Verkehrspolitiker
Thierry Burkart gibt überraschend das TCS-Präsidium ab

FDP-Nationalrat Thierry Burkart tritt nächstes Jahr als Präsident der Aargauer TCS-Sektion zurück. Er gibt auch sein Amt als Vizepräsident des TCS-Zentralclubs ab. Es sei Zeit für einen Wechsel an der Spitze, sagt der Verkehrspolitiker.

Mathias Küng
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Thierry Burkart präsidiert die TCS-Sektion Aargau seit 2011. (Archiv)

Thierry Burkart präsidiert die TCS-Sektion Aargau seit 2011. (Archiv)

Mario Heller

Thierry Burkart präsidiert die Sektion Aargau des TCS und ist in- und ausserhalb des Parlaments bekannt als prononcierter Verkehrspolitiker. Nun gab er an der Delegiertenversammlung (DV) der Sektion Aargau am Freitagabend völlig überraschend bekannt, auf die DV 2020 dieses Amt abzugeben. Dies hat auch seinen Rücktritt aus den Organen des TCS Zentralclubs zur Folge. Burkart ist auch Vizepräsident des TCS Schweiz.

Angesichts seiner hohen Präsenz in der nationalen Verkehrspolitik erstaunt diese Ankündigung. Ist ihm die Verkehrspolitik verleidet? Burkart verneint dies: «Gar nicht. Aber nach rund zehn Jahren ist an der Spitze der Sektion Aargau und auf nationaler Ebene ein Wechsel angezeigt.» Er werde dem TCS treu bleiben und sich weiter für die Förderung verschiedener Verkehrsmittel (Schiene und Strasse) einsetzen, die den Bürgern die freie Verkehrsmittelwahl garantiere.

Thierry Burkart an der TCS-Generalversammlung 2015 in Unterentfelden.

Thierry Burkart an der TCS-Generalversammlung 2015 in Unterentfelden.

Patrick Züst

Seit acht Jahren Präsident

Doch warum gibt Burkart dies so kurz vor den Wahlen bekannt? Er wolle mit offenen Karten spielen, und dem Verband genug Zeit geben, um die Nachfolge zu regeln, sagt er. Zudem wolle er nicht, dass sein Rücktritt im Frühling 2020 in einen Zusammenhang mit dem Ausgang der Ständeratswahlen gebracht würde. Wie auch immer sie herauskämen.

Burkart wurde von der DV der Sektion Aargau 2008 in den Vorstand und 2011 zum Präsidenten gewählt. Im gleichen Jahr erfolgte seine Wahl in den Verwaltungsrat des TCS Schweiz, und 2012 zu dessen Vize-Präsidenten. Burkart präsidiert den politischen Ausschuss des Verwaltungsrates. Seit 2015 ist er Nationalrat, und dort Mitglied der Verkehrskommission.

Verfechter des Sechs-Spur-Ausbaus

Burkart hat in Bern aus Aargauer Sicht einiges bewirkt. So war er massgeblich am Aufbau des Nationalstrassen- und Agglomerationsverkehrsfonds (NAF) beteiligt. Er kämpfte an vorderster Front für einen rascheren als vom Bundesrat geplanten Ausbau der A1 im Aargau auf sechs Spuren. Der Bundesrat ist jetzt auf diese Linie eingeschwenkt, die auch von der Aargauer Regierung gefordert wird. Burkart beantragte in der Verkehrskommission erfolgreich, dass der Bund jetzt doch seinen Beitrag an das Agglomerationsprogramm «Aargau Ost» bezahlt. Auf seine Vorstösse in Bern sind auch die Zulassung des Rechtsvorbeifahrens und die Erhöhung der Geschwindigkeit auf 100 km/h für Fahrzeuge mit Anhängern auf der Autobahn zurückzuführen.

Schliesslich engagiert er sich im überparteilichen Politikerkomitee, das den raschen Ausbau der SBB- Linie zwischen Aarau und Zürich fordert. Im Komitee sind auch die Nationalräte Cédric Wermuth (SP), Ueli Giezendanner (SVP), Ruth Humbel (CVP), Verkehrsdirektor Stephan Attiger (FDP) und Hans Ruedi Hottiger (CVP) als Vizepräsident der Gemeindeammänner-Vereinigung. Die Bahnlinie ist im Aargau heute schon massiv belastet. Das Komitee machte bei Bund und SBB mit einer Petition Druck. Der Bund ist inzwischen auf seine Forderung eingeschwenkt.

