Noch dreimal schlafen, dann ist Weihnachten. Und dann wird Peter Weigl, reformierter Pfarrer aus Windisch, mit seinen fünf Kindern und seiner Frau vor dem festlich geschmückten Baum sitzen und einen Gottesdienst ausrichten. Josef Hochstrasser, ebenfalls reformierter Pfarrer, wird sich während den Feiertagen zurückziehen und sich den Erinnerungen an Jesus von Nazareth hingeben. 

Andere Leute werden sich beschenken, mit der Familie fein essen und das Zusammensein geniessen – ohne Jesus in den Vordergrund zu stellen. Das stösst Hochstrasser sauer auf. Weihnachten und Geschenke passen nicht zusammen, findet er. 

Muslime und Atheisten sollen an Weihnachten arbeiten

Deswegen will er Weihnachten abschaffen, genauer, die staatlichen Feiertage am 25. und 26. Dezember. "Vor 60 Jahren, als ich ein junger Bub war, gingen alle zusammen in die Kirche." Das sei heute nicht mehr so, Schuld daran sei die demografische Situation. "Ich habe nichts gegen Muslime oder Atheisten", sagt Hochstrasser in der Sendung Talk Täglich. "Aber ich sehe nicht ein, warum sie einfach drei Tage frei machen können – und das auf Gunsten des Christentums."

Sollte der Islam rechtlich anerkannt werden, müsste man den Muslimen am Opferfest frei geben, so Hochstrasser. "Und dann kämen noch die Juden." Der Pfarrer fasst zusammen: "Wer sich nicht ums Christentum kümmert, der müsste so ehrlich sein und während Weihnachten arbeiten." 

"An Weihnachten passiert Liebe"

Peter Weigl bezeichnet Hochstrassers Forderung als "Schnapsidee". Er verstehe nicht, warum ein Fest ohne Not aufgelöst werden müsse. "Und dann auch noch unter dem Deckmantel der religiösen Vielfalt." Weigl sei überzeugt, dass Weihnachten seine Magie nicht eingebüsst habe: "An Weihnachten passiert Liebe. Man entdeckt neue Gefühle, lässt das innere Kind aufleben, strahlt vor dem Weihnachtsbaum, und die Sehnsucht nach Geborgenheit ist da." Jeder solle so feiern können, wie er wolle. Der reformierte Pfarrer habe nicht den Eindruck, dass wegen Geschenken und Konsum die christliche Kultur "den Bach herunter geht". Ausserdem sei das Weihnachtsfest nach wie vor gut verankert. 

Mehr Engagement gewünscht

Die Kirchen seien an Heiligabend voll, bemerkt Weigl. "Und wer sind wir, dass wir den Leuten vorschreiben können, wie sie Weihnachten feiern sollen?" Diskussionspartner Josef Hochstrasser antwortet, dass er keine Vorschriften machen wolle. Sein Ziel sei es, die Christen anzuhalten, sich an den Kern der Feiertage zu erinnern – nämlich an Jesus. 

Für seine Argumentation blickt Hochstrasser zurück ins dritte Jahrhundert. Dort habe zwar noch niemand Weihnachten gefeiert, dafür aber Ostern: "Die Christen haben gegen die Römer den Aufstand geprobt. Das wünsche ich mir auch jetzt." Heute merke man nichts mehr vom Christentum. "Wir sind auf dem Weg, eine Minderheit zu werden." 

Sehen Sie hier die ganze Sendung: 

Weihnachten abschaffen?

Weihnachten abschaffen?

Ist Weihnachten in der heutigen Gesellschaft nur noch ein Geschäftsmodell und Wohlfühltage?