Aargauer Jungpartei
Nein zu staatlicher Ehe und Wehrpflicht, Ja zum Kopftuch an Schulen: Junge CVP provoziert Mutterpartei

Das neue Parteiprogramm der Jungen CVP Aargau kommt fast einer Revolution gegenüber ihrer Mutterpartei gleich. Was sie fordert – und was die CVP Aargau davon hält.

Charlene Kilthau
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Ziviler Solidaritätspakt statt staatliche Ehe: Die Junge CVP fordert im Gegensatz zu ihrer Mutterpartei totale Gleichberechtigung. (Symbolbild)

Ziviler Solidaritätspakt statt staatliche Ehe: Die Junge CVP fordert im Gegensatz zu ihrer Mutterpartei totale Gleichberechtigung. (Symbolbild)

Keystone

Die Abschaffung der staatlichen Ehe, der Wehrpflicht und ein klares Nein zum Verbot von Kopftüchern an Schulen – mit solchen Forderungen rechnet man in CVP-Kreisen eher weniger. Genau diese politische Richtung schlägt jetzt aber die Junge CVP Aargau mit ihrem neuen Parteiprogramm «Für eine junge und moderne Mitte» ein.

So fordert sie beispielsweise die Abschaffung der staatlichen Ehe und die gleichzeitige Einführung von gleichgestellten Partnerschaften eines zivilen Solidaritätspakts.

Die Jungpartei setzt sich dabei für die totale Gleichberechtigung aller Beziehungsformen ein – inklusive der Volladoption, wie Michael Kaufmann, Präsident der Jungen CVP Aargau, gegenüber «SRF» bestätigt.

Aufstand gegen die Mutterpartei?

Die CVP Aargau hat sich dagegen noch nicht für die Abschaffung der staatlichen Ehe ausgesprochen. Im Gegenteil: In der 2016 eingereichten Heiratsstrafe-Initiative bezeichnete die CVP die Ehe als eine «auf Dauer angelegte und gesetzlich geregelte Lebensgemeinschaft von Mann und Frau».

Grosse Unterschiede zur politischen Linie der Mutterpartei fallen aber auch bei anderen Punkten im neuen Parteiprogramm auf. So fordert die Nachwuchspartei die vollständige Gleichstellung des Militär- und Zivildienstes und stellt sich gegen das Verbot von religiösen Kleidern an Schulen.

Die CVP Aargau dagegen ist von der Wehrpflicht überzeugt. Und die derzeitige Präsidentin Marianne Binder hat sich in der Vergangenheit bereits mehrmals für ein Verbot von Kinderkopftüchern ausgesprochen. 2017 hatte sie selbst an einem Positionspapier mitgearbeitet, welches mit dem Verbot den Fundamentalismus bekämpfen will.

Trotz dieser starken Meinungsverschiedenheiten veranstalte die Junge CVP Aargau aber keinen Aufstand gegen ihre Mutterpartei, erklärte Kaufmann gegenüber «SRF». «Gerade in einer CVP darf man verschiedene Meinungen äussern.» Wichtig sei nur, dass man am Schluss einen Kompromiss finde.

Doch sieht die Mutterpartei das genauso entspannt? «Die Junge CVP Aargau ist provokativ wie jede andere Jungpartei auch», sagt Marianne Binder, die Präsidentin der CVP Aargau, auf Anfrage der AZ.

Mit dieser Provokation stosse die Jungpartei eine gesellschaftliche Debatte an, doch eine Art Revolte gegen die Mutterpartei ist es auch ihrer Meinung nach nicht. Zudem liegen laut Binder die restlichen Punkte im Parteiprogramm der Jungpartei sehr nahe an dem der CVP Aargau.

Kritik wegen inhaltlichen Fragen

Während Binder die Abweichungen der Jungen CVP Aargau und die damit entstehende Debatte also begrüsst, ist es ein inhaltlicher Punkt, welchen sie für fragwürdig hält. Sie geht davon aus, dass die Abschaffung der staatlichen Ehe – denn die gesellschaftliche Tendenz laufe ja eher auf deren Öffnung zu – weder in noch ausserhalb der CVP viel positive Resonanz erhalten wird. «Wenn Eheschliessungen nur noch den Kirchen vorbehalten sind, was machen denn solche, die nicht kirchlich heiraten wollen oder können?», lautet ihre Frage.

Beim Thema Kinderkopftuch spricht sich Binder weiterhin klar für ein Verbot an Schulen aus. Ihr gehe es dabei vor allem um den Schutz von jungen Muslima: «Diese sollen die gleichen Rechte und Chancen wie alle anderen im staatlichen Freiraum Schule haben.» Die Gefahr, dass ein junges Mädchen zum Tragen eines Kopftuchs gezwungen und somit in diesen Rechten beraubt wird, macht für sie ein Verbot notwendig.

Die Junge SVP Aargau sagt Adieu

Für Diskussionsstoff sorgte das neue Parteiprogramm der Jungen CVPler auch bei ein paar ihrer Kollegen. So verabschiedete die Junge SVP Aargau die Jungpartei in einem Facebook-Post mit einem «Adieu!» aus dem Lager der bürgerlichen Parteien.

Diese konterte: «Wir verwechseln den Begriff "bürgerlich" eben nicht mit billigem Rechtspopulismus.»

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