Landwirtschaft
Warum die Zahl der Nutztiere im Aargau um fast 200'000 gesunken ist

Im Aargau ist die Zahl der Nutztiere letztes Jahr so stark gesunken wie seit Jahren nicht mehr. Besonders der Geflügelbestand nahm markant ab. Das hängt mit dem Sinneswandel beim Güggeli-Produzenten Kneuss zusammen.

Mark Walther
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Hühner in einem Stall in der Schweiz (Symbolbild)

Hühner in einem Stall in der Schweiz (Symbolbild)

Keystone

Die Zahl der im Aargau wohnhaften Menschen ist letztes Jahr um 1,2 Prozent gewachsen. Eine andere Bevölkerungsgruppe wurde hingegen kleiner: jene der Nutztiere. Ihr Bestand sank um 192'000 (-13,5%) auf rund 1,25 Millionen, wie Zahlen des Bundesamts für Statistik zeigen. Das ist der stärkste Rückgang in den vergangenen 20 Jahren. In dieser Zeit nahm die Zahl der Nutztiere fast jedes Jahr zu.

Der Rückgang geht fast gänzlich auf das Konto des Geflügels. Dessen Bestand nahm um 16 Prozent ab. Das ist auf den ersten Blick erstaunlich, denn zuvor hatte sich die Zahl der Hühner im Aargau innert 20 Jahren mehr als verdoppelt. Die Entwicklung widerspiegelt mitunter die Essgewohnheiten in der Schweiz: weniger Schwein, mehr Poulet. Warum nun der Rückgang? "Das Wachstum in der Geflügelhaltung war in den letzten Jahren sehr gross, eventuell zu gross, besonders im Aargau", meint Alois Huber, Präsident des Bauernverbands Aargau.

Güggeli-Produzent setzt neu auf Qualität statt Masse

Die Grösse der Geflügel-Industrie ist im Aargau eng verknüpft mit der Ernst Kneuss Geflügel AG mit Sitz in Mägenwil. Das Familienunternehmen setzte stark auf Wachstum: Stallflächen wurden ausgebaut, mehr Tiere gemästet, der Preis dadurch gedrückt. Mit dieser Strategie schlitterte Kneuss in eine Krise.

Es folgte ein Umdenken: Qualität statt Quantität war die neue Maxime. Davon betroffen waren auch Kneuss' Mäster, von denen vier gehen mussten, wie die "BauernZeitung" letztes Jahr berichtete. Die Turbulenzen um die Firma seien mit ein Grund für den Rückgang des Geflügelbestands im Aargau, schreibt Huber. "Viele Kneuss-Produzenten haben letztes Jahr bis zu 30 Prozent weniger Tiere eingestallt."

Eine Trendwende sieht er allerdings nicht. Die Geflügelhaltung werde auch in den nächsten Jahren ein Wachstum verzeichnen. "Jedoch nicht wie in den letzten Jahren", so Huber.