Spreitenbach
«Der Vorteil ist, dass die Leute mit Fragen kommen» – so verlief der Start des Impfzentrums im Shoppi Tivoli

Seit dem 20. September können sich Leute ohne Anmeldung im Impfzentrum im Shoppi Tivoli in Spreitenbach piksen lassen. Am Freitagabend sah sich Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati den Betrieb im Einkaufszentrum an.

Dominic Kobelt
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Jean-Pierre Gallati im Gespräch mit Stefanie Haas, Standortleiterin Impfzentrum Baden.

Jean-Pierre Gallati im Gespräch mit Stefanie Haas, Standortleiterin Impfzentrum Baden.

Dominic Kobelt

Die Einkäufe erledigen, vielleicht noch einen Kaffee geniessen, und dann rasch impfen lassen – das ist seit vier Wochen im Shoppi Tivoli möglich. Mit dem niederschwelligen Angebot will der Kanton die Leute erreichen, die dem Impfen nicht abgeneigt sind, sich aber bis jetzt noch nicht dazu durchringen konnten.

Am Freitag haben sich 78 Männer und Frauen im Einkaufszentrum impfen liessen. «Der Vorteil ist, dass wir die Leute in ihrer Freizeit antreffen», erklärt Stefanie Haas, Standortleiterin Impfzentrum Baden. «Oft haben die Leute Fragen und kommen dann zu uns, weil wir hier sind – die wenigsten würden ins Spital gehen, nur um sich zu informieren.» Dass die Leute mit Fragen kommen, sei so gewünscht. Viele würden ihren Entscheid noch ein oder zwei Nächte überschlafen und sich dann für die Impfung entscheiden, berichtet Haas.

Interview mit Stefanie Haas, Standortleiterin Impfzentrum Baden.

Dominic Kobelt

Ein Gerücht hält sich hartnäckig

Das Impfzentrum befindet sich in einem Ladenlokal, das momentan nicht vermietet ist, wie Patrick Stäuble, CEO vom Shoppi Tivoli Spreitenbach, erklärt: «Ein Projekt hat sich wegen Covid verschoben, die Fläche wurde dann bewusst leer gelassen, und jetzt können wir sie für das Impfzentrum nutzen.» Sechs Kojen, durch Vorhänge von Blicken geschützt, stehen hier den Kurzentschlossenen zur Verfügung. Dabei hat es genug Platz, damit sich die Leute hinlegen können.

«Viele, die sich bisher noch nicht haben impfen lassen, haben Angst vor der Nadel. Bei den Menschen, die eh schon nervös sind, ist es von Vorteil, wenn sie sich hinlegen können», erklärt Andrée Friedl, Infektiologin am Kantonsspital Baden. Welche Ängste muss das Gesundheitspersonal sonst noch am häufigsten entkräften? Friedl:

«Viele fürchten immer noch, sie könnten impotent werden. Meist Frauen, aber vereinzelt auch Männer. Das Gerücht hält sich hartnäckig.»

Man versuche, mit seriösen Informationen der Skepsis entgegenzuwirken und nicht die Leute um jeden Preis zum Impfen zu überreden.

Regierung will wissen, wo sie nachjustieren muss

Am Freitagabend besuchte Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati die Einrichtung im Tivoli: «Ich besuche alle Impfzentren im Kanton Aargau, zum Teil mehrmals. Es interessiert mich, wie sich die Leute hier verhalten, und natürlich auch, was die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter berichten.» Schliesslich gehe es darum herauszufinden, ob die momentane Strategie ein Erfolg sei, oder wo etwas geändert werden müsse.

Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati im Interview.

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Das Impfzentrum im Shoppi Tivoli habe erst am 20. September eröffnet, das Angebot habe erst an Bekanntheit gewinnen müssen, jetzt würden etwa 60 bis 80 Personen pro Tag geimpft, berichtet Haas.

Die Kapazitäten wären wesentlich höher: Etwa 450 Impfungen am Tag wären möglich, die Infrastruktur ist ähnlich ausgelegt wie im Impfzentrum im KSB. Die Kosten belaufen sich in diesen Impfzentren auf ungefähr 25 Franken pro Spritze. Zum Vergleich: Eine Spritze beim Hausarzt verursacht Kosten von 45 Franken. Und die Zentren seien auch günstiger als die mobilen Einrichtungen, hält Gallati fest.

Auf Notfälle vorbereitet

Das Büro, in dem die administrativen Arbeiten erledigt werden, ist zugleich auch das Notfallzimmer. Hier hängt ein Reanimationskasten, ein Arzt ist immer anwesend. Sind diese Massnahmen nötig? «Ich habe erst eine Reanimation miterlebt, ein älterer Mann ist bereits vor dem Impfzentrum zusammengebrochen, vielleicht hat die erhöhte Nervosität mitgespielt», erklärt Friedl.

Allerdings sei der Aufwand für das Notfallzimmer nicht sehr hoch und der Arzt könne so schnell handeln, falls denn wirklich mal etwas passiere. Wenn man Patienten nach der Impfung auf die Notfallstation habe verlegen müssen, dann zur Abklärung, ob eine allergische Reaktion auf den Impfstoff vorliege.

Im Tivoli werden Pfizer, Moderna und Janssen verimpft. Wer den Janssen-Impfstoff von Johnson&Johnson möchte, muss sich vorher anmelden. Bei Moderna und Pfizer ist dies nicht nötig, hier kann man aber das Vakzin nicht wählen. «Das hat logistische Gründe – wir setzten den Impfstoff so ein, dass wir möglichst nichts wegwerfen müssen», sagt Friedl.

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