UBS-Anlass
Herausforderungen für aargauischen Arbeitsmarkt: «Es herrscht grosse Ungewissheit»

Wie weiter nach dem Frankenschock? Vertreter aus Politik und Wirtschaft diskutierten in Aarau auf Einladung der UBS über die künftigen Herausforderungen für den aargauischen Arbeitsmarkt.

Peter Brühwiler
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Diskussionsrunde im KuK: (von links) Landammann Urs Hofmann, UBS-Regionaldirektor Thomas Sommerhalder, SRF-Moderator Franz Fischlin, Domaco-CEO Silvia Huber und Daniel Hug, Leiter Human Resources Schweiz der Zehnder Group.

Diskussionsrunde im KuK: (von links) Landammann Urs Hofmann, UBS-Regionaldirektor Thomas Sommerhalder, SRF-Moderator Franz Fischlin, Domaco-CEO Silvia Huber und Daniel Hug, Leiter Human Resources Schweiz der Zehnder Group.

Sandra Ardizzone

Die UBS, die Aargauische Industrie- und Handelskammer sowie der Kanton führten diese Woche im Aarauer Kultur- und Kongresshaus ihren traditionellen Anlass zu den wirtschaftlichen Perspektiven des Aargaus durch. Diese haben sich in der Folge der Mindestkursaufhebung durch die Nationalbank bekanntlich eingetrübt. Im gesamtschweizerischen Vergleich sei der Aargau dank seiner breit diversifizierten Wirtschaft jedoch nicht überdurchschnittlich vom starken Franken betroffen, sagte der UBS-Chefökonom Daniel Kalt.

Für den Nationalbank-Entscheid, den Euro-Mindestkurs von 1.20 Franken nicht weiter zu verteidigen, zeigte er Verständnis. Die Schweiz habe sich aufgerieben zwischen den USA, die über einen Ausstieg aus der ultraexpansiven Geldpolitik nachdenken und dem Euroraum, deren Zentralbank beschloss, den Markt mit 1,1 Billionen Euro zu fluten. «Das war für die SNB schlicht nicht mehr durchhaltbar.»

Was bedeutet dies nun für den aargauischen Arbeitsmarkt? Diese Frage diskutierten vor rund 450 Gästen der Aargauer Landammann Urs Hofmann, Domaco-CEO Silvia Huber, Daniel Hug von der Zehnder AG sowie der UBS-Regionaldirektor Aargau-Solothurn, Thomas Sommerhalder.

Er komme eben von einer Sitzung der tripartiten Kommission, sagte Hofmann einleitend. Diese kümmert sich um die flankierenden Massnahmen und vereinigt Vertreter der Arbeitnehmer, der Arbeitgeber sowie der Arbeitsmarktbehörden. Allen habe er die Frage gestellt, was man seit dem Mindestkurswegfall in der realen Arbeitswelt merke, so der Volkswirtschaftsdirektor. Die Antwort habe unisono gelautet: «Eigentlich wahnsinnig wenig.»

Business as usual also? Keineswegs. Denn auch wenn sich am Horizont kein massiver Personalabbau abzeichnet: «Es herrscht eine grosse Ungewissheit», so Hofmann. Und die Unternehmen leiden unter dem starken Franken, wie Domaco-Chefin Silvia Huber bestätigte. Ihr im Pharmabereich tätiges Unternehmen beschäftigt am Produktionsstandort Lengnau rund 200 Mitarbeitende. Diese müssten auf zwei Tage Ferien verzichten und damit rechnen, dass die Gratifikationen Ende Jahr massiv gekürzt würden. «Wir haben bereits jetzt erste Projekte verloren, und zwar ganz klar aus preislichen Gründen.»

Zum Standort Aargau bekannten sich sowohl Daniel Hug von der Zehnder AG als auch Silvia Huber. «Wir stehen im Moment vor einem Erweiterungsbau», sagte Letztere. «Wir investieren in die Zukunft.»

Einen Investitionsboom sieht Sommerhalder allerdings trotz der rekordtiefen Zinsen nicht. Im Gegenteil: «Die Unternehmen investieren zwar in Produktivitätsgewinne», so der UBS-Banker. «Erweiterungsinvestitionen kann man aber mehr oder weniger an einer Hand abzählen.» Anders gesagt: «Die Firmen gehen international.» Für den Aargau wünschte er sich, um positiv zu enden: «Dass die Frankenaufwertung vom 15. Januar etwas auslöst — dass sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber zusammenraufen, so dass man sich dauernd weiterentwickelt.»

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