Grabungen
Nach Öllampenfund: Diese weiteren 9 Entdeckung bewegten die Aargauer Archäologie

Erst kürzlich wurde in Windisch ein spektakulärer archäologischer Fund gemacht. Doch der Kanton Aargau hat eine bewegte Vergangenheit. Wir zeigen die zehn wichtigsten Entdeckungen.

Matthias Hug
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Spektakuläre archäologische Funde im Aargau. Der Münzschatz von Ueken ist nicht der einzige.

Spektakuläre archäologische Funde im Aargau. Der Münzschatz von Ueken ist nicht der einzige.

AZ

Für Personen, die gerne durch die Geschichte wühlen, ist der Kanton Aargau wahrhaftig ein Paradies. Immer wieder stossen Archäologen auf Fundstücke aus verschiedenen Epochen. Dabei handelt es sich teilweise um Knochen, Werkzeuge oder aber ganze Gebäude. Mit Unterstützung von Kantonsarchäologe Georg Matter zeigen wir die zehn bewegendsten Funde:

Öllampen von Windisch

Nur wenige Handbreit unter dem Asphalt stiessen die Archäologen auf den Fund.
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Vorsichtig wird er auf Papier festgehalten.
Was auf den ersten Blick als unscheinbarer Kochtopf scheint...
Öllampen Windisch
An der Zürcherstrasse stiessen die Archäologen ausserdem auf mannshohe römische Mauern.

Nur wenige Handbreit unter dem Asphalt stiessen die Archäologen auf den Fund.

Kantonsarchäologie Aargau

Der neuste Fund besteht aus 22 Öllampen, die in einem Kochtopf gelagert wurden. Dazu lag auf jeder Lampe noch eine Münze. Der Schatz wird auf ein Alter von rund 2000 Jahren geschätzt. Historiker vermuten, dass es sich bei der Deponierung um einen rituellen Akt handelt. Ausserdem wurden noch verkohlte Tierknochen im Topf gefunden.

Münzschatz von Ueken

Ein Landwirt entdeckte in Ueken AG im Boden zufällig ein paar Münzen. Der Fund führte die Archäologen zu über 4000 römischen Münzen. Erst rund 250 der insgesamt 4166 Münzen sind restauriert. Sie sind in einem bemerkenswert guten Erhaltungszustand.
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Restaurierung einer Münze unter dem Binokular.
Teile des Münzschatzes von Ueken bei der Entdeckung. Mindestens ein Teil der Münzen wurde offenbar in Säcken aus Stoff oder Leder in der Erde vergraben.
Ein kleiner Teil des Münzschatzes von Ueken in unrestauriertem Zustand.
Münzschatz im Ueken AG entdeckt

Ein Landwirt entdeckte in Ueken AG im Boden zufällig ein paar Münzen. Der Fund führte die Archäologen zu über 4000 römischen Münzen. Erst rund 250 der insgesamt 4166 Münzen sind restauriert. Sie sind in einem bemerkenswert guten Erhaltungszustand.

Handout Kantonsarchäologie Aargau

2015 stiess ein Bauer auf über 4000 römische Münzen, die in bemerkenswert gutem Zustand waren. Das Geld lag gut 1700 Jahre unter der Erde. Es handelt sich um Bronzemünzen mit hohem Silbergehalt. Auch beeindruckend ist die Menge: Es wurden bis dato erst vier Mal eine solch grosse Menge an Münzen gefunden.

