Wetter
Der Frühling sagte kurz Hallo: Bis 19 Grad in der Schweiz – jetzt kommt die Kälte zurück

Die vergangenen zwei Tage waren frühlingshaft mild. Zu den bisherigen Februar-Rekorden fehlten im Aargau aber ein paar Grad. Am Wochenende sinken die Temperaturen wieder.

Mark Walther
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Frühlingsgefühle bei den Störchen im Murimoos.

Frühlingsgefühle bei den Störchen im Murimoos.

Leserbild/Dorothea Oldani

Ist denn schon April? Das fragte sich, wer in den vergangenen zwei Tagen in die Winterjacke eingepackt das Haus verliess. 15 Grad wurden am Freitag in Leibstadt gemessen. Beim Kernkraftwerk Beznau waren es 15,1 Grad und an der Station Buchs-Aarau 15,2 Grad. Nur der Südwestwind und die Wolkendecke störten die aufkommenden Frühlingsgefühle.

Schweizweit am wärmsten war es (Stand 16.30 Uhr) in Boltigen (BE) mit 19,2 Grad. Lokal war es einer der mildesten jemals registrierten Februar-Tage: In Adelboden wurden 16 Grad gemessen. Nur dreimal war es im Februar dort wärmer.

Für neue Februar-Rekorde reichte es im Aargau nicht. «Dafür hätte es zusätzlich die Sonne gebraucht», sagt der Meteorologe Hannes Tobler von Meteonews.

Der Rekord an der Station Buchs-Aarau liegt fünf Jahre zurück: Am 23. Februar 2017 war es 19,5 Grad warm. Kurz darauf folgte ein Wintereinbruch.

Die höchsten Februar-Temperaturen wurden jeweils in der letzten Woche des Monats verzeichnet. Der höchste je gemessene Wert vor dem 19. Februar liegt länger zurück: Am 6. Februar 2001 stieg das Thermometer im Raum Aarau auf 15,5 Grad.

Grund für die milden Temperaturen der letzten Tage war eine südwestliche Strömung auf der Vorderseite des Orkantiefs Zeynep, die milde Luft in die Alpen beförderte. In England richtete der Sturm grossen Schaden an.

Temperaturen steigen im Winter am stärksten

Bislang ist der Februar schweizweit rund zwei Grad wärmer als im langjährigen Durchschnitt. Die milden Temperaturen passen ins Bild des sich verändernden Klimas. Im Mittelland wird der Klimawandel im Winter besonders offensichtlich: Die Winter-Temperaturen sind in tiefen Lagen seit der vorindustriellen Zeit stärker gestiegen als die Sommer-Temperaturen. In den Alpen ist es umgekehrt.

Die Durchschnittstemperatur für den Februar an der Station Buchs-Aarau hat innert weniger Jahre um 0,6 Grad zugenommen: von 1,3 Grad während der Periode von 1981 bis 2010 auf 1,9 Grad zwischen 1991 und 2020. Das ist ein deutlicher Anstieg. Der letzte überdurchschnittlich kalte Februar liegt vier Jahre zurück, wie die folgende Grafik zeigt:

Klimastress: Auswirkungen des milderen Winters

Wärmephasen im Winter beeinträchtigen Menschen und Tiere. Die Vegetation entwickelt sich früher. Darunter leiden Pollenallergiker unmittelbar. Die Belastung durch Hasel- und Erlenpollen war am Freitag gemäss Meteonews stark. Für Samstag zeichnet sich eine Entspannung ab.

Das vorzeitige Frühlingserwachen kann Insekten durcheinanderbringen. Wenn sie ihren Energiesparmodus wegen der Wärme zu früh verlassen, kostet das Kraft. Ist das Nahrungsangebot dann noch nicht ausreichend vorhanden, reichen die Reserven möglicherweise nicht aus.

Später, wenn der Frost kommt und die landwirtschaftlichen Kulturen beschädigt, sind die Bauern die Leidtragenden des verfrühten Frühlingserwachens.

Von oben kommt in wärmeren Wintern nicht weniger, dafür anderes: Der Niederschlag prasselt uns im Mittelland häufiger in Form von Regen auf den Kopf. Die Neuschnee-Menge ist im Vergleich der zwei langjährigen Perioden um rund 30 Prozent zurückgegangen. Intensiver Schneefall wie im Januar des vergangenen Jahres wird seltener. Auch in diesem Februar ist Schnee bisher Mangelware.

Die Wetteraussichten für das Wochenende

In der Nacht auf Samstag zieht eine Kaltfront über den nördlichen Teil der Schweiz, es regnet verbreitet. Am Samstagvormittag lässt der Regen rasch nach. Im Aargau wird es am Nachmittag sonnig und sieben bis acht Grad warm.

Am Sonntag ist es bewölkt, nass wird es nur lokal. Die Temperaturen bewegen sich um neun bis zehn Grad. In der Nacht auf Montag wird es stürmisch. Der Flachlandwinter ist vorerst kein Thema.