Thierry Burkarts Karriere in Bildern:

Thierry Burkart, geboren 1975, wuchs in Obersiggenthal auf. Politisiert wurde er nach eigenen Angaben bereits als 13-Jähriger: «Im Geschichts- und Deutschunterricht haben wir über aktuelle Themen diskutiert. Seither liess mich die Politik nicht mehr los», sagte er einst in einem AZ-Interview. Der Vorstand des Jugenparlaments Aargau, juvenat, aufgenommen am 14.01.2000 in Aarau. v.l.n.r. vorne: Daniel Bütler, Patrizia Mottl, hinten: Simon Schweizer, Thierry Burkart, Patrick Arni.
13 Bilder
Burkart studierte an der Universität St. Gallen Jus. 2001 schafft er mit gerade einmal 25 Jahren den Sprung in den Grossen Rat. Grossratswahlen 2001: Thierry Burkart, FDP, Bezirk Baden. Bilddatum: 4. März 2001.
Von 2010 bis 2013 präsidierte er die Aargauer FDP. Im Bild: Die abtretende Präsidentin Doris Fischer-Taeschler gratuliert dem neuen Präsidenten Thierry Burkart zur Wahl.
2011 kandidiert der damals 36-jährige Burkart zum zweiten Mal für den Nationalrat – und schafft es hinter den Gewählten Philipp Müller und Corina Eichenbercher auf den ersten Ersatzplatz.
2014 wird Burkart zum Grossratspräsidenten gewählt. Im Hinblick auf das Präsidium gab er im Oktober 2013 seinen Rücktritt als Präsident der FDP Aargau.
Thierry Burkart bei seiner ersten Rede als neuer Grossratspräident.
Burkart ist auch Mitglied in diversen Vorständen Schweizerischer und kantonaler Verbände. So präsidiert er die TCS Sektion Aargau und agiert als Vizepräsident Touring Club Schweiz.
Burkarts politische Selbsteinschätzung lautet: «Sicher klar bürgerlich, liberal im Sinne von Freiheit, gegen unnötige Abgaben und Gebühren. Und der Staat soll das reglementieren, was er auch zu kontrollieren vermag.»
Burkarts klare Linie ist von Erfolg gekrönt: 2015 wird er mit einem Spitzenergebnis als Zweitplatzierter noch vor Corina Eichenberger in den Nationalrat gewählt.
In der grossen Kammer nimmt er Einsitz in der Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen, in der Neat-Aufsichtsdelegation und ist Mitglied im Büro des Nationalrats.
Anfang 2018 rückt Burkart in den Vorstand der FDP Schweiz vor. Zu diesem Zeitpunkt blickt der 43-jährige Badener auf 18 Jahre Erfahrung in Parteiämtern zurück.
Neben seinem politischen Ämtern und Mitgliedschaften in diversen Verbänden ist er als Rechtsanwalt bei Voser Rechtsanwälte in Baden tätig. Privat beschreibt er sich als gesellig. Im Bild: Am AZ-Jasskönig-Event im Weinmuseum Tegerfelden 2018.
Burkart zu Gast im Talk Täglich zum Thema Millionärssteuer-Initiative. Nur einen Tag später gibt Philipp Müller bekannt, dass er 2019 nicht mehr für den Ständerat kandidieren wird. Und Burkart? «Das Amt als Ständerat würde mich sehr reizen, in dieser Funktion könnte ich den Aargau in Bern noch besser vertreten» "Talk Täglich" zur Millionärssteuer-Initiative mit Thierry Burkart (FDP, Mitte) und Sandro Covo (Juso, links), moderiert von Rolf Cavalli.

Thierry Burkart, geboren 1975, wuchs in Obersiggenthal auf. Politisiert wurde er nach eigenen Angaben bereits als 13-Jähriger: «Im Geschichts- und Deutschunterricht haben wir über aktuelle Themen diskutiert. Seither liess mich die Politik nicht mehr los», sagte er einst in einem AZ-Interview. Der Vorstand des Jugenparlaments Aargau, juvenat, aufgenommen am 14.01.2000 in Aarau. v.l.n.r. vorne: Daniel Bütler, Patrizia Mottl, hinten: Simon Schweizer, Thierry Burkart, Patrick Arni.

Werner Rolli

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