Kita-Kosten
«Der Mittelstand wird momentan benachteiligt»: So will eine Grossrätin die Unterstützungsbeiträge an die Kitakosten neu regeln

Eine Auswertung der AZ zeigt: Wie gross der Gemeindebeitrag an die Kinderbetreuungskosten ist, kann sehr stark variieren. Die Berechnungsmethoden sind kompliziert und uneinheitlich. FDP-Grossrätin und Kita-Gründerin Karin Faes fordert einen Systemwechsel.

Dominic Kobelt
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FDP-Grossrätin Karin Faes will die Subventionsbeiträge an die Kinderbetreuung neu regeln.

FDP-Grossrätin Karin Faes will die Subventionsbeiträge an die Kinderbetreuung neu regeln.

Archivbild: Alex Spichale

Karin Faes führt mit ihrem Mann eine Bauunternehmung und Gründerin KiTa Sunneschii in Schöftland. Die FDP-Grossrätin hat schon mehrmals erlebt, dass Mütter gerne ein oder zwei Tage pro Woche mehr gearbeitet hätten, sich aber dagegen entschieden haben. «Manchmal lohnt es sich nicht, weil durch die geringeren Subventionen das zusätzlich verdiente Geld dann für die Kita benötigt wird», erklärt Faes.

Sie fordert einen Systemwechsel und hat im Grossen Rat zusammen mit Grossräten, Grossrätinnen der SP, GLP, Grünen, Mitte und EVP eine Motion eingereicht: Künftig soll ein Basispreis für einen Kita-Platz festgelegt werden, in Reglementen ist auch häufig von Normkosten die Rede. Dieser Betrag würde dann zu je einem Drittel von Kanton, Gemeinde und Familie übernommen.

Die Höhe der Normkosten soll ein Gremium bestimmen, in dem Kanton, Gemeinden und der Fachverband kibesuisse und/oder die Fachstelle Kinder und Familie Kanton Aargau vertreten sind. Damit partizipiert der Kanton nicht mehr nur an den Steuereinnahmen, sondern trägt auch seinen Teil zur Finanzierung bei.

Keine Einkommens-Obergrenze mehr für Unterstützungsbeiträge

Damit wäre die Höhe der Beiträge nicht mehr von der finanziellen Situation der Gesuchsteller und dem Wohnort der Familie abhängig, wie das heute der Fall ist. Allerdings ist in der Motion festgehalten, dass «eine weitergehende finanzielle Entlastung der Familien bei niedrigen Einkommensverhältnissen» durch die Wohngemeinde zu gewährleisten sei, falls diese durch das neue System benachteiligt würde. Eine Obergrenze, wie es sie heute in allen Gemeinden gibt, ist laut Motion nicht mehr nötig, «weil der Steuerbeitrag der Gutverdienenden den Kinderbetreuungs-Beitrag bei weitem übersteigt».

Was bedeutet das für die Familien konkret? Wie Faes erklärt, würden die einkommensschwachen Familien, also solche, die im heutigen System weniger als ein Drittel der Betreuungskosten bezahlen müssen, weiterhin durch die Gemeinden unterstützt werden können. Solche Fälle gibt es aber nur wenige, erklärt Faes, und auch sie würden von einer Systemumstellung profitieren. Die Gutverdiener sind kaum tangiert. «Den grössten Nutzen hätte die Gruppe der Familien mit mittlerem Einkommen, welcher auch mit Abstand die meisten Familien angehören. Sie werden im momentanen System benachteiligt», sagt Faes.

Unabhängig vom Wohnort, weniger Aufwand für Gemeinden

Ein weiterer Vorteil des neuen Systems wäre die Gleichbehandlung der Gesuchsteller, unabhängig vom Wohnort. Die Auswertung der AZ hat gezeigt, dass enorme Unterschiede bestehen. Dem stimmt Faes zu: «Momentan ist der Wohnort ein entscheidender Faktor für die Höhe der Beiträge an die Kita, und das wollen wir ändern.»

Was würde sich für die Gemeinden ändern? «Der administrative Aufwand für die Gemeinden wird durch das neue System erheblich reduziert, da nicht erst einzeln die finanzielle Beteiligung der Eltern nach Einkommenshöhe eruiert werden muss», heisst es in der Motion.

Kanton würde sich an den Kosten beteiligen

Doch wie sehen die finanziellen Auswirkungen aus? «Ein kleinerer administrativer Aufwand bedeutet auch eine finanzielle Einsparung», stellt Faes klar. «Tendenziell würden aber die Gemeinden, die heute wenig Beiträge bezahlten, stärker belastet, und diejenigen, die grosszügig sind, würden profitieren, denn der Kanton beteiligt sich ebenfalls mit einem Drittel an den Kosten.» Man müsse aber auch bedenken, dass die Kita-Beiträge keine riesigen Posten in den Gemeindebudgets seien.

Längerfristig gesehen hoffen die Motionärinnen und Motionäre, dass durch eine verbesserte Vereinbarkeit von Beruf und Familien mehr Eltern, insbesondere Mütter, ihrem Beruf nachgehen können. Dies würde wiederum höhere Steuereinnahmen generieren und dem Fachkräftemangel entgegenwirken.

Weiter fordert die Motion, dass Praktika nur noch mit einer Lehrstelle im Anschluss erlaubt sind. Momentan haben wir die Situation, dass manche Praktikantinnen für ein Jahr zu einem günstigen Lohn arbeiten, und dann auf die Strasse gestellt werden, sagt Faes. «Die Anpassung würde dazu führen, dass neue Lehrstellen für Fachfrauen und Fachmänner Betreuung Kind geschaffen würden und die Qualität der Betreuung steigt.»