Coronakrise

Konjunktureller Sturzflug hält an: AKB rechnet mit 4,5 Prozent Minus im Aargauer Bruttoinlandprodukt

Bereiche wie Tourismus, Gastgewerbe, Hotellerie oder Events leiden stärker unter der Krise als erwartet.

Bereiche wie Tourismus, Gastgewerbe, Hotellerie oder Events leiden stärker unter der Krise als erwartet.

Vor Monatsfrist erwartete die Aargauische Kantonalbank (AKB) in ihrem gemeinsam mit Aargau Services Standortförderung herausgegebenen Konjunkturbarometer auf das ganze Jahr 2020 einen Rückgang des kantonalen Bruttoinlandprodukts BIP von 3 (und national von 3,5) Prozent. In Kenntnis der Aprildaten, der ersten Corona-Lockerungsschritte und weiterer Aussichten korrigiert die AKB die Prognose jetzt weiter nach unten.

Aus heutiger Sicht erwartet AKB-Chefökonom Marcel Koller gar ein gesamtschweizerisches Minus von 5 und für den Aargau von 4,5 Prozent. Zum Vergleich: Das Basler Institut BAK Economics rechnet für die Schweiz aktuell mit einem Minus von 5,3 Prozent. Den Aargau werde es etwas weniger schlimm treffen, weil hier Pharma und Chemie überdurchschnittlich vertreten sind, sagt Marcel Koller. Deren Geschäftsverlauf ist in der Coronakrise besser als bei zahllosen Dienstleistern und als bei der übrigen (Export-)Industrie.

Auftragseingänge für Exportlieferungen schlecht

Ein Grund für die nochmals tieferen BIP-Erwartungen ist, dass die vorlaufenden Indikatoren bei der Industrie einen neuen historischen Tiefstand erreicht haben. Speziell schlecht stehe es generell um die Auftragseingänge für Exportlieferungen. Auch der Autoverkauf ist massiv eingebrochen. Ebenso leiden Bereiche wie Tourismus, Gastgewerbe, Hotellerie oder Events stärker unter der Krise als erwartet. Und schliesslich erwartet Koller in der zweiten Hälfte des Jahres eine weniger dynamische konjunkturelle Erholung als bisher. Dies, weil sich die Nachfrage nur langsam erholen dürfte. So sind laut Koller auch aus dem internationalen Umfeld – abgesehen von China und Australien – kaum unterstützende Impulse zu erwarten. Noch unklar sei zudem, wie sich die Arbeitslosigkeit mittelfristig entwickeln wird, wenn die Kurzarbeitsregelungen auslaufen. Hätte es nicht von den Finanzmärkten positive Signale mit einer Erholungsrally Ende April gegeben, würde die Prognose für dieses Jahr sogar noch schlechter ausfallen.

2021 soll sich die Aargauer Wirtschaft deutlich erholen

Koller erwartet dafür im Jahr 2021 eine Erholung des Aargauer BIP um rund 4,5 Prozent. Dazu macht er deutlich, dass in der AKB-Prognose nicht mit einem weiteren, pandemiebedingten Lockdown gerechnet wird. Koller: «Es wird wieder höhere Coronazahlen geben. Wir müssen aber lernen, mit dem Virus zu leben und es bestmöglich einzudämmen.»

Einen nochmaligen Lockdown könnte die Wirtschaft nicht verkraften, ist der AKB-Chefökonom überzeugt, aber: «Die Coronakrise trübt die Aussichten gerade für Gastronomie und Hotellerie, für Sportanlässe, Tourismus, Kino und anderes mehr.» Solange es keinen Impfschutz gibt, wisse man zudem nicht, «ob die einschneidende Coronaerfahrung auch mittel- und längerfristig zu Verhaltensänderungen führt, indem man im Zweifelsfall halt etwa nicht an ein Konzert geht, weil dort viele Menschen sind.»

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