Coronavirus

Lockdown hinterlässt deutliche Spuren: Wirtschaftsleistung im Aargau um einen Viertel tiefer

Auch der Autoverkauf ist stark betroffen (Archiv: Amag beim Import von Audis in Bad Schinznach).

Auch der Autoverkauf ist stark betroffen (Archiv: Amag beim Import von Audis in Bad Schinznach).

Die neusten Wirtschaftszahlen der Aargauischen Kantonalbank widerspiegelt die Folgen des Lockdown.

Der neuste Aargauer Konjunkturbarometer der Aargauischen Kantonalbank (AKB) und von Aargau Services Standortförderung sinkt Anfang April gegenüber dem Vormonat von schon tiefen 85,7 um unglaubliche 24,4 auf 61,3 Punkte. Der schweizerische Index sank sogar noch etwas stärker, nämlich um 29,8 auf 61,5 Punkte. Zur Veranschaulichung: Der langjährige Durchschnitt ist 100. Man kann es noch anders sagen: Gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres sinkt der Index sogar um 38 Prozent (die Grafik veranschaulicht diesen Sturz).

Das Barometer bildet die Folgen der Coronakrise und der damit verbundenen Massnahmen für die Wirtschaft gut ab. Wenn das Shopping-Erlebnis auf den Lebensmitteleinkauf und Pharmazeutika reduziert werde, alle Restaurants geschlossen seien und ein Veranstaltungsverbot gelte, lägen die Konsequenzen für die Wirtschaft auf der Hand, sagt Marcel Koller, Chefökonom der AKB.

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Alle Branchen ausser Pharma betroffen

Mit Ausnahme der Pharmaindustrie werden gemäss Koller alle Branchen von den Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie erfasst. Am stärksten trifft es den Detailhandel und weitere Dienstleistungen (Coiffeur, Therapeuten usw.). Dieses betrübliche Bild sei leider realistisch, derweil aktuelle Umfragen unter Führungskräften oft immer noch etwas zweckoptimistisch seien, so Koller.

Doch wie kam dieses enorme Minus zu Stande? Koller verweist beispielsweise auf die massiv gesunkenen Verkehrsleistungen während des Lockdown (wir berichteten gestern darüber): Gesamtschweizerisch transportiert der öffentliche Verkehr innmerhalb von 30 Tagen 68 Prozent weniger Fahrgäste (Aargau minus 56 Prozent). Im Aargau sind auch 30 Prozent weniger Autos unterwegs. Dabei ist der Rückgang in urbanen Zentren mit mindestens 40 Prozent klar höher als im ländlichen Raum mit rund 20 Prozent.

Autoverkauf brach um 40 Prozent ein

Dass auch Branchen arg in Mitleidenschaft gezogen werden, die weiterhin ihr Geschäft betreiben dürfen, zeigt exemplarisch das Garagengewerbe. Im März wurden rund 40 Prozent weniger Autos verkauft als im Vorjahr. Laut ersten Schätzungen ist aktuell jeder vierte Schweizer und jeder fünfte Aargauer von Kurzarbeit be­troffen. Die Zahl der offenen Stellen sank im Aargau um 25 Prozent.

Koller befürchtet ab April grössere Lieferengpässe. Dies wegen Lieferunterbrüchen durch Massnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus. Aber auch, weil die Passierflugzeuge am Boden sind. Diese transportierten bisher im Frachtraum immer auch Import- und Exportgüter. Etwa Maschinen, Präzisions- und Medizinaltechnik, Medikamente oder Fahrzeugteile. Das muss neu organisiert werden. Die Lebensmittel betreffe das aber weniger, betont Koller: «Diese werden mehrheitlich auf Strasse und Schiene transportiert.»

Lichtblick Industrie im Kanton Aargau

Aktuell rechnet die AKB mit einem Rückgang des Schweizer Bruttoinlandprodukts für das ganze Jahr 2020 um 3,5 Prozent, im Aargau «nur» um 3 Prozent. Sollten die Coronamassnahmen noch lange nötig sein oder gar eine zweite Welle kommen, wäre allerdings alles neu zu berechnen.

Wieso fällt das BIP im Aargau etwas weniger stark? Hier hat die Pharmaindustrie und die Industrie allgemein eine überdurchschnittliche Bedeutung. Der Aargau ist ein wichtiger Standort der Pharmaindustrie und die Nachfrage nach Pharmaprodukten bleibt sehr gross. Die Industrie kann weiter produzieren, obwohl die Auftragsbestände massiv rückläufig sind, so Koller. Doch der Einbruch im Dienstleistungsbereich ist besonders gross und noch schwerwiegender. Dank der gut aufgestellten Industrie erwartet Marcel Koller, dass sich die Wirtschaft im Aargau nach der Pandemie etwas schneller erholen wird als in dienstleistungsstarken Kantonen.

Bund rechnet ebenfalls mit einer Rezession

Gestern hat der Bund neue Szenarien für die Konjunkturentwicklung publiziert. Diese zeigen: Die erwartete Rezession könnte deutlich schwerer ausfallen als bisher angenommen, und die Erholung könnte länger auf sich warten lassen, so die Befürchtungen.

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