Vierfachmord Rupperswil
«Wahnsinnige Kaltblütigkeit»: Wie Experten das Verhalten von Thomas N. einschätzen

Aus der Anklageschrift im Vierfachmord von Rupperswil geht hervor, wie skrupellos Täter Thomas N. vorgegangen ist. Der ehemalige Kriminalkommissar Markus Melzl und der leitende Arzt für Forensik der Psychiatrie Baselland, Andreas Frei, nehmen Stellung.

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Die Anklageschrift des Vierfachmords von Rupperswil liest sich wie ein Protokoll des Grauens: Thomas N. hatte den damals 13-jährigen Jungen Davin Schauer bereits lange vor seiner Tat ausspioniert. Den sexuellen Missbrauch hielt er auf Kamera fest. Die Aufnahmen davon sah er sich bis zu seiner Verhaftung immer wieder an.

"Er hat die Tat akribisch geplant und nichts dem Zufall überlassen", sagt der ehemalige Kriminalkommissar Markus Melzl in der Sendung von "Tele M1". Selbst Eventualitäten habe er eingeplant. "Und diesen Plan dann in einer wahnsinnigen Kaltblütigkeit durchgezogen."

Nach dem Mord an der Familie Schauer und der Freundin des ältesten Sohnes liess es sich Thomas N. gutgehen: Mit dem Geld, das Carla Schauer abgehoben hatte, kaufte er sich teure Markenkleider. Bezahlte eine Lebensversicherung. Schenkte seiner Mutter zu ihrem 60. Geburtstag eine Reise nach Paris.

Derweil plante Thomas N. seine nächste Tat, in einem Notizbuch führte er "fein säuberlich" eine Liste mit potenziellen weiteren Opfern. Vor dem Haus einer Solothurner Familie soll er bereits mit gepacktem Rucksack gestanden haben – einen Tag, bevor er im Aarauer Starbucks im Mai 2016 verhaftet wurde.

Für Andreas Frei, leitender Arzt Forensik der Psychiatrie Baselland, besitzt Thomas N. das typische Merkmal eines klassischen Serientäters: "Zwischen den einzelnen Daten gab es immer wieder sogenannte Cooling-Down-Perioden. In dieser Zeit hat er die Opfer beobachtet und sein Leben genossen."

"Sozial ein totaler Versager"

Frei sieht in Thomas N. auch einen "Psychopathen", wie er gegenüber dem Sender sagt: "Er ist wortgewandt, kann Menschen manipulieren. Er muss gewisse gewinnende Eigenschaften besessen haben und daneben eine absolute Skrupellosigkeit."

Auch, dass Thomas N. einen Teil des Fingers vom älteren Sohn abschnitt und mitnahm – "eine Trophäe des Opfers" –, ist für Frei ein typisches Merkmal eines schwer sadistischen Täters.

Während der Angeklagte bei seinen Taten mit akribischer Planung vorgegangen war, sei sein Privatleben ein Chaos gewesen: "Er ist im sozialen Bereich ein totaler Versager, der das dank Angeberei und Hochstapelei überspielt hat."

Morgen Dienstag beginnt der Prozess gegen den Vierfachmörder. Wie wird sich Thomas N. verhalten? "Ich erwarte nicht, dass er schweigen wird", meint Melzl. Wer bereits während des Strafverfahrens willig und detailliert Auskunft gegeben habe, tue dies normalerweise auch vor Gericht.

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