AKW Leibstadt
Leibstadt bis 2045 möglich: Revision dauert länger als geplant

Das Atomkraftwerk Leibstadt könnte mit Nachrüstungen für rund 600 Mio. Franken bis 2045 Strom liefern. Derzeit befindet sich das AKW allerdings in Revision und kann erst nach Reparaturen durch US-Spezialisten wieder ans Netz.

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Die Revision in Leibstadt dauert länger als erwartet

Die Revision in Leibstadt dauert länger als erwartet

Keystone

Die Abklärungen und Vorbereitungen für die Reparatur seien im Gang, sagte Kernkraftwerksleiter Andreas Pfeiffer am Donnerstag vor den Medien in Leibstadt. Er machte keine genauen Angaben dazu, wie lange die Arbeiten dauern könnten. Die Revision werde aber relativ teuer.

Bei der periodischen Ultraschall-Überprüfung am Reaktordruckbehälter sei an einer Schweissnaht eines Speisewasser-Stutzens ein meldepflichtiger Befund festgestellt worden.

Pfeiffer bezeichnete den Befund als «Riss». Es sei jedoch zu keiner Leckage und zu keiner Freisetzung von Radioaktivität gekommen. Das Speisewassersystem verfügt über insgesamt sechs dieser Stutzen. Die anderen fünf Stutzen blieben bei der Überprüfung ohne Befund.

Spezialisten aus den USA

Bevor das AKW nach der Jahresrevision wieder hochgefahren werden kann, muss der Schaden repariert sein. Die Kernkraftwerk Leibstadt AG (KKL) informierte die Atomaufsichtsbehörde ENSI bereits letzte Woche über den Sachverhalt.

Die KKL AG muss dem ENSI Berichte einreichen und aufzeigen, wie die Reparatur bewerkstelligt werden kann. Gemäss Pfeiffer werden Spezialisten aus den USA die Reparatur vornehmen. Solche Arbeiten seien weltweit schon 800-mal ausgeführt worden.

Die laufende Hauptjahresrevision ist mit einer geplanten Dauer von 49 Tagen die umfangreichste seit Inbetriebnahme des Atomkraftwerkes im Jahr 1984.

AKW soll bis 2045 am Netz bleiben

Bis 2015 will die KKL AG rund 600 Millionen Franken ins AKW investieren. Laut Pfeiffer könnte das Werk mit den Nachrüstungen bis 2045 am Netz bleiben. Dies würde einer Betriebsdauer von 60 Jahren entsprechen.

«Wir rufen damit Diskussionen hervor», hielt Pfeiffer fest. Das Energieszenario des Bundesrates rechnet damit, dass das AKW Leibstadt als letztes Werk der Schweiz um das Jahr 2034 abgeschaltet wird. Der Bund geht von einer Laufzeit von 50 Jahren aus.

Es gebe keinen Widerspruch zu diesem Szenario, sagte Pfeiffer. Der Bundesrat wolle auch, dass die AKW so lange am Netz seien, wie sie sicher betrieben werden könnten. Die Frage nach der Betriebsdauer sei daher «letztlich ein politischer Entscheid».

Einbauten im Kühlturm erneuert

Während der Hauptjahresrevision wird unter anderem der 500 Tonnen schwere Generator im Maschinenhaus ausgetauscht. Der neue Generator bringe eine deutliche Leistungssteigerung, hiess es.

Angelaufen sind auch die Bauarbeiten für eine sogenannte Aktivlagerhalle. In diesem erdbebensicheren Gebäude sollen diverse radioaktive Grosskomponente und zum Beispiel Leitungen gelagert werden können. Die Halle dürfte 2014 fertig gestellt sein.

Erneuert wurden ferner die Einbauten im über 140 Meter hohen Kühlturm. Rund 6500 Tonnen Platten aus Asbest-Zement (Eternit), über die das Wasser rieselte, wurden fachgerecht ausgebaut und entsorgt. Die neuen Rieselplatten sind aus Kunststoff und verbessern die Kühlleistung.

Das AKW kämpft weiterhin mit Chemie gegen gefährliche Legionellen- Keime im Hauptkühlwasser. Zum Einsatz kommt Natriumhypchlorit (Javelwasser).

Die Desinfektionsaktionen sind von den zuständigen Behörden bewilligt. Die Legionellen, im Wasser lebende Stäbchen-Bakterien, sind Erreger der Legionärskrankheit und anderer Infektionskrankheiten.

Belasteter Schlamm aus Kühlwasser-Aufbereitung

Im Kalkschlamm, der bei der Aufbereitung des Rheinwassers für den Kühlturm des Atomkraftwerkes Leibstadt im Kanton Aargau anfällt, sind geringe Spuren von Giftstoffen enthalten. Das zeigt eine Untersuchung im Auftrag der Kernkraftwerk Leibstadt AG (KKL). Die Untersuchung ergab einen Wert von 0,02 Nanogramm Dioxine pro Kilogramm Trockenmasse, wie Kernkraftwerksleiter Andreas Pfeiffer am Donnerstag vor den Medien in Leibstadt sagte. Der Wert für Polychlorierte Biphenyle (PCB) betrage 0,06 Nanogramm pro Kilogramm Trockenmasse. Der Kalkschlamm aus dem KKL stelle keine Gefährdung in Bezug auf Dioxine und PCB dar, hielt Pfeiffer fest. Der deutsche Richtwert für die landwirtschaftliche Nutzung betrage 5 Nanogramm pro Kilo Trockenmasse. Der Kalkschlamm wird vor allem im grenznahen Deutschland in der Landwirtschaft als Bodenverbesserer verwendet. Pro Jahr fallen bei der Aufbereitung des Kühlwassers, das dem Rhein entnommen wird, rund 13'000 Tonnen Kalk an. Davon gehen 10'000 Tonnen nach Deutschland, 3000 Tonnen werden in der Schweiz verwendet.

In der Gemeinde Rickenbach im grenznahen deutschen Landkreis Waldshut waren bei Bodenproben auf einzelnen Flächen erhöhte PCB- und Dioxinwerte festgestellt worden. Das Landratsamt Waldshut empfahl Landwirten, die betroffenen Grünflächen nicht mehr zu beweiden und das Gras nicht als Futter zu nutzen. Der Kalkschlamm aus der Aufbereitung des Kühlwassers wird seit rund zehn Jahren in der Landwirtschaft eingesetzt. Der Schlamm wurde bisher auf Radioaktivität, Schwermetalle und chlorierte Kohlenwasserstoffe untersucht. Die krebsauslösende Chemikalie PCB war bis in die 1980er-Jahre als Hydraulikflüssigkeit und Weichmacher verwendet worden. Der Stoff wurde über die Flüsse Aare, Reuss und Limmat in den Rhein geschwemmt. Er lagerte sich teilweise in den Sedimenten ab.

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