Zehnder Group
«Wir planen definitiv keinen Rückzug aus der Schweiz»

Der Heizungs- und Lüftungsbauer glaubt ans China-Geschäft – und an den Standort Gränichen, obwohl der Markt derzeit rückläufig ist. Allerdings steigt er auch beim FC Aarau als Sponsor aus.

Peter Brühwiler
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«Heizkörper bleiben für uns ein wichtiges Standbein»: Dominik Berchtold, CEO der Zehnder Group, in der Produktionshalle in Gränichen.Mario Heller

«Heizkörper bleiben für uns ein wichtiges Standbein»: Dominik Berchtold, CEO der Zehnder Group, in der Produktionshalle in Gränichen.Mario Heller

Mario Heller

In der Halle hinter Dominik Berchtold stapeln sich die Heizkörper – doch der Markt ist rückläufig. Der CEO der Zehnder Group in Gränichen bleibt dennoch optimistisch. Mit ihren Produkten will die Firma in China unter anderem für bessere Luft in den Städten sorgen.

FC Aarau: Zehnder steigt definitiv aus

Der FC Aarau braucht definitiv einen neuen Hauptsponsor. Am bereits Anfang Jahr gefällten Entscheid, per Jahresende auszusteigen, habe sich nichts geändert, sagt Dominik Berchtold. «Im Rahmen der Kosteneinsparungen, die wir im Juni bekannt gegeben haben, überprüfen wir alle Ausgaben auf ihre Notwendigkeit. Der starke Franken und die flaue Marktentwicklung zwingen uns zu rigorosen Sparmassnahmen.» Die Zehnder Group hat sich das Engagement beim FC Aarau in den vergangenen fünf Jahren pro Saison zwischen 400 000 und 500 000 Franken kosten lassen.

Herr Berchtold, die Zehnder Group ist seit 1996 in China präsent, derzeit in Peking und Schanghai. Die Goldgräberstimmung scheint nach Jahren des rasanten Aufschwungs nun aber vorbei zu sein. Gilt dies auch für den Heizungs- und Lüftungsmarkt?

Dominik Berchtold: Man muss differenzieren. In mittelgrossen Städten gibt es einen grossen Leerwohnungsbestand. In den sogenannten Tier-1-Städten, also Metropolen wie Schanghai oder Peking, wird aber weiterhin viel gebaut — und nur schon in diesen beiden Städten bietet sich uns ein riesiges Potenzial.

Wie wichtig ist China für Zehnder?

Wir erzielen in China momentan rund fünf Prozent des Konzernumsatzes, also etwa 25 Millionen Franken. Die kritische Grösse haben wir damit noch nicht erreicht, wir müssen weiterwachsen.

Nach den Abkühlungsmassnahmen der Regierung und dem Absturz der Börsen stehen nun aber zuerst einmal turbulente Zeiten bevor?

China ist immer turbulent, weil unser dortiges Geschäft stark projektgetrieben ist. So waren wir zum Beispiel in ein Grossprojekt mit 90 000 Wohneinheiten involviert – etwa doppelt so viele Wohneinheiten, wie pro Jahr in der ganzen Schweiz entstehen. Entsprechend gross sind in China die Umsatzschwankungen: Wenn wir solche Projekte erhalten, dann ist es gut. Andernfalls weniger.

Werden solche Projekte wegen des schwächeren Wirtschaftswachstums jetzt eher verschoben?

Ja. Der Heizkörpermarkt ist derzeit rückläufig. Wir sind aber überzeugt, in China weiter wachsen zu können. Chancen sehen wir primär wegen der in den Städten katastrophalen Luftqualität. Mit unseren Lüftungssystemen können wir den Feinstaub aus der Luft filtern und die Lebensqualität für die Menschen verbessern. Wir investieren stark in dieses Geschäft.

Der Heizkörpermarkt ist derweil auch in Europa gesättigt. Gemäss Schätzungen bestehen Überkapazitäten von rund 30 Prozent. Ist das Geschäft überhaupt noch profitabel?

