Menge Essen und Trinken hievte die Truppe ebenfalls am Mittwochmorgen auf den Zofinger Hausberg.

Damit waren sie jedoch nicht die ersten. Unter dem Motto «Der frühe Vogel fängt den guten Platz» machte sich die Truppe «Höusechlöpfer» um 3 Uhr morgens auf, um mit Traktor Holzlatten auf den Heitern zu schleppen. Denn die Gruppe aus Roggliswil und Pfaffnau baute sich auf dem Festivalgelände gleich einen Turm auf. «Wir sind alle Handwerker. Deshalb kamen wir auf die Idee, einen Turm zu stellen», sagt einer. Ihr handwerkliches Geschick setzen sie auch an der Fasnacht ein und zimmern jedes Jahr einen neuen Wagen.

Gegen Mittag treffen auch die letzten Zeltgäste ein, oder jedenfalls die letzten, die noch Platz finden. Darunter ist ausnahmsweise auch eine Gruppe, die nicht aus den Kantonen Luzern oder Aargau kommt: Es sind Urner, die das erste Mal am Heitere Open Air sind und sichtlich Vorfreude verspüren –auch wenn sie nun von ganz unten beim Zeltplatz hinauf marschieren müssen.

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