Traktorfahrer nach Unfall verurteilt

Im Juli 2017 endete ein Polterabend in Wohlen tragisch. Für den Fahrer hatte das Unglück ein juristisches Nachspiel.

Noemi Lea Landolt
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Das Gespann kippte auf der steilen Strasse.

Das Gespann kippte auf der steilen Strasse.

Bild: MZM

Es grenzt an ein Wunder, dass es damals keine Toten gab. Am 22. Juli 2017, einem Samstag, verunglückte in Wohlen eine 18-köpfige Polterabend-Gesellschaft. Nachdem die Männer oberhalb von Wohlen grilliert hatten, feierten sie auf einem Anhänger weiter. Dieser wurde von einem alten Bührer-Traktor gezogen. Auf dem Anhänger hatte es alles, was es für einen Polterabend braucht: Stehtische, eine Sitzbank, ein Generator und mehrere Harassen Getränke.

Die Polter-Tour führte über die steile Hochwachtstrasse von Fischbach-Göslikon her hinab nach Wohlen. Auf dem Fahrerbock sass ein damals 35-jähriger Landwirt aus der Region, dem der Traktor gehörte. Auf der steilen Strasse mit 18 Prozent Gefälle nahm das Gespann schnell Fahrt auf. Der Fahrer versuchte, zu bremsen, wie die schwarzen Bremsspuren an der Unfallstelle zeigten. Doch die Bremsen waren zu schwach. Der Anhänger schob den Traktor vor sich her, woraufhin dieser zu schlingern begann und nach der Verzweigung am Panoramaweg mit der Betonmauer einer Liegenschaft kollidierte. Durch den Aufprall kippte der Traktor samt Anhänger. «Mit viel Lärm und Gepolter ist das Gefährt heruntergekommen. Dann kam es zum Sturz, es herrschte Totenstille», beschrieb ein Anwohner das Unglück gegenüber Tele M1. Die Passagiere habe es heraus gespickt, sie seien «unter Getränkeflaschen und allem Möglichem gelegen». Alle 17 Insassen und der Fahrer wurden verletzt – drei von ihnen schwer. Sie wurden mit acht Ambulanzen und zwei Helikoptern ins Spital gebracht. Die Staatsanwaltschaft gab ein Gutachten in Auftrag, um den Unfallhergang zu ermitteln. Zudem eröffnete sie gegen den Fahrer ein Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung und Verstössen gegen das Strassenverkehrsgesetz. Inzwischen wurde der Fahrer per Strafbefehl wegen einer ganzen Reihe von Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz zu einer bedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen und einer Busse von 2000 Franken verurteilt, wie die Staatsanwaltschaft mitteilt. Er muss sich unter anderem wegen Nichtbeherrschen des Fahrzeugs, in Verkehr bringen eines Motorfahrzeugs in nicht vorschriftsgemässem Zustand und Führens eines Motorfahrzeuges ohne den erforderlichen Führerausweis verantworten. «Das verkehrstechnische Gutachten kam zum Schluss, dass das Gespann für die steile Strasse am Unfallort nicht betriebssicher war», sagt Fiona Strebel, Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Der Beschuldigte habe zunächst Einsprache gegen den Strafbefehl erhoben. Dann wäre der Fall vor Bezirksgericht verhandelt worden. Nun habe er die Einsprache aber zurückgezogen. Damit wurde der Strafbefehl rechtskräftig.

Keine Anzeige wegen Körperverletzung

Wegen fahrlässiger Körperverletzung musste sich der Fahrer nicht verantworten. «Sämtliche Geschädigten sahen von einem Strafantrag gegen den Beschuldigten ab», schreibt die Staatsanwaltschaft.

Das Umfeld der Opfer stand bereits nach dem Unfall zusammen. Sie machten dem Fahrer keine Vorwürfe – auch nicht hinter vorgehaltener Hand. Die Frau eines Schwerverletzten sagte damals zum «Blick», der Fahrer mache sich selbst grosse Vorwürfe. «Aber ich gebe ihm keine Schuld am Unfall.» Es sei ja niemand gezwungen worden, in den Anhänger einzusteigen.

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