Corona-Hotspot

Mehr als 20 Menschen haben sich in Spreitenbacher Bar angesteckt – kommt jetzt die Ausweispflicht?

Corona-Hotspot im Aargau: Mehr als 20 Menschen haben sich in Spreitenbacher Bar angesteckt

Kantonsärztin Yvonne Hummel erklärt im Interview, was zum Corona-Hotspot im Aargau bisher bekannt ist.

Über 20 Menschen haben sich in der Spreitenbacher Tesla-Bar mit dem Coronavirus infiziert. Die Infektionen hängen mit den Corona-Fällen im Zürcher Flamingo-Club zusammen.

Im Kanton Aargau ist es zu einem grösseren Corona-Ausbruch gekommen. Das bestätigt Kantonsärztin Yvonne Hummel gegenüber dem Regional-TV-Sender Tele M1: "Wir haben seit heute (Montag, Anm. d. Red.) Kenntnis, dass in der Tesla-Bar in Spreitenbach rund 20 Personen während eines Abends angesteckt worden sind."

Insgesamt hätten sich in der Bar etwa 100 Menschen aufgehalten. Es seien nun Abklärungen im Gang, damit die Kontaktpersonen eruiert und informiert werden könnten. Dort wo nötig, wird Quarantäne angeordnet. 

Verbindung zu Party in Zürcher Club

Die Infektionen stehen gemäss bisherigen Erkenntnissen mit dem sogenannten Superspreader-Event im Club Flamingo in Zürich in Verbindung, in dem ein Mann am 21. Juni fünf Personen angesteckt hat.

Abklärungen des Kantonsärztlichen Dienstes hätten ergeben, dass mehrere Personen, die in der Spreitenbacher Bar waren, auch im Club Flamingo waren, sagt Kantonsärztin Hummel auf Anfrage der AZ. Von den über 20 infizierten Personen wohnen neun im Kanton Aargau. Die restlichen kommen aus den Kantonen Zürich, Luzern und Solothurn. Die Mitarbeitenden des Contact-Tracing-Centers Conti stehen mit den erkrankten Aargauerinnen und Aargauern in Kontakt und begleiten sie in der Isolation.

Club- und Barbetreiber sind verpflichtet, Kontaktdaten der anwesenden Personen aufzunehmen. Dadurch wird sichergestellt, dass im Fall einer Ansteckung enge Kontakte der infizierten Person kontaktiert werden können. In Zürich hat sich gezeigt, dass viele Personen eine falsche E-Mail-Adresse angegeben hatten. Der Barbetreiber aus Spreitenbach habe dem Kantonsärztlichen Dienst die Präsenzliste umgehend zur Verfügung gestellt, sagt Hummel. Diese mache einen guten Eindruck. «Bisher haben wir keine Hinweise auf Falschangaben», sagt sie. Allerdings hätten die Mitarbeitenden auch noch nicht alle Personen kontaktiert. Am besagten Abend hätten sich mehr als 100 Personen in der Spreitenbacher Bar aufgehalten.

Führt der Aargau bald die Ausweispflicht ein?

Der Kanton könnte strengere Vorschriften erlassen, um einer Ausbreitung des Coronavirus entgegenzuwirken. Kantonsärztin Yvonne Hummel kann sich beispielsweise vorstellen, eine Ausweispflicht einzuführen. «So könnte verhindert werden, dass sich jemand inkognito in einer Bar oder an einer Veranstaltung aufhält.»

Die Tesla-Bar bleibt bis mindestens Ende Woche geschlossen. Der Besitzer habe dies freiwillig getan und nicht auf Anordnung des Kantonsärztlichen Dienstes, sagt Hummel. Aufgrund der vielen Ansteckungen werde nun das Schutzkonzept und dessen Umsetzung überprüft. «Sollten wir dabei auf Hinweise stossen, dass dieses mangelhaft ist, würden wir uns vorbehalten, das Lokal ganz zu schliessen», sagt die Kantonsärztin.

Im Aargau sind seit Freitag 20 Personen positiv auf das Coronavirus getestet worden (Stand: Montag, 8 Uhr). Damit steigt die Zahl der bestätigten Fälle im Aargau auf insgesamt 1274. Die Anzahl Todesfälle liegt weiterhin unverändert bei 47. Im Vergleich zu den zwei vergangenen Montagen ist die Zahl stark gestiegen: Am 15. Juni sind fünf, am 22. Juni vier neue Fälle gemeldet worden.

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