Homeschooling
Immer mehr Kinder werden daheim unterrichtet – aber es gelten strengere Regeln

Seit diesem Monat können Eltern ihr Kind für die private Schulung nur noch per Semesterende aus der Volksschule abmelden. Mit der Maskenpflicht an der Primarschule ist die Homeschooling-Zahl gestiegen. Doch der Trend hält sich.

Eva Berger Jetzt kommentieren
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Mit Maske im Schulzimmer und auf dem Pausenplatz. Das war für Primarschülerinnen und Primarschüler Anfang Jahr Realität. Manche von ihnen wurden deswegen aus der Schule genommen und daheim unterrichtet.

Mit Maske im Schulzimmer und auf dem Pausenplatz. Das war für Primarschülerinnen und Primarschüler Anfang Jahr Realität. Manche von ihnen wurden deswegen aus der Schule genommen und daheim unterrichtet.

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Muss das Kind in der Schule eine Maske tragen, bleibt es eben daheim. Das war die Reaktion von Aargauer Maskengegnern, als der Regierungsrat Ende letzten Jahres in der letzten grossen Coronawelle die Maskenpflicht auf die jüngsten Primarschüler ausdehnte. Der Verein Lehrernetzwerk Schweiz um den Suhrer Lehrer Jérôme Schwyzer empfahl besorgten Eltern, ihre Kinder fortan daheim zu unterrichten.

Dem Aufruf sind einige gefolgt: Waren im Juli 2021 kantonsweit noch 396 Kinder und Jugendliche aus 240 Familien im Homeschooling gemeldet, so waren es am 31. Januar 2022 bereits 573 Schüler aus 365 Familien.

Noch einmal ein paar Dutzend mehr

Ein halbes Jahr später, die Maskenpflicht ist längst Geschichte, sind die Zahlen gar noch höher, bei allerdings flacherem Anstieg. Am 31. Juli 2022, acht Tage vor Schulbeginn, meldeten die Schulen laut Bildungsdepartement 606 Kinder in 368 Familien im Homeschooling. Mehrheitlich handelt es sich dabei um Kindergarten- und Primarschulkinder.

Bildungspolitikerinnen und Bildungspolitiker waren schon im Januar alarmiert. Sie machten auf die unbefriedigende Situation per Interpellation aufmerksam. Damit die Gesuche für Homeschooling nicht einreissen, hatten sie aber schon im letzten Jahr strengere Regeln gefordert: Die unterrichtende Person müsse eine pädagogische Ausbildung vorweisen, zweitens soll die Abmeldung aus der Volksschule nicht mehr jederzeit möglich sein.

Hürzeler hat es versprochen

Der Grosse Rat lehnte den Vorstoss im Herbst 2021 ab, den zweiten Teil jedoch nahm der Bildungsdirektor als Umsetzungsauftrag entgegen. Darüber bräuchten sie sich keine Sorgen zu machen, hatte Alex Hürzeler noch in der Grossratsdebatte gesagt. Überstürzte Handlungen, wie sie in besonders herausfordernden Situationen vorkommen, könnten verhindert werden – der niederschwellige Wechsel von öffentlichen Schulen in die private Schulung und umgekehrt führe dazu.

Und nun hat der Regierungsrat eine Anpassung in der Verordnung vorgenommen: Seit 1. August ist die Aufnahme privater Schulung in der Regel nur noch auf Semesterbeginn möglich, auch wenn die Meldefrist von zwei Wochen bestehen bleibt.

Mehr Planungssicherheit

Philipp Grolimund, Co-Präsident Aargauischer Schulleiterverband.

Philipp Grolimund, Co-Präsident Aargauischer Schulleiterverband.

Chris Iseli

Philipp Grolimund, Co-Präsident des Aargauischen Schulleiterverbands, ist froh über die Verschärfung. «Klarere Fristen lassen uns genügend Vorlauf, um die Abmeldungen und Rückmeldungen zu organisieren», sagt er. Denn einfach sei das Verfahren nicht, die vielen Gesuche während der Pandemie hätten gezeigt, wie schlecht die private Schulung im Aargau für die Schulen geregelt sei. «Wir hatten auch zuvor schon interveniert. Endlich wurde etwas angepasst», so Grolimund.

Insgesamt besuchen derzeit 83'000 Kinder und Jugendliche die Aargauer Volksschule, die daheim Unterrichteten machen da nicht einmal ein Prozent aus. Er und die anderen Schulleiterinnen und Schulleiter könnten sich denn auch damit abfinden, dass Kinder daheim unterrichtet werden, sagt Philipp Grolimund. Der Zusatzaufwand für die Schulen aber sei störend: «Dass sich wegen der liberalen Aargauer Regeln Nachteile für die Volksschule ergeben, akzeptieren wir nicht.» Auch dass der Zusatzaufwand für den Kanton und die betroffenen Schulen die Eltern nichts kostet. Das schaffe falsche Anreize.

Schulleitungen haben weitere Forderungen

Am nächsten Runden Tisch mit dem Bildungsdepartement werden die Schulleitungen deshalb noch weitere Anpassungen verlangen, stellt der Schulleiterpräsident in Aussicht. Etwa ein schlankeres Abmeldeverfahren, was die Schulen ebenfalls entlasten soll.

Teilweise seien die Schülerinnen und Schüler, die wegen der Maskenpflicht im Homeschooling waren, in diesem Schuljahr wieder zurückgekehrt. Offensichtlich aber längst nicht alle.

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