Wirtschaft

Kantonalbanken-Duell: Schwyzer wildern im Aargau – das lässt die AKB nicht auf sich sitzen

Nicht nur unter den beiden Mythen wird geschäftet: Schwyzer Kantonalbank auf Expansionskurs.

Nicht nur unter den beiden Mythen wird geschäftet: Schwyzer Kantonalbank auf Expansionskurs.

Die Schwyzer Kantonalbank geht mit einer Kampagne im Aargau auf Kundenfang und löst ein Inserateduell mit der Aargauischen Kantonalbank aus. Pikant: Der Chef der Konkurrenz aus der Innerschweiz war jahrelang AKB-Geschäftsleitungsmitglied.

Die zwei Inserate auf den Seiten 22 / 23 in der AZ vom Mittwoch stechen einem sofort ins Auge. Links in Rot wirbt die Schwyzer Kantonalbank (SZKB) mit dem Spruch: «Auch für Aargauerynnen: Berater, die zwar nicht Ihren Dialekt, aber Ihre Sprache sprechen.» Rechts gegenüber in Blau heisst es: «Weil man im Aargau Schwiizerdütsch und nicht Schwyzerdütsch spricht, bin ich hier am richtigen Ort.» Absender: Aargauische Kantonalbank.

Inserateduell: Links die Schwyzer, rechts die Aargauische Kantonalbank. (AZ 13.5.2020)

Inserateduell: Links die Schwyzer, rechts die Aargauische Kantonalbank. (AZ 13.5.2020)

Hinter dem Doppelinserat steckt keine ausgefeilte gemeinsame Kampagne der beiden Kantonalbanken. Das AKB-Inserat ist vielmehr eine Reaktion auf die Aargau-Offensive der Konkurrenz aus Schwyz. «Unser Inserat soll eine witzige Antwort sein auf das Wortspiel der Schwyzer in ihren Inseraten in unserem Gebiet», sagt AKB- Kommunikationschefin Christine Honegger auf Anfrage.

Was die Schwyzer im Schilde führen, weiss man bei der AKB nicht genau. Direktionspräsident Dieter Widmer erkundigte sich bei seinem CEO-Pendant Peter Hilfiker in Schwyz persönlich, bekam aber offenbar keine befriedigende Antwort. Die beiden kennen sich gut, arbeiteten sie doch jahrelang zusammen. Hilfiker war von 1997 bis 2010 bei der AKB und als Mitglied der Geschäftsleitung zuständig für den Geschäftsbereich Privat- und Firmenkunden, bevor er zur Konkurrenz in die Innerschweiz wechselte.

Auftrag des Bankrats, die Fühler auszustrecken

Aufschluss über die Schwyzer Expansionspläne gibt ein Interview Hilfikers im «Bote der
Urschweiz» vom vergangenen November. «Der Bankrat hat uns beauftragt, unsere Fühler auch über den Kanton Schwyz hinaus auszustrecken», sagte er und fügt selbstbewusst an: «Ich darf sagen, dass wir recht erfolgreich unterwegs sind.»

Peter Hilfiker, CEO der Schwyzer Kantonalbank und ehemaliger AKB-Kadermann.

Peter Hilfiker, CEO der Schwyzer Kantonalbank und ehemaliger AKB-Kadermann.

Peter Hilfiker ist ambitioniert. 2019 wurde seine Bank vom Institut für Finanzdienstleistungen Zug zum fünften Mal als beste Kantonalbank der Schweiz und als zweitbeste Bank des Landes überhaupt ausgezeichnet. Diese Auszeichnung sei Ansporn, so Hilfiker.

Der Aargau ist nicht der einzige Kanton, in dem die Schwyzer neue Kunden anvisieren. Die SZKB sei vom Anlage- bis zum e-Hypo-Geschäft in mehreren Deutschschweizer Kantonen aktiv, sagt Peter Geisser, Kommunikationschef der Bank. Dass CEO Peter Hilfiker wegen seiner AKB-Vergangenheit dem Aargau besondere Aufmerksamkeit schenkt, stellt der Bankensprecher in Abrede.

Die Aargauische Kantonalbank ist weniger offensiv unterwegs. Kunden ausserhalb des Kantons seien vorwiegend solche, die umgezogen und unserer Bank treu geblieben sind, sagt Sprecherin Honegger. «Wir akquirieren nicht aktiv Kunden ausserhalb unseres Marktgebietes.»

Historisch waren die Kantonalbanken gebunden an ihre Kantonsgrenzen. In den goldenen 90er-Jahren wuchsen aber die Expansionsgelüste. Vor allem der Bankenplatz Zürich lockte. Verschiedene Kantonalbanken versuchten ausserhalb der Kantonsgrenze Fuss zu fassen.

Kantonalbank-Experte findets "grenzwertig"

Nun nimmt der Appetit der Kantonalbanken im Zuge der Digitalisierung wieder zu. Vor allem das Hypothekargeschäft sei interessant, sagt Christoph Lengwiler, Dozent an der Hochschule Luzern und selber Verwaltungsrat bei der Berner Kantonalbank. Mit E-Hypotheken oder über Vermittlungsplattformen könne eine Kantonalbank mit günstigen Angeboten in anderen Kantonen neue Kunden erschliessen.

Einen Widerspruch zur Staatsgarantie (die AKB hat genauso eine wie die SZKB) sieht Lengwiler nicht: «Im Gegenteil, Geschäfte ausserhalb des traditionellen Marktgebiets können zur Diversifizierung betragen und das Klumpenrisiko im eigenen Kanton mindern, wenn sie mit der nötigen Vorsicht abgeschlossen werden.» Die Kampagne der Schwyzer mit direkter Ansprache von potenziellen Aargauer Kunden geht aber auch für den Kantonalbank-Experten etwas weit: «So aktiv vergleichende Werbung zu machen, ist eher speziell und bezüglich Marktverhalten grenzwertig.

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