Konjunkturbarometer
Leichte Erholung im Aargau und Hoffnung auf Wachstum im 2021

Der von der Aargauischen Kantonalbank (AKB) und Aargau Services Standortförderung monatlich herausgegebene Konjunkturbarometer tendierte gegenüber dem Vormonat seitwärts, gegenüber den Vorjahreswerten ist in den letzten beiden Monaten hingegen eine leichte Erholung feststellbar.

Mathias Küng
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Die Pharmaindustrie ist praktisch krisenresistent. Ein Blick in die Produktion von Roche in Kaiseraugst.

Die Pharmaindustrie ist praktisch krisenresistent. Ein Blick in die Produktion von Roche in Kaiseraugst.

Bild: Martin Ruetschi/Key

Erneut stützen vor allem die Industriedaten die Aargauer Konjunktur. Sie spüre Rückenwind, sagt AKB-Chefökonom Marcel Koller. Das habe damit zu tun, «dass die im Aargau stark vertretene und faktisch krisenresistente Pharmaindustrie inzwischen für die Hälfte der gesamtschweizerischen Exporte steht. Und die Pharmabranche läuft auch jetzt gut. Die Exporte nach Asien und in die USA entwickeln sich zudem besser als in die Eurozone». Natürlich gebe es auch im Aargau Industriezweige, die nach wie vor sehr leiden, etwa Zulieferer für die Gastro- und Eventbranche.

Anders als im Lockdown letzten Frühling funktionieren die Lieferketten

Marcel Koller, Chefökonom der AKB.

Marcel Koller, Chefökonom der AKB.

Bild: Alex Spichale

Für Koller ist klar: «Wenn sich die Stimmung in den wichtigsten Exportdestinationen aufhellt, dann wird auch die Schweizer Exportwirtschaft daran partizipieren.» Die knappe Mehrheit der Industrieunternehmen erwartet bereits eine Rückkehr zur Normalität bis Ende März.

Nur noch ein Viertel der Befragten investiert derzeit wegen Corona weniger als ursprünglich geplant. Im letzten Juni hatte noch jedes zweite Unternehmen angegeben, Investitionen zurückzufahren.

Die Gründe für die Robustheit der Industrie sind laut Koller: «Erstens funktionieren im Gegensatz zum Frühling heute die Lieferketten und zweitens hat insbesondere Nordasien die Pandemie im Griff.» Trotz Corona hat die Schweizer Exportwirtschaft den Handel mit China im Jahr 2020 um 10 Prozent auf 14,7 Milliarden Franken ausgebaut.

Der mehr auf den Binnenkonsum ausgerichtete Dienstleistungssektor werde zwar ausgebremst, ein eigentlicher Einbruch wie im Frühling sei bislang allerdings nicht feststellbar. Koller schränkt aber ein, dass die Resultate einer Umfrage von procure.ch wohl noch nicht die vollen Auswirkungen der Verschärfungen der Coronamassnahmen von Mitte Januar spiegeln.

Aussergewöhnliche Konsum-Bereitschaft im Aargau

Der Onlinehandel boomt. Blick ins Logistikzentrum von Digitec in Wohlen.

Der Onlinehandel boomt. Blick ins Logistikzentrum von Digitec in Wohlen.

Bild: Gaetan Bally/Key

Insgesamt hat sich im Januar die Konsum-Bereitschaft im Aargau gegenüber dem Vorjahr erhöht. Dieser aussergewöhnliche Befund während des landesweiten Shutdown habe zwei wichtige Ursachen, so Koller: «Zum einen boomt das Online-Shopping. Zum anderen kommt zum Tragen, dass viele Wegpendler nun im Kanton Aargau Homeoffice machen.»

Da werden also viele Internet-Suchabfragen nicht am Arbeitsplatz in der Agglomeration Zürich oder Basel gemacht, sondern im Aargau. Dieser Trend halte Anfang Februar an, so Koller.

Weniger Personenautos, dafür mehr Wohnmobile

In Coronazeiten kaufen viele ein Wohnmobil. Hier ist eins im Frühling 2020 auf dem Oberalppass unterwegs.

In Coronazeiten kaufen viele ein Wohnmobil. Hier ist eins im Frühling 2020 auf dem Oberalppass unterwegs.

Urs Flüeler/Key

Ein positiver Trend zeichnet sich bei den Personentransportfahrzeugen ab, etwa bei Wohnwagen, Kleinbussen, Cars mit plus 24 Prozent. Dieser schon vorher bestehende Trend hat sich wegen Corona noch verstärkt, so Koller. Dagegen sanken die Verkäufe von PKWs um 20 Prozent.

Die gesamte Wirtschaftsleistung der Schweiz bis Ende 2020 dürfte aufgrund der Schätzungen der AKB rund 3,5 Prozent tiefer liegen als noch im Vorjahr. Dank des besser als erwarteten Schlussquartals 2020 könnte sich dieser Wert allerdings noch positiver entwickeln, im besten Fall um bis ein halbes Prozent besser, sagt Koller. Für den Aargau erwartet er «nur» ein Minus von 3 Prozent. Eventuell verbessere sich auch dieser Wert noch um bis ein halbes Prozent.

Die Zahlen im Aargau sind besser dank seiner höheren Industrielastigkeit und der tieferen Abhängigkeit vom Tourismus, der unter Corona ja ganz besonders stark leidet.

Ab Sommer sollte es wieder kräftig aufwärts gehen

Sobald die Restaurants wieder öffnen dürfen (hier im Mai 2020 in der Aarauer Altstadt), werden das viele nutzen. Der Nachholbedarf ist gross.

Sobald die Restaurants wieder öffnen dürfen (hier im Mai 2020 in der Aarauer Altstadt), werden das viele nutzen. Der Nachholbedarf ist gross.

Bild: Britta Gut

Im laufenden Jahr rechnet die AKB mit einer Zunahme der Wirtschaftsleistung in der Schweiz von rund 3 Prozent gegenüber dem Jahr 2020. Dank der starken Industrie könnte die Zunahme im Kanton Aargau auch hier noch positiver ausfallen. Das erste Quartal werde zwar nochmals recht mühsam sein, zumal es per Anfang März nicht nach grossen Lockerungen aussehe, so Koller: «Aber wir setzen darauf, dass bis im Sommer mindestens alle Risikogruppen geimpft sind, sodass wir ab Sommer mit einer Beschleunigung des Wachstums rechnen.» Dies auch deswegen, weil die Menschen in vielen Bereichen einen Nachholbedarf haben, und sobald es geht, anfangs mehr ins Restaurant und in die Geschäfte gehen werden als früher üblich.

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