Justiz
Maskenverweigerer stehen an oberster Stelle: Wer im Aargau Strafbefehle wegen Covid-19-Verstössen kassierte

Seit Corona gibt es eine ganze Reihe neuer Regeln. Wer sich zum Beispiel weigert, im Zug oder Bus eine Maske zu tragen, wird verzeigt. Im Aargau betreffen fast die Hälfte der 77 Strafbefehle, die seit Oktober ausgestellt wurden, solche Maskenverweigerer. Die AZ zeigt, wer sonst noch alles verurteilt wurde.

Noemi Lea Landolt
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Seit Ende Oktober sind bei der Aargauer Staatsanwaltschaft 165 Fälle wegen Widerhandlungen gegen die Covid-19-Verordnung oder das Epidemiengesetz eingegangen. 77 Strafbefehle hat die Staatsanwaltschaft ausgestellt. Davon sind 55 rechtskräftig.

34 der 77 Strafbefehle betreffen «Ungehorsam gegen Anordnungen eines Sicherheitsorgans des öffentlichen Verkehrs». Im Zusammenhang mit Covid-19 sind das Personen, die sich geweigert haben, im Bus oder Zug eine Maske zu tragen.

Im öffentlichen Verkehr gilt nach wie vor die Maskenpflicht.

Im öffentlichen Verkehr gilt nach wie vor die Maskenpflicht.

Bild: Ralph Ribi

Zugfahren ohne Maske kostet 600 Franken

In den Strafbefehlen heisst es dann zum Beispiel: «Der Beschuldigte weigerte sich, im Zug die Maske anzuziehen oder das Verkehrsmittel bei der nächsten Haltestelle zu verlassen.» Manchmal weigerten sich die Beschuldigten zudem, das erwähnte ärztliche Attest vorzuweisen, das sie von der Maskenpflicht befreien würde. Ein Maskenverweigerer wurde an einem Tag sogar gleich zweimal ohne Maske erwischt.

Die Strafe ist für alle Maskenverweigerer die gleiche: 200 Franken Busse und 400 Franken Strafbefehlsgebühr.

Clubs ohne Schutzkonzepte und ein Spielsalon mit zu vielen Gästen

Bei den Clubs und Beizen ähneln sich die Verstösse ebenfalls. Fehlende Bodenmarkierungen, Trennwände oder Sicherheitskonzepte wurden oft bemängelt.

Einmal hielten sich zu viele Personen in einem Spielsalon auf. Ein anderes Mal traf die Polizei nach 23 Uhr noch sieben Gäste in einem Lokal an, die an der Bar im Stehen etwas tranken und keine Masken trugen.

Die verantwortlichen Beizer und Clubbetreiber wurden alle zu Bussen zwischen 1000 und 3500 Franken verurteilt. Dazu kommt jeweils eine Strafbefehlsgebühr von mehreren 100 Franken.

Prostituierte meldeten sich nach der Einreise nicht beim Kanton

Zwei Strafbefehle betreffen Sexarbeiterinnen, die mit dem Bus aus Ungarn und Tschechien eingereist sind. Sie hätten sich innert zwei Tagen beim Kantonsärztlichen Dienst melden und dann für zehn Tage in Quarantäne begeben müssen. Stattdessen haben sie unmittelbar nach der Einreise ihre Arbeit aufgenommen. Das wurde mit 900 Franken Busse und 600 Franken Strafbefehlsgebühr bestraft.

Eine andere Sexarbeiterin musste 1000 Franken Busse und 600 Franken Gebühr bezahlen. Sie inserierte auf einer Onlineplattform ihre Dienste und empfing mehrere Freier, obwohl Sexarbeit damals verboten war.

Frau reist mit ÖV zum Arzt trotz positivem Testresulat

Bemerkenswert ist auch der Fall einer Frau, die positiv auf Covid-19 getestet worden war. Das Contact-Tracing-Center hatte sie telefonisch darüber informiert und ihr mitgeteilt, dass sie zehn Tage in Isolation müsse. Trotzdem begab sich die Beschuldigte drei Tage später zuerst zu Fuss an ihren Arbeitsplatz und am Nachmittag mit öffentlichen Verkehrsmitteln in eine Arztpraxis. Dafür kassierte sie eine Busse von 1000 Franken. Dazu kam die Strafbefehlsgebühr von 600 Franken.

Teilnehmer einer Party hatten Glück

Nicht alle 165 Fälle, die seit Ende Oktober bei der Staatsanwaltschaft eingegangen sind, hatten einen Strafbefehl zur Folge. 33 Nichtanhandnahmeverfügungen wurden verschickt. Davon sind elf rechtskräftig.

In einer Shishabar wurde eine Party veranstaltet.

In einer Shishabar wurde eine Party veranstaltet.

Bild: Hanspeter Schiess

Laut Fiona Strebel, Mediensprecherin der Staatsanwaltschaft, betreffen «etliche» Nichtanhandnahmeverfügungen Teilnehmer einer Party in einer Shishabar. Zum Zeitpunkt der Party war die blosse Teilnahme an einer Veranstaltung nicht strafbar.

Maskensünder auf dem Überwachungsvideo kam ohne Busse davon

Glück hatte auch ein Jugendlicher, der in der Nacht vom 22. auf den 23. Januar ohne Maske im Zug unterwegs war. Seine maskenlose Fahrt wurde von einer Überwachungskamera aufgezeichnet. In der Einvernahme erklärte er, er habe keine Maske dabei gehabt.

Die Polizei warf ihm deshalb vor, die Maskentragpflicht verletzt zu haben. Allerdings trat diese Bestimmung erst per 1. Februar 2021 in Kraft. Vorher war das schlichte Nichttragen einer Maske im ÖV nicht strafbar. Die anderen Maskensünder, die per Strafbefehl verurteilt wurden, haben sich alle der Anweisung des Sicherheitspersonals widersetzt und wurden deshalb bestraft.

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