Es ist zurzeit schwierig, aber wir werden uns aus dem Heizkörpermarkt sicher nicht verabschieden. Einerseits profitieren wir davon, dass kleinere Wettbewerber aufgeben. Und wir investieren auch. Hier in Gränichen starten wir gerade die Produktion einer neuen Generation von Heizkörpern aus Kunststoff, das ist eine Revolution im Markt. Wir wollen damit ein neues, tieferpreisiges Kundensegment erschliessen.

Der Heizungsbereich scheint innerhalb der Zehnder Group gegenüber dem Lüftungsbereich aber an Bedeutung zu verlieren. Wird dadurch der Standort Gränichen, wo Heizkörper entwickelt und gebaut werden,
geschwächt?

Es ist schon so, dass vom Wachstum im Lüftungsbereich vor allem Holland und Schweden profitieren, wo wir die Geräte produzieren. Aber nochmals: Heizkörper bleiben für uns – auch wenn der Markt derzeit schwierig ist – ein wichtiges Standbein. Wir planen definitiv keinen Rückzug aus der Schweiz.

Im französischen Châlons-en-Champagne wurde derweil ein 1972 gebautes Produktionswerk verkauft, das in der Firmengeschichte einen wichtigen Platz einnimmt. Sie sind der erste Zehnder-CEO, der nicht aus der Zehnder-Familie stammt. Hat dies den Entscheid erleichtert?

Die Fabrik in Châlons-en-Champagne hat uns schon seit mehreren Jahren Kopfweh bereitet, weil sie nicht in unser Kern-
geschäft passte. Mit dem Verkauf, der hundert Mitarbeiter betrifft, haben wir jetzt die beste Lösung gefunden.

Insgesamt will die Zehnder Group rund 10 Prozent der 3200 Stellen abbauen. War dies auch bereits absehbar, als Sie vor einem knappen Jahr den CEO-Posten übernahmen?

Nein. Einen Einfluss auf den Entscheid hatte sicher die Wechselkursfreigabe vom Januar durch die Nationalbank. Dazu kam der Nachfragerückgang nach Heizkörpern im vierten Quartal 2014. Im ersten Quartal 2015 hofften wir auf eine Erholung, aber der Rückgang hat sich weiter fortgesetzt. Deshalb mussten wir handeln – und wir hätten dies auch tun müssen, wenn der Führungswechsel nicht stattgefunden hätte.

Der Standort Gränichen mit seinen 300 Mitarbeitenden ist ebenfalls
betroffen?

Ja, es ist aber noch nicht klar, in welchem Ausmass. Ein erster Schritt war die Auslagerung der Produktion einer Kompaktenergiezentrale in den Euro-Raum, wovon rund zehn Mitarbeitende betroffen waren.

Zehnder hat sich in der Vergangenheit immer wieder neu erfunden: Man wurde vom Motorradhersteller zum Heizungsbauer, dann kamen die Lüftungen hinzu. Ist es nun Zeit für einen neuen Richtungswechsel?

Wir sind gerade daran, den Bereich Luftreinigung aufzubauen. Das ist ein Servicebusiness, wir verkaufen also keine Produkte, sondern eine Dienstleistung, nämlich die Reduzierung der Staubbelastung zum Beispiel in Logistik- oder Lebensmittelproduktionshallen. Wenn der Kunde die Dienstleistung nicht mehr benötigt, holen wir die Filtergeräte ab und installieren sie woanders – für den Kunden ist das eine sehr flexible Lösung. Bisher hatte der Servicebereich bei uns nur eine untergeordnete Bedeutung.

Eine weitere Entwicklung: Heizungen und Lüftungen werden intelligent, wissen also dank Sensoren, ob ein Bewohner zu Hause ist oder nicht. Verwandelt sich Zehnder in den nächsten Jahren in eine IT-Firma?

Für die neue Heizköper-Generation entwickeln wir elektronische Ventile, die dann auch eine intelligente Steuerung zulassen. Für die kompletten Lösungen inklusive Software arbeiten wir auch mit externen Partnern zusammen. Die Zusammenarbeit mit Spezialisten ist sinnvoll, weil sich die Technologien so schnell entwickeln.

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