Forschungsexpedition Himalaya
Jetzt oder nie: Schönwetter ermöglicht Gipfelsturm für Aargauer Forscher

Kurzfristig gute Wetterverhältnisse ermöglichen einem Teil der Schweizer Forschungsexpedition am 7126 Meter hohen Himlung Himal in Nepal voraussichtlich am Montag oder am Dienstag einen einmaligen Gipfelversuch.

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Konditionstest auf dem Ergometer auf 6100m
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Kurz vor dem Lager II (6100m)
Himalaya-Forschungsexpedition: Aufstieg zum Hochlager 2 in 6100 Metern
Hirn-Ultraschall 6100m

Konditionstest auf dem Ergometer auf 6100m

Die Chancen stehen gut, dass für 24 Stunden auch das höchstgelegene Forschungslabor auf über 7000m aufgebaut werden kann.

Forschung im Dienste der Wissenschaft

Zwei Dutzend Höhenmediziner aus der Schweiz und aus Deutschland wollen während dem Aufstieg auf den 7126 Meter hohen Himlung Himal die Auswirkungen auf Hirn, Herz, Lunge und Blutkreislauf erforschen. Dazu untersuchen sie regelmässig die 42 Probanden und unterziehen sie Leistungstests. Erstmals auf dieser Höhe wird auch ein Ultraschallgerät eingesetzt. Beteiligt sind Ärzte des Inselspitals Bern, des Kantonsspital Aarau und der Universitätsklinik Leipzig. Geleitet wird das Forschungsprojekt von Arzt Urs Hefti und dem Berner Bergführer Kari Kobler. Der Berg Himlung Himal liegt im Schatten des Annapurna-Massivs. Er wurde 1992 erstmals bestiegen. Die Expedition kehrt am 28. Oktober zurück. (az)

Schlecht Wetter und ein Meter Neuschnee im Basislager (4800m) haben die Forschungsexpedition letzte Woche zu einer fast einwöchigen Pause gezwungen. Zwei Meter Schnee haben in den vergangenen Tagen die von Sherpas aufgebauten Hochlager zum Teil zerstört. Sie mussten neu aufgebaut werden.

Gipfelsturm am Montag

Am letzten Samstag starteten 35 Probanden und über ein Dutzend Forscher gut akklimatisiert zum letzten Mal via Hochlager I und II Richtung Lager III, das von den Sherpas nur eine Stunde unter dem Himlung Gipfel aufgebaut werden soll. 20 Expeditionsteilnehmer sind seither bei sehr tiefen Temperaturen von rund -25 Grad umgekehrt und ins Basislager zurückgekehrt. Am Montag versuchen noch rund 30 Personen, das Lager III oder sogar den Gipfel zu erreichen.

Noch ist nicht klar, ob das Forschungslabor auf über 7000 Meter aufgebaut und auch genützt werden kann. Von den erhofften 7000 Blutproben aus verschiedenen Höhen sind bereits rund 5000 im Basislager in einer Spezialtiefkühltruhe gesichert. Sie werden - wenn sie vollständig sind - mit Trockeneis gekühlt per Helikopter nach Kathmandu ausgeflogen und später in der Schweiz analysiert.

Weitere Evakuation aus dem Basislager am Montag

Am Montag morgen musste ein weiteres Expeditionsmitglied wegen einer Erkrankung per Helikopter aus dem Basislager nach Kathmandu evakuiert werden. Die Angehörigen wurden direkt informiert. Bereits vor drei Wochen musste ein Schweizer Bergfrührer wegen einem Lungenödem die Expedition verlassen.

Die Schweizer Forschungsexpedition am Himlung Himal ist die grösste Forschungsexpedition aller Zeiten in Nepal. Insgesamt sind über 80 Schweizer Bergsteiger und über 30 einheimische Helfer und Sherpas am Berg. Die Expedition wird am Montag, 28. Oktober abends zurück in der Schweiz erwartet.

Persönliche Eindrücke von Expeditionsteilnehmer Tommy Dätwyler

Basislager Himlung Himal - 4800m - wir hatten eine saukalte Nacht - aber im Lager II auf 6100m wars wohl noch drei Rillen kälter und entsprechend unangenehmer.
Rückblick: Der Neuschnee vor einer Woche hat die ganze Expedition eingebremst. Wegen Lawinengefahr und schlechtem Wetter war die ganze Woche nicht an einen erneuten Austieg ins die Hochlager zu denken. Am Mittwoch dann die Hiobsbotschaft der Sherpas: Lager I und Lager II sind unter zwei Meter Neuschnee versunken ... die meisten Zelte zerstört oder beschädigt. Lange Gesichter und viel Unsicherheit darauf bei Forschern und Probanden im Basislager. Gibts noch einmal eine Möglichkeit, ein Fenster, eine Chance? Ein Forschungstag im Basislager wurde vorgezogen. Die Unsicherheit war gross. Ein erster Versuch, die Schneemassen und den heiklen Hang zwischen Lager II und Hochlager II zu spuren ist misslungen. Sherpas und Bergführer wurden ins Basislager zurückbeordert. Dann am Freitag endlich leuchtende Augen bei Expeditionsleiter Urs Hefti und Kari Kobler. Sie glauben als „Berufsoptimisten" den Wetterprognosen - sehen eine Chance, die einzige vor dem prognostizierten Sturm auf dem Himlung-Gipfel am Mittwoch. Ihre Botschaft: „Das könnte reichen!" Zuerst ungläubiges Nachfragen bei Probanden und Forschern, dann die grosse Aufbruchstimmung. 6 Tage Basislager haben genügt, um den Hunger nach weiteren Höhenmetern zu wecken. Alle wollen hoch! Neuer Zelttransport durch die Sherpas, auch das Forschungsmaterial muss wieder hoch - Sherpa-Arbeit der heikleren Sorte. Die Verpflegung in den Hochlagern muss neu organisiert werden... Ein Tag Vorlauf! Am Samstag die grosse Aufbruchstimmung. Über 50 Expeditionsmitglieder machen sich auf ins Hochlager I (5500m) - Am Sonntagnachmittag kommen rund 40 bereits im Hochlager II (6100m) an. Der Rest musste aufgeben und ist unterdessen wieder im Basislager an der relativen Wärme. In den Hochlagern werden -25 Grad gemessen. Und noch ist Lager III (7050m) nicht erreicht.
Montagmorgen: 9.00 Uhr - Die Sherpas sind seit drei Stunden im hüfthohen Schnee am spuren Richtung Lager 3 - Ein weiter Weg zur letzten Forschungsstation! Was wird der Tag noch bringen?
Ich sitze im Schlafsack im Basislager-Zelt. Funkverbindung zu den „Beissenden" weiter oben. Ich drücke Ihnen die Daumen - und freue mich
- Wieder einmal aus einem schönen Glas zu trinken.....
- Wieder einmal ohne Kappe zu schlafen.....
- Wieder einmal ohne Stirnlampe zu lesen......
- Wieder einmal auf dem WC zu sitzen.....
- Wieder einmal richtig warm zu haben....

Himalaya: Aargauer Bergsteiger treffen im Hochlager auf 5500 Metern Höhe ein
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ho

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