Dinosaurier «XL»

Interessante Gesteinsführende Schichten in der Fricker Tongrube, wo die Reste von versteinerten Dinosauriers entdeckt wurden
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In der Fricker Tongrube freigelegte Knochenteile mit aufwändigem Verfahren gesichert
Bei der Suche nach Dinoknochen ist Handarbeit gefragt, rechts Grabungsleiter Ben Pabst
Der bekannte Paläontologe Ben Pabst beschreibt die Lage von Dinoknochen in der Fricker Tongrube
Saurierforscher am Graben in der Tongrube in Frick
Dinosaurier-Knochen in Frick freigelegt

Interessante Gesteinsführende Schichten in der Fricker Tongrube, wo die Reste von versteinerten Dinosauriers entdeckt wurden

chr

Anfang Juli 2015 wurde der weltweit grösste Plateosaurier in Frick entdeckt. Ein gigantischer Planzenfresser mit rund einer Tonne Gewicht und der grösste je gefundene Dinosaurier im Fricktal. Der Dinosaurier wird zurzeit vom Lehm befreit und präpariert. Das Fricktal zählt übrigens europaweit zu einem der wichtigsten Fundorte von Dinosaurierfossilien.

Faustkeile im Fricktal

Diese beiden Faustkeile aus der Steinzeit fand Werner Brogli im Gebiet zwischen Möhlin und Zeiningen.

Diese beiden Faustkeile aus der Steinzeit fand Werner Brogli im Gebiet zwischen Möhlin und Zeiningen.

Fabrice Müller

In seinem Acker entdeckte der Fricktaler Bodenforscher Werner Brogli einen Faustkeil aus der Neandertalerzeit. Mittlerweile wurden vier der schweizweit sieben Faustkeile im Fricktal gefunden. Doch nicht genug: Der 110'000 Jahre alte Keil gilt als erste Spur der Menschen im Fricktal.

Pfahlbauten

Ein Taucher bei den Überresten der Pfahlbauten im Hallwilersee.
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Alte Pfahlbauten im Vierwaldstättersee.
Alte Pfahlbauten im Vierwaldstättersee.
Alte Pfahlbauten im Vierwaldstättersee.
Alte Pfahlbauten im Vierwaldstättersee.

Ein Taucher bei den Überresten der Pfahlbauten im Hallwilersee.

Handout Kantonsarchäologie Aargau

Die beiden Pfahlbauten bei Beinwil und Seengen sind mittlerweile Teil des Unesco-Welterbes. Die Bauten stammen aus der Bronzezeit und helfen die Architektur jener Epoche besser zu verstehen. Die Siedlung bei Beinwil-Aegelmoos wird jetzt mit Kies zugeschüttet – um sie so zu schützen.

Der Menora-Ring

Der Menora-Ring wurde 2001 in Kaiseraugst gefunden.

Der Menora-Ring wurde 2001 in Kaiseraugst gefunden.

Keystone

2001 fand man in Kaiseraugst einen Fingerring aus Bronze. Darauf eingraviert: Eine Menora – ein siebenarmiger Leuchter, der eines der bekanntesten religiösen Symbole des Judentums ist. Der Ring wird auf das 4. Jahrhundert nach Christus zurückdatiert und gilt damit als frühestes Zeugnis des jüdischen Glaubens in der Schweiz.

Aquae Helveticae

Römerbad
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Römerbad 2 Schicht für Schicht: Sorgfältig werden die Mauern aus dem 19. Jahrhundert ausgegraben.
Römerbad 3 Zellenartige Bassins: Unter diesen Thermalbecken werden die römischen Bäder vermutet.
Römerbad 4 Löwen-Fibel einer Römerin: Dieses broschenähnliche Schmuckstück wurde im 2./3. Jahrhundert getragen.

Römerbad

Aargauer Zeitung

Die römische Siedlung entstand nur kurz nach Vindonissa. Die Legionäre entdeckten die Thermalquellen und es entstand schnell eine Siedlung, dort wo heute die Stadt Baden liegt. Die Siedlung erstreckte sich über beide Seiten der Limmat, wie Grabungen von 2008 zeigen.

Silberschatz von Kaiseraugst

Der Silberschatz von Kaiseraugst wurde zwischen 1961 und 1962 gefunden.
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Der ganze Schatz umfasst 270 Stücke – davon 187 Münzen.
Das Hauptstück ist die sogenannte Achillesplatte.
Rund um den Rand, so wie in der Mitte werden dort Szenen aus der Jugend des Achilles gezeigt.
Durch die Inschrift konnte man sogar die Herkunft bestimmen: Pausylypos, ein Silberschmied aus Thessaloniki.
Auch das Ariadnetablett ist ein bekanntes Objekt der Sammlung. Hier werden Szenen mit dem griechischen Weingott Dionysos und seiner Frau, der namensgebenen Ariadne abgebildet.
Auch die sogenannte «Decennalienplatte des Constans» ist ein beeindruckendes Stück: Zwar wurde sie beschädigt, ursprünglich war sie aber ein Geschenk des damaligen Kaisers Constans.

Der Silberschatz von Kaiseraugst wurde zwischen 1961 und 1962 gefunden.

Keystone

Der Silberschatz von Kaiseraugst wurde Anfang der 1960er-Jahren auf einer Baustelle entdeckt. Zuerst noch für Blech gehalten, erkannte man schnell, dass es sich dabei um Silbergeschirr handelte. Der Satz umfasst momentan 270 Objekte, wobei eine einzelne Platte noch vermisst wird. Hauptstück der Sammlung ist die Achillesplatte, die in elf Szenen die Jugend des Helden Achilles beschreibt. Das Alter der Münzen ist ebenfalls datiert: Die alteste von 294 nach Christus, die jüngste vom Jahr 349. Vergraben wurde er etwa zwischen 350 und 353.

Vindonissa

Amphitheater in Windisch
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Amphitheater Windisch
Das Militär im Windischer Amphitheater
Jehmsei Keo, Wushu-Kämpfer, im Amphitheater Windisch
Am 30. Juni 1992 trat Udo Jürgens im Bademantel vor das Publikum im Amphitheater in Windisch - und erklärt, das Konzert werde etwas später beginnen.

Amphitheater in Windisch

Keystone

Das Legionärslager bei Windisch ist wohl der grösste und bekannteste Fund und gilt generell als wichtigster Fundplatz römischer Geschichte im nördlichen Alpenraum. Das Lager war vermutlich für gut 300 Jahre militärisch von den Römern besetzt und wurde teilweise auch von der zivilen Bevölkerung genutzt. Der wohl bekannteste Teil des Lagers ist das Amphitheater, das Platz für rund 11'000 Besucher bot.

Ein Highlight sind die Funde in einem Schutthügel: Hier wurden Holz und Lederstücke gefunden, die nach so langer Zeit eigentlich schon längst hätten zerfallen sein müssen. Auch Schreibtäfelchen der Legionäre wurden entdeckt, die heute einen Einblick in das Leben der Soldaten bieten.

Ausgrabungen bei der Habsburg

Die Habsburg (heute in der gleichnamigen Gemeinde) war einst die Stammburg des bekannten Herrschergeschlechts.
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Nach rund zweihunder Jahren verliess das Geschlecht den Platz jedoch, da sie den Habsburgern nicht mehr gross genug war.
Im Jahr 1415 wurde sie von den Eidgenossen erobert.
Seit 1804 gehört die Burg dem Kanton, seit 1979 wird sie als Restaurant genutzt.
Dadurch wird auch viel Wein im Keller gelagert.
Ein Stockwerk des Burgturms.
Ungewohnter Anblick: Die Habsburg von hinten.

Die Habsburg (heute in der gleichnamigen Gemeinde) war einst die Stammburg des bekannten Herrschergeschlechts.

Archiv az

Die berühmten und mächtigen Habsburger waren wichtige Figuren in der Geschichte des Kantons Aargau. Die Ausgrabungen in der gleichnamigen Habsburg förderten interessantes Wissen über die Anfänger der Dynastie zutage: So fand man etwa antike römische Münzen oder importierte Güter. Auch liess sich der Schluss ziehen, dass sich die Haushaltung der Burgherren kaum von jener der Dorfbewohner unterschied. Doch waren sie bezüglich Ernährung oder Bekleidung privilegiert.

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