Aargau
Neues Projekt: Junge Flüchtlinge sollen bei Pflegefamilien wohnen

Im Aargau leben rund 140 Kinder und Jugendliche, die ohne Eltern geflohen sind. Ein neues Modell soll die angespannte Lage bei deren Unterbringung entschärfen.

Manuel Bühlmann
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Ein Junge blickt aus dem Fenster eines Buses, der Flüchtlinge transportiert. (Symbolbild)

Ein Junge blickt aus dem Fenster eines Buses, der Flüchtlinge transportiert. (Symbolbild)

KEYSTONE/AP/EMRAH GUREL

Die Kritik war heftig: keine Kurse, keine Beschäftigung, keine Betreuung, keine separaten Unterkünfte. Der Kanton Aargau kümmere sich zu wenig um die unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden (UMA), kritisierten Westschweizer Fernsehen, Asylorganisationen und Politiker. Das war im Februar.

Inzwischen hat der Kanton reagiert: Die Mehrheit der rund 140 Kinder und Jugendlichen lebt in einem speziellen Trakt des Schwesternhauses in Suhr sowie in der im Mai eröffneten speziell betreuten Unterkunft an der Weihermattstrasse in Aarau. Doch die Zahl der UMA steigt weiter an, ohne neue Unterkünfte wird die Unterbringung mittelfristig schwierig. Nun lanciert der gemeinnützige Aargauer Verein «familynetwork.ch» eine neue Idee: Pflegefamilien sollen minderjährige Flüchtlinge aufnehmen und ihnen dabei helfen, sich in der Schweiz zurechtzufinden.

«Wir wollen einen Beitrag zur Lösung des Flüchtlingsproblems leisten», sagt Beat Bachmann, Geschäftsführer von «familynetwork.ch». Das nötige Know-how ist vorhanden: Der Verein platziert seit zehn Jahren Kinder und Jugendliche in Pflegefamilien – neu sollen auch minderjährige Flüchtlinge davon profitieren. Die Suche nach Plätzen läuft.

Doch angesichts des grossen Engagements, das auf Pflegeeltern zukommt, sind geeignete Familien nicht einfach zu finden. «Nicht nur bei den UMA», wie Bachmann sagt. Durch den öffentlichen Aufruf erhoffen sich die Verantwortlichen möglichst viele Angebote. Das Ziel: 10 bis 15 Pflegefamilien bis Ende Jahr. Neben den üblichen gesetzlichen Bedingungen – unter anderem genügend Zeit und Platz –, die es zu erfüllen gilt, seien zwei Eigenschaften besonders gefragt, sagt Bachmann: Geduld und Motivation. «Die Pflegeltern müssen Grundlegendes vermitteln. Sie helfen einem Kind beim Einstieg in eine fremde Gesellschaft.»

«Ein bescheidener Lohn»

Eine anspruchsvolle Aufgabe. Deshalb bietet der Verein auch Unterstützung an: Eine Fachperson besucht die Familien regelmässig, Dolmetscher und Kulturvermittler können beigezogen werden. Zudem erhalten sie rund 55 Franken pro Tag – die eine Hälfte für Kost und Logis, die andere als Entschädigung. «Ein bescheidener Lohn», sagt Bachmann. Schliesslich seien die Familien 24 Stunden pro Tag und auch an den Wochenenden für die Betreuung der jungen Flüchtlinge verantwortlich.

Infoabend zum Projekt: Donnerstag, 22. Oktober, 19.30 bis 21.30 Uhr, Luzernerstrasse 23, Oftringen.