Spätestens auf dem völlig ausgebuchten Parkplatz des Paul-Scherrer-Instituts wurde klar, dass da Bedeutendes stattfinden würde. Überall waren teure Limousinen aller Art und aus der ganzen Schweiz parkiert; man sah auch die netten Chauffeure, die ihrem Passagier in die Anzugjacke halfen.

Unter den rund 300 geladenen Gästen aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft befanden sich auch Bundesrat Johann Schneider-Ammann, Regierungsrat Urs Hofmann und Severin Schwan, CEO des Chemiekonzerns Roche. Sie alle waren in die «Pampa nach Villigen» gekommen, wie es Moderatorin Christine Maier ausdrückte, um dem jubilierenden Paul-Scherer-Institut (PSI) zum 30-jährigen Bestehen zu gratulieren.

Diese Entwicklungen für den Alltag kommen aus dem Paul-Scherrer-Institut:

Die Geburtstagsfeier fand im Auditorium statt; die acht Festredner und die Rednerin (Ursula Renold, Präsidentin Fachhochschulrat FHNW) präsentierten die Forschungsbereiche und sie unterstrichen die Bedeutung des PSI für die Wissenschaft und die Wirtschaft. Diese ist nicht auf den Aargau oder die Schweiz beschränkt; das PSI gehört in vielen Bereichen zur Weltspitze. So erfuhr das Publikum, dass mindestens neun Nobelpreisträger der letzten Jahre direkt oder indirekt von der Grundlagenforschung aus dem Aargau profitieren konnten.

Von Indonesien nach Villigen

Zu den Gratulanten gehörte auch Bundesrat Johann Schneider-Ammann. «Ich bin hellwach; da ist nichts von süssem Schlaf», erklärte Schneider-Ammann in seiner launigen Ansprache. Obwohl er allen Grund hätte, müde zu sein: Direkt vom Termin mit dem Olma-Säuli flog er vergangene Woche zur Tagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) nach Bali.

«Viel fliegen, wenig schlafen, zu viel essen, Geschenke nach Hause tragen», beschrieb er die Mühsal der Indonesien-Reise, die aber diplomatisch erfolgreich war: Das Freihandelsabkommen mit Indonesien sei auf gutem Weg, sagte Schneider-Ammann.

30 Jahre Paul Scherer Institut

30 Jahre Paul Scherer Institut

Es ist eines der wichtigsten Forschungszentren und Ingenieurwissenschaften der Schweiz. Die Entwicklungs-Highlights des PSI und der Besuch eines «wachen» Bundesrats Johann Schneider-Ammann.

Die indonesischen Gastgeschenke schenkte Schneider-Ammann gleich weiter: Joël Mesot, Direktor des PSI, erhielt eine Tsunami-Pfeife, andere verdiente, mit dem PSI verbundene Persönlichkeiten überraschte der Bundesrat etwa mit einer indonesischen Arbeitsjacke oder einer Früchteschale.

Dazu gab es viel Lob vom Bundesrat. Das Paul-Scherrer-Institut habe mit seiner Grundlagenforschung eine Ausstrahlung in die ganze Welt; aber auch KMU in der Schweiz könnten stark von der Zusammenarbeit mit dem PSI profitieren, der Park Innovaare sei beispielhaft, rühmte Schneider-Ammann.

Und auch was seine eigene berufliche Zukunft nach der Zeit als Bundesrat betrifft, schaffte Schneider-Ammann Klarheit: «Ich möchte eine Schreinerei eröffnen.» Sein Wunschberuf sei eigentlich Zimmermann gewesen, aber sein Vater habe verlangt, dass er Latein lerne. So sei aus ihm halt ein Ingenieur und kein Zimmermann geworden.

Das PSI als Magnet

Nicht ohne leisen Stolz erklärte PSI-Direktor Joël Mesot, dass es weltweit höchstens 50 bis 70 vergleichbare Forschungseinrichtungen gibt; nimmt man die PSI-spezifischen Forschungsthemen zum Massstab, sind es nur gerade ein halbes Dutzend. Sie stehen etwa in Schanghai, Stanford oder Oxford.

Ja, es stimme, bestätigte Mesot, es sei inzwischen alltäglich, dass man im Bus von Villigen ins idyllisch gelegene PSI immer wieder Leuten mit dem Laptop auf den Knien begegne, vielleicht gar mit chinesischer Tastatur, die sich in verschiednen Sprachen unterhalten.

«Das PSI gehört weltweit zur Spitze, das macht uns attraktiv», sagte Mesot. Das PSI sei bei Top-Wissenschaftern aus der ganzen Welt als Arbeitsort beliebt und begehrt. Und in einer Entfernung von rund 40 Kilometern von Zürich könne man kaum von Pampa sprechen. Zumal die Gegend sehr attraktiv sei und der Aargau eine hohe Lebensqualität biete. So verwundert es denn auch nicht, dass rund drei Viertel aller Wissenschafter am PSI aus dem Ausland stammen.

Severin Schwan, CEO von Roche, forderte mehr Mittel für die Grundlagenforschung. Er plädierte für eine strikte Trennung von Grundlagenforschung und angewandter Forschung: Erstere sollen die akademischen Institutionen betreiben, Letztere die Privatwirtschaft. Schwan hielt fest, es sei «eine Geldverschwendung», wenn staatliche Subventionen für private Forschung ausgerichtet würden.

Die Schweiz mit ihrer Fähigkeit zu Innovationen sei ein fantastischer Standort für Roche, sagte Schwan. Es brauche Autonomie für die kreativen Leute und es die brauche Kooperationen der Institutionen. Bei der Digitalisierung hinke die Schweiz allerdings anderen Ländern noch weit hinterher, kritisierte Schwan.

Der Streit um die Postleitzahl

«Das PSI ist ein Aargauer Leuchtturm mit weltweiter Strahlkraft», rühmte Regierungsrat Urs Hofmann. Und dies, obschon doch weit und breit kein Ozean auszumachen sei. Immerhin sei da die Aare, welche das Areal des PSI durchfliesst und stets daran erinnere, dass alles fliesst und es sich lohnt, über Brücken zu gehen und sich mit anderen zu vernetzen.

Zum Schluss erzählte Hofmann, wie das PSI in den Anfängen in Villigen und Würenlingen für einige Aufregung gesorgt hatte. So wollten die Würenlinger, dass die Adresse des Instituts «5303 Würenlingen» lautet, die Villiger kämpften für «5234 Villigen». Bundesbern entschied salomonisch: Das Forschungszentrum erhielt eine eigene Postleitzahl: 5232 Villigen.