Prozess

Walter Dubler schiebt die Schuld auf seine Untergebenen – danach bricht er zusammen

Walter Dubler betritt das Rathaus.

Walter Dubler betritt das Rathaus.

Der umstrittene und suspendierte Wohler Ammann Walter Dubler ist am Donnerstag beim Prozess vor dem Bezirksgericht Zurzach zusammengebrochen. Eine Ambulanz brachte ihn ins Spital. Es folgten - nach Rücksprache mit ihm - die Plädoyers. Das Urteil steht noch aus.

Für den Wohler Gemeindeammann Walter Dubler endete der Verhandlungstag vor dem Bezirksgericht in Bad Zurzach vorzeitig und tragisch. Er erlitt kurz nach Beginn seiner Befragung durch den Gerichtspräsidenten Cyrill Kramer einen Schwächeanfall. Vorsichtshalber wurde er durch die herbeigerufenen Sanitäter zur weiteren Abklärung ins Spital Leuggern gebracht. Über seinen Gesundheitszustand war bislang nichts bekannt.

Walter Dubler bricht vor Gericht zusammen – die Amublanz holt ihn ab

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Nach der Absprache von Verteidiger, Staatsanwalt, Gerichtspräsident und Angeklagtem wurde auf eine weitere Befragung verzichtet. Die Verhandlung ging mit den Plädoyers von Staatsanwalt Markus Moser und Verteidiger Christian Bär weiter.

Ein Urteil wurde noch nicht gefällt. Bis es vorliegt, dürfte es allenfalls noch einige Zeit dauern. Das zum einen, weil neue Beweisanträge vorliegen und auch in Erwägung gezogen wird, den Gemeinderat Wohlen in der Sache zu befragen. Zum andern aber auch aus Rücksicht auf den Gesundheitszustand des Angeklagten.

Finanzverwalter im Zeugenstand

Zu Beginn der Verhandlung wurden der Wohler Finanzverwalter und sein Stellvertreter als Zeugen befragt. Gerichtspräsident Kramer wollte damit vor allem klären, wie genau die Sache mit den zu hohen Arbeitgeberbeiträgen in die Pensionskasse gelaufen ist, deren Überweisung der Gemeindeammann angeordnet haben soll.

Walter Dubler war auf den 1. Januar 2014 der Lohn um rund 28000 Franken gekürzt worden. Um keine Reduktion der späteren Rente zu gewärtigen, hatte Dubler angeordnet, dass die Beiträge in die Pensionskasse auf der Basis seines bisherigen Zahltags einbezahlt werden.

Das ist durchaus statthaft. Nur: Für die höheren Arbeitgeberbeiträge hätte es einen Beschluss des Gemeinderates gebraucht, und der lag nicht vor. Der offenbar zu loyale Finanzverwalter überwies das Geld trotzdem. Rund anderthalb Jahre lang.

So jeden zweiten Monat hätte er den Gemeindeammann auf den fehlenden Beschluss des Gemeinderates angesprochen. Dubler habe immer wieder versprochen, die Sache in Ordnung zu bringen, das dann aber letztlich doch nicht getan. Man habe zugeschaut, weil ja der Gemeinde kein Schaden entstanden sei. «Wir hätten Dubler das Geld vom Gehalt abziehen können, wenn der Gemeinderat letztlich negativ entschieden hätte», erklärte der Finanzverwalter-Stellvertreter.

Walter Dubler erscheint zu seinem Prozess

Walter Dubler erscheint zu seinem Prozess - und kommt geht kommentarlos an den Medien vorbei insRathaus

In einem Einvernahmeprotokoll ist zu lesen, dass Dubler seinen Untergebenen, dem Finanzverwalter und dessen Stellvertreter, dabei erklärt hat: «Wenn etwas schiefgeht, stehe ich vor Euch hin.»

Dieses Versprechen hat der Gemeindeammann vor Gericht nicht eingehalten. Er und sein Verteidiger stellten sich auf den Standpunkt, Dubler habe die Überweisungen der zu hohen Pensionskassenbeiträge nicht unterschrieben. Ergo, sei er auch nicht dafür verantwortlich. Auf die entsprechende Nachfrage von Gerichtspräsident Kramer sagte Dubler sinngemäss: «Ja, der Finanzverwalter hat seine Pflicht verletzt, er hätte auch dem Gemeindeammann mehr auf die Füsse treten müssen.»

Eine Aussage, die Staatsanwalt Markus Moser gar nicht gefiel: «Es steht dem Angeklagten nicht zu, die Finanzverwaltung zum Sündenbock zu machen. Er hat die entsprechende Anordnung gegeben und sie wurde umgesetzt, weil er der Chef ist.»

Für den Staatsanwalt hat Walter Dubler die ihm vorgeworfenen Straftatbestände der ungetreuen Geschäftsbesorgung und des mehrfachen Betrugs in allen Teilen erfüllt und ist dafür zu verurteilen.

240 Tagessätze à 330 Franken, bedingt mit einer Probezeit von zwei Jahren, dazu eine Busse von 6000 Franken sowie die Verfahrenskosten, lautet die Forderung.

Fall Walter Dubler: Staatsanwalt fordert einen Schuldspruch

Fall Walter Dubler: Staatsanwalt fordert einen Schuldspruch

Staatsanwalt Markus Moser fordert eine bedingte Geldstrafe von 79'200 Franken und eine Busse von 5000 Franken. Dublers Anwalt dagegen fordert einen Freispruch.

Neben der Sache mit der Pensionskasse (Betrag rund 4500 Franken) ging es vor Gericht auch um Entschädigungen für Nebenämter, die Dubler nicht reglementsgemäss in die Gemeindekasse abgeliefert haben soll. Auch das wurde vom Angeklagten grundsätzlich nicht bestritten, doch will er auch dafür nicht verantwortlich sein.

Obwohl der Gemeinderat teilweise gar nicht wusste, wo und wie viel Dubler an Sitzungsgeldern kassierte, stellte sich die Verteidigung auf den Standpunkt, dieser hätte das Geld ja problemlos einfordern können, wenn er nur ein wenig nachgeforscht hätte, für welche Nebenämter Dubler wie viel Entschädigung kassiert.

Auch bei dieser Argumentation schüttelte der Staatsanwalt den Kopf. «Es kann doch nicht sein, dass der Gemeinderat abklären muss, wo und in welchem Umfang der Gemeindeammann Entschädigungen für Nebenämter bezieht.»

Einnahmen nicht versteuert

Vor Bezirksgericht kam auch an den Tag, dass Walter Dubler die nicht deklarierten Entschädigungen auch nicht versteuert hat. Er selber hat – wohl um (noch) Schlimmeres zu vermeiden - ein Nachsteuerverfahren angestrengt, als die Sache im Sommer 2015 aufgeflogen ist. In der Untersuchung habe Dubler erklärt, er hätte nicht willentlich Steuern hinterziehen wollen, sondern schlicht und einfach vergessen, die «kleinen» Beträge (insgesamt rund 4600 Franken) anzugeben.

Das veranlasste den Staatsanwalt vor Bezirksgericht zur Aussage: «Walter Dubler hat wesentlich kleinere Beträge in der Steuererklärung nicht vergessen anzugeben. Etwa Abzüge für Rasenmäher-Benzin oder Rasendünger.»

Der Verteidiger erachtet die Schuld von Walter Dubler in keiner Weise als erwiesen. Sein Mandant habe sich nicht bereichern wollen, er sei vielmehr Opfer einer politischen Kampagne geworden. Deshalb sei er vollumfänglich von Schuld und Strafe frei zu sprechen.

Zusammenbruch während Verhandlung

Zusammenbruch während Verhandlung (TeleM1 Aktuell von 20 Uhr)

Das Medieninteresse am Angeklagten Walter Dubler ist riesig. Was sich jedoch im Gerichtssaal abspielte, konnte niemand ahnen.

Die Verhandlung im Minutenprotokoll:

Walter Dubler vor Gericht: Der Liveticker

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