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So verhindert die Verwaltung Porno-Konsum am Arbeitsplatz

Am Arbeitsplatz soll gearbeitet und nicht privat gesurft werden. Der Kanton Aargau setzt dafür auf einen Filter sowie Überwachung. Muss ein Staatsangestellter nun Angst haben, dass sein Chef ihn überwacht?

Mario Fuchs
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Nebst des URL-Filters setzt der Kanton auf Überwachung, um Missbrauch zu verhindern. (Symbolbild)

Nebst des URL-Filters setzt der Kanton auf Überwachung, um Missbrauch zu verhindern. (Symbolbild)

Keystone

Gerade mal die Hälfte der Internetnutzung in der Luzerner Kantonsverwaltung sei geschäftlich: Das berichtete der «SonntagsBlick» mit Verweis auf einen geheimen Untersuchungsbericht. Brisant: Gemäss der Analyse habe jeder zwanzigste Klick der Kantonsmitarbeiter auf Porno- und Gewaltseiten sowie Hackerforen geführt. Wäre das in der Aargauer Verwaltung auch denkbar?

Der Kanton winkt ab: Es sei in der ganzen Verwaltung ein URL-Filter im Einsatz. Roland Hofer, Sprecher des Departements Finanzen und Ressourcen, erklärt: «Dieser Filter sperrt Seiten, die allgemein mit der Arbeit innerhalb der kantonalen Verwaltung nichts zu tun haben.» Etwa: Rassismus und Extremismus, Online-Gaming und Online-Auktionen – oder eben: Erotik und Pornografie. Was die Mitarbeitenden online dürfen und was nicht, ist zudem in einem 26-seitigen «Merkblatt IT-Sicherheit» festgehalten. Darin heisst es etwa, die private Nutzung sei «in angemessenem Rahmen gestattet», aber «sehr zurückhaltend und nicht zu kommerziellen Zwecken».

Nebst des URL-Filters setzt der Kanton auf Überwachung, um Missbrauch zu verhindern. So wird laut Roland Hofer «aus Sicherheitsgründen jede Internetnutzung protokolliert. Bei rund 5000 Mitarbeitenden erfasst die Abteilung IT Aargau Details wie URLs, Datum und Zeit. Rechtliche Grundlage dafür ist das Gesetz «über die Information der Öffentlichkeit, den Datenschutz und das Archivwesen» sowie eine dazugehörige Verordnung. Ausgewertet werden die Aufzeichnungen in anonymisierter Form. Diese Vorsichtsmassnahmen scheinen zu wirken: Bislang sind laut Hofer keine Fälle von missbräuchlicher Nutzung bekannt.

Muss ein Kantonsangestellter also Angst haben, der Chef oder die Chefin registriere jeden Klick, lese jede E-Mail? «Nein», sagt Gunhilt Kersten. Sie ist Beauftragte für Öffentlichkeit und Datenschutz des Kantons Aargau. Missbrauch könne zwar von den Administratoren festgestellt werden. «Eine personenbezogene Auswertung ist aber nicht ohne Weiteres zulässig, geschweige denn, dass diese Daten an Vorgesetzte weitergegeben werden.» Nur bei konkretem Verdacht könne das Surfverhalten personifiziert überwacht werden – und auch dann nur nach Ankündigung. «Es ist zu erwarten, dass bereits die Ankündigung zu einer Verhaltensänderung führt», sagt Expertin Kersten.

Für private Daten stelle die IT Aargau zudem allen Mitarbeitenden ein separates Laufwerk zur Verfügung. Abgesehen von den Administratoren habe niemand Zugriff. Auch diese Daten würden nicht einfach so herausgegeben: «Die Persönlichkeit muss geschützt werden.» Die IT Aargau handhabe dies sehr strikt. Kersten sind keine Fälle von Herausgaben an Vorgesetzte bekannt. Zulässig sei dies bei privaten Daten in der Regel nur auf richterlichen Befehl, etwa bei Verdacht auf eine Straftat